Hallo zusammen,
ich grübel schon eine Weile über die konkrete Aufteilung in meinem zukünftigen Altersvorsorgedepot nach. Aktuell plane ich, ab Januar 2027 monatlich etwa 200 Euro einzuzahlen, davon soll der Hauptteil in einen breit gestreuten Aktien-ETF fließen. Aber Rohstoffe reizen mich schon irgendwie als Beimischung – gerade weil die letzten Jahre gezeigt haben, wie schnell Inflation alles auffrisst.
Jetzt frage ich mich: Wieviel Prozent des Depots sollte man überhaupt in Rohstoffe stecken, wenn man langfristig Altersvorsorge betreibt? Ich hab gelesen, dass manche Experten 5-10% empfehlen, andere sagen 15-20% bei Inflationsschutz-Fokus. Und was ist mit den Kosten? Rohstoff-ETFs scheinen ja teurer zu sein als Standard-Aktien-ETFs.
Ich bin Mitte 40, also noch gut 20 Jahre bis zur Rente. Das Depot soll kein Zockerdepot werden, aber komplett auf Sicherheit setzen will ich auch nicht. Die Sommerhitze die letzten Wochen erinnert mich übrigens daran, dass Rohstoffe wie Kupfer (Klimaanlagen, Wärmepumpen) vielleicht strukturell interessant sein könnten – reine Bauchgefühl-Überlegung.
Hat jemand konkrete Erfahrungen mit einer Rohstoff-Beimischung in einem ähnlichen Depot-Konzept? Oder ist das für langfristige Altersvorsorge eher Spielerei und man fährt mit reinem Aktien-ETF besser?
Grüße
Frank
Ich hab mich mit dem Thema Depotstruktur schon länger beschäftigt, auch im Kontext des neuen Altersvorsorgedepots. Die Faustregel 5-10% Rohstoffe als Beimischung ist durchaus verbreitet und hat eine gewisse Logik – sie dämpft Volatilität bei Aktienabschwüngen ein bisschen, ohne die Rendite massiv zu drücken.
Aber ich würde das stark vom eigenen Ziel abhängig machen. Wer primär Inflationsschutz will, kann höher gehen. Wer einfach möglichst viel Kapital aufbauen will, fährt historisch gesehen mit reinen Aktien-ETFs oft besser, weil Rohstoffe kein laufendes Einkommen generieren (keine Dividenden, kein Gewinnwachstum).
Die Kosten-Frage ist berechtigt – ich hatte das auch mal im MiFID II-Thread angesprochen. Bei Rohstoff-ETFs kommt noch hinzu, dass viele über Futures replizieren, was Roll-Kosten erzeugt. Das kann die Rendite über Jahre spürbar belasten, auch wenn die TER auf dem Papier akzeptabel aussieht.
Kurz zur Technik-Seite: Futures-basierte Rohstoff-ETFs haben in Contango-Märkten strukturell schlechtere Renditen. Das ist kein Kleingedrucktes, das ist ein echter Renditekiller über lange Zeiträume. Wer das nicht kennt, sollte sich das unbedingt vor dem ersten Kauf anschauen.
Bei physisch besicherten Rohstoff-Produkten (vor allem Gold/Silber) fällt das weg, aber die decken halt nur einen kleinen Teil des Rohstoffspektrums ab. Breite Rohstoff-ETFs kommen fast nie ohne Futures aus.
Für das Altersvorsorgedepot würd ich da sehr genau hinschauen, welches Produkt ich nehme. Die günstige TER kann durch Roll-Verluste schnell zunichte gemacht werden. Hab das in anderen Threads schon mal erwähnt – Kosten sind beim Altersvorsorgedepot generell ein zentrales Thema.
Ich hab das ähnliche Problem durchgedacht wie du, Frank – bin ebenfalls Ende 40, ähnlicher Planungshorizont.
Meine Einschätzung nach einiger Recherche: Die Entscheidung hängt weniger am prozentualen Anteil als an der Frage, warum du Rohstoffe willst. Inflationsschutz? Dann sind breite Rohstoff-ETFs oder physisches Gold sinnvoller. Wachstumswette auf bestimmte Megatrends (E-Mobilität, Elektrifizierung)? Dann eher Minenaktien oder sektorbezogene ETFs.
Ein Mix aus beidem macht die Sache unübersichtlich und teuer. Ich würd mich für einen klaren Zweck entscheiden und dann gezielt ein Produkt wählen, statt verschiedene Rohstoff-Vehikel zu kombinieren. Und die Kosten beim neuen Altersvorsorgedepot wirklich genau kalkulieren – bei 200€ monatlich und 20 Jahren Laufzeit macht selbst 0,3% TER-Unterschied am Ende einen deutlichen Betrag aus.
ehrlich gesagt find ich den ganzen Rohstoff-Hype in solchen Depots ein bisschen übertrieben. ich bin zwar noch jung und hab das altersvorsorgedepot-thema erst seit kurzem auf dem schirm (hatte das im Berufseinsteiger-Thread diskutiert), aber selbst ich seh das so: wenn du 200€ im Monat hast und noch 20 jahre bis rente, dann ist jeder euro der nicht in einen günstigen welt-ETF fliesst eigentlich verschenktes renditepotenzial.
aber ok, wenn du das als kleine absicherung siehst und max 5-10% reinnimmst – warum nicht. mehr würd ich an deiner stelle aber nicht machen