Hallo zusammen,
ich sitze gerade im Garten (das Wetter zwingt mich dazu, die Klimaanlage läuft auf Hochtouren und ich frage mich schon ob das nicht die Rendite frisst 😄) und mache mir ernsthaft Gedanken darüber, wie ich meine Altersvorsorge so aufstellen kann dass die Kaufkraft über einen wirklich langen Horizont erhalten bleibt.
Ich stehe noch ganz am Anfang was das Altersvorsorgedepot 2027 angeht und denke aber schon darüber nach, wie man bei 40 Jahren Ansparzeit das Thema Kaufkraftverlust ernsthaft angeht. Nicht nur mit irgendwelchen groben Daumenregeln sondern wirklich strategisch.
Meine Fragen:
- Wie stellt ihr euer Depot auf, um nicht nur nominal sondern real Vermögen aufzubauen?
- Gibt es konkrete Asset-Klassen oder Kombinationen die über 40 Jahre besonders gut gegen Kaufkraftverlust geschützt haben historisch gesehen?
- Sollte man schon beim Aufbau des Depots zwischen verschiedenen Inflationsszenarien unterscheiden, oder ist das Overengineering?
- Wie geht ihr mit der Unsicherheit um, dass niemand weiß was in 40 Jahren eine Inflationsrate von meinetwegen 1,5% oder 4% konkret bedeutet?
Ich bin kein Finanzprofi, versuche aber die Grundlagen zu verstehen bevor ich 2027 anfange. Vielleicht habt ihr praktische Erfahrungen oder Literatur die ihr empfehlen könnt?
Danke schon mal!
Kurz von mir: Das Wichtigste bei 40 Jahren Horizont ist schlicht, dass die Realrendite nach Kosten und Steuern positiv bleibt. Und das schafft man fast nur mit Aktien-ETFs, nicht mit Festzins oder Garantieprodukten. Den Rest kann man verfeinern wenn man mehr Erfahrung hat.
Ich bin da etwas skeptischer als KinderzulagePro7 – nicht was die Aktienquote angeht, die stimmt – aber was die historischen Daten betrifft sollte man vorsichtig sein. Wir hatten in Europa zuletzt eine Inflationsphase wie seit 40 Jahren nicht mehr, und manche Strategien die vorher gut aussahen haben 2021-2023 deutlich schlechter abgeschnitten als erwartet.
Ich hab meinen Riester damals aufgegeben (hab dazu im Forum schon geschrieben) und schaue dem Altersvorsorgedepot 2027 mit gemischten Gefühlen entgegen. Was ich gelernt habe nach vielen Jahren: Der Realwert zählt, nicht die nominale Endsumme. Das klingt selbstverständlich ist es aber nicht.
Konkret würde ich empfehlen: Inflation nicht als feste Zahl einplanen sondern als Bandbreite. Stresst euer Depot mental durch – was ist wenn 40 Jahre lang 3% Inflation herrschen? Reicht das dann noch? Und plant keinen maximalen Aktienanteil wenn ihr bei Kurseinbrüchen schlecht schläft. Wer in der Baisse verkauft, verliert mehr Kaufkraft als jede Inflation.
Guten Abend,
ich lese hier mit und möchte einen Aspekt einbringen den ich in meinem beruflichen Umfeld immer wieder unterschätzt sehe: die Konsistenz der Einzahlungen über lange Zeiträume.
Viele Menschen starten gut durch, reduzieren aber die Einzahlungen bei größeren Ausgaben – Hauskauf, Familie, Renovierung, oder auch mal eine teurere Urlaubssaison wie gerade im Sommer wenn alle Kosten gleichzeitig kommen. Genau diese Unterbrechungen fressen Kaufkraft, weil man in Phasen schlechter Kurse eben nicht kauft.
Zum Thema Asset-Klassen: Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit Anbietervergleichen (vgl. meine Posts zu Wechselthemen) und kann sagen – die Produktstruktur des Altersvorsorgedepots 2027 gibt mehr Flexibilität als Riester je hatte. Das ist für eine langfristige Inflationsschutz-Strategie tatsächlich ein Vorteil, weil man die Allokation später noch anpassen kann ohne alles aufzulösen.
Bei 40 Jahren Horizont würde ich aber keine zu komplexe Rohstoffbeimischung empfehlen. Die Korrelation mit Inflation ist über sehr lange Perioden weniger stabil als oft behauptet.
Gute Frage, über sowas hab ich mir beim Direktbank-Thread schon Gedanken gemacht, weil die Anbietergebühren ja direkt die Realrendite beeinflussen.
Zum Kern: Bei 40 Jahren Horizont ist der wichtigste Hebel gegen Kaufkraftverlust eine möglichst hohe Aktienquote – das klingt simpel, aber die Versuchung ist groß, bei schlechten Börsenphasen umzuschichten. Historisch (langer Zeitraum, globale Streuung) haben breit gestreute Aktien-ETFs die Inflation über Jahrzehnte deutlich geschlagen. Das ist keine Garantie, aber der stärkste Beleg den wir haben.
Dein Punkt mit den verschiedenen Inflationsszenarien: ich würde das nicht zu komplex machen. Ein globaler MSCI World oder All-World reagiert auf Inflation indirekt schon – Unternehmen können Preise weitergeben. Rohstoffe oder Immobilien-ETFs als Beimischung kann man überlegen, aber nur als kleinen Teil. Overengineering ist tatsächlich ein Risiko.
Wichtigster praktischer Tipp: Kosten im Blick behalten. 0,5% Mehrkosten pro Jahr über 40 Jahre können einen fünfstelligen Betrag ausmachen.