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Emerging Markets ETFs sinnvoll fürs Altersvorsorgedepot 2027?

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Gnter67
Beiträge: 51
Themenstarter
(@gnter67)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten
[#48]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich gerade intensiv damit, wie ich mein gefördertes Altersvorsorgedepot ab 2027 aufstellen will. Bin jetzt 59 und habe noch ca. 8 Jahre bis zur Rente – also noch ein bisschen Zeit, aber nicht mehr ewig.

Nun frage ich mich ernsthaft, ob Emerging Markets ETFs für mich noch Sinn machen. Ich lese überall unterschiedliche Meinungen. Die einen sagen, EM bringen langfristig mehr Rendite weil die Volkswirtschaften in Asien, Lateinamerika und Afrika noch stark wachsen. Die anderen warnen vor politischen Risiken, Währungsschwankungen, chinesischen Regulierungsaktionen usw.

Mich interessiert konkret:
- Welche Erfahrungen habt ihr mit EM-ETFs über längere Zeiträume gemacht?
- Macht es bei einem 8-Jahres-Horizont überhaupt noch Sinn, in EM zu investieren?
- Und wie handhabt ihr das mit der Förderung – gilt die beim Altersvorsorgedepot 2027 eigentlich für alle ETF-Typen gleich, also auch für EM-ETFs?

Bin kein Experte, habe bisher nur ein normales Depot bei meiner Hausbank. Das Sommerloch nutze ich gerade um mich endlich mal richtig einzulesen, bevor das neue Depot 2027 startet.

Danke schonmal!
Günter


4 Antworten
Markus B.
Beiträge: 30
(@markus-breitner)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Ich seh das etwas anders als Werner. Bei 8 Jahren würde ich EM-ETFs deutlich kritischer betrachten.

Ich beschäftige mich schon länger mit Faktor-Strategien – hab dazu auch im Faktor-ETFs Thread einiges geschrieben. Mein Punkt dort war: je kürzer der Horizont, desto mehr zählt Stabilität über Renditepotenzial.

EM-ETFs haben das strukturelle Problem, dass die Outperformance gegenüber dem MSCI World in den letzten 15 Jahren weitgehend ausgeblieben ist. Das liegt nicht nur an China, sondern auch an Strukturproblemen in vielen EM-Ländern: schwache Institutionen, Währungsrisiken, politische Instabilität. Die Wachstumsstory klingt gut auf dem Papier, hat sich aber renditetechnisch für viele Anleger nicht ausgezahlt.

Wenn du 8 Jahre bis zur Rente hast, solltest du dir gut überlegen, ob du einen möglichen 5-Jahres-Drawdown bei EM einfach aussitzen kannst. Bei einem 30-Jährigen ist das kein Problem. Bei dir hängt es davon ab, ob du das Depot wirklich erst zur Rente anrührst oder vorher flexibel sein willst.

Die Förderung gilt übrigens für das Depot als solches – ETF-Typ spielt keine Rolle, solange der Anbieter zugelassen ist.


Antwort
MarkusH84
Beiträge: 48
(@markush84)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

kurze Einschätzung von mir: EM-ETFs können rein, aber nur als Beimischung. Ich würd nie mehr als 15% drauf setzen, und bei deinem Zeitrahmen eher 10%. Die Förderung gilt für alle ETFs im zugelassenen Depot, das ist klar geregelt soweit ich weiß.

Ansonsten: lieber einen soliden MSCI World oder ACWI als Basis und EM als kleines Extra drauf. Das Risiko-Rendite-Verhältnis stimmt bei EM einfach nicht mehr so wie noch vor 20 Jahren.


Antwort
Werner78
Beiträge: 57
(@werner78)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Hallo Günter,

interessante Frage, mit der ich mich auch schon auseinandergesetzt habe. Ich hab damals im Thread Meine Bank will mir ihre Fonds andrehen statt ETFs - Eltern überzeugen? schon geschrieben, wie wichtig es ist, sich nicht von Banken in teure Produkte drängen zu lassen – das gilt bei EM-ETFs genauso.

Zur eigentlichen Frage: Bei 8 Jahren Restlaufzeit würde ich EM nicht komplett raushalten, aber auch nicht übergewichten. Ein Anteil von vielleicht 10-15% am Gesamtdepot ist vertretbar, wenn du die Schwankungen aushalten kannst. EM haben historisch gesehen immer wieder lange Durststrecken gehabt – manchmal 5-7 Jahre mit schlechter Performance gegenüber dem MSCI World.

Zur Förderungsfrage: Soweit ich das verstehe, gilt die staatliche Förderung im Altersvorsorgedepot 2027 für alle zugelassenen ETFs gleichermaßen, also auch EM-ETFs – entscheidend ist das zugelassene Depot, nicht der konkrete ETF-Typ. Aber das würde ich nochmal genau nachlesen, ich bin da kein Rechtsexperte.

Grund zur Skepsis bleibt: China macht im MSCI EM immer noch einen sehr großen Block aus, und die Regulierungsrisiken dort sind real.


Antwort
Markus F.
Beiträge: 35
(@depotdaddy42)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Günter, ich beschäftige mich seit ein paar Monaten intensiv mit Risikoabsicherung im Depot – hab dazu auch mal was zum Inflationsthema geschrieben, weil mich das umtreibt. Mein Fazit für deine Situation:

Emerging Markets sind kein Selbstläufer. Das Wachstumspotenzial ist da, aber du trägst eben auch Währungsrisiko, politisches Risiko und Liquiditätsrisiko gleichzeitig. Gerade bei EM-ETFs siehst du in Kriesenphasen oft stärkere Einbrüche als beim MSCI World – und Erholung dauert länger.

Für jemanden mit 8 Jahren Horizont würde ich folgendes überlegen: Wie ist dein Sicherheitsbedürfnis? Wenn du nachts schlecht schläfst wenn dein Depot 20% im Minus ist, dann lass EM weg. Wenn du das locker sehen kannst, ist eine kleine Beimischung vertretbar.

Die Förderung im neuen Altersvorsorgedepot 2027 richtet sich meines Wissens nach dem Produkt und dem Anbieter, nicht nach dem konkreten Inhalt – also ja, EM-ETFs sind da genauso förderungsfähig wie ein MSCI World. Trotzdem würde ich das lieber nochmal beim Anbieter direkt checken bevor du wirklich investierst, die Detailregelungen sind noch nicht überall final kommuniziert.


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