Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiv damit, wie ich mein gefördertes Altersvorsorgedepot ab 2027 aufstellen will. Bin jetzt 59 und habe noch ca. 8 Jahre bis zur Rente – also noch ein bisschen Zeit, aber nicht mehr ewig.
Nun frage ich mich ernsthaft, ob Emerging Markets ETFs für mich noch Sinn machen. Ich lese überall unterschiedliche Meinungen. Die einen sagen, EM bringen langfristig mehr Rendite weil die Volkswirtschaften in Asien, Lateinamerika und Afrika noch stark wachsen. Die anderen warnen vor politischen Risiken, Währungsschwankungen, chinesischen Regulierungsaktionen usw.
Mich interessiert konkret:
- Welche Erfahrungen habt ihr mit EM-ETFs über längere Zeiträume gemacht?
- Macht es bei einem 8-Jahres-Horizont überhaupt noch Sinn, in EM zu investieren?
- Und wie handhabt ihr das mit der Förderung – gilt die beim Altersvorsorgedepot 2027 eigentlich für alle ETF-Typen gleich, also auch für EM-ETFs?
Bin kein Experte, habe bisher nur ein normales Depot bei meiner Hausbank. Das Sommerloch nutze ich gerade um mich endlich mal richtig einzulesen, bevor das neue Depot 2027 startet.
Danke schonmal!
Günter
Ich seh das etwas anders als Werner. Bei 8 Jahren würde ich EM-ETFs deutlich kritischer betrachten.
Ich beschäftige mich schon länger mit Faktor-Strategien – hab dazu auch im Faktor-ETFs Thread einiges geschrieben. Mein Punkt dort war: je kürzer der Horizont, desto mehr zählt Stabilität über Renditepotenzial.
EM-ETFs haben das strukturelle Problem, dass die Outperformance gegenüber dem MSCI World in den letzten 15 Jahren weitgehend ausgeblieben ist. Das liegt nicht nur an China, sondern auch an Strukturproblemen in vielen EM-Ländern: schwache Institutionen, Währungsrisiken, politische Instabilität. Die Wachstumsstory klingt gut auf dem Papier, hat sich aber renditetechnisch für viele Anleger nicht ausgezahlt.
Wenn du 8 Jahre bis zur Rente hast, solltest du dir gut überlegen, ob du einen möglichen 5-Jahres-Drawdown bei EM einfach aussitzen kannst. Bei einem 30-Jährigen ist das kein Problem. Bei dir hängt es davon ab, ob du das Depot wirklich erst zur Rente anrührst oder vorher flexibel sein willst.
Die Förderung gilt übrigens für das Depot als solches – ETF-Typ spielt keine Rolle, solange der Anbieter zugelassen ist.
kurze Einschätzung von mir: EM-ETFs können rein, aber nur als Beimischung. Ich würd nie mehr als 15% drauf setzen, und bei deinem Zeitrahmen eher 10%. Die Förderung gilt für alle ETFs im zugelassenen Depot, das ist klar geregelt soweit ich weiß.
Ansonsten: lieber einen soliden MSCI World oder ACWI als Basis und EM als kleines Extra drauf. Das Risiko-Rendite-Verhältnis stimmt bei EM einfach nicht mehr so wie noch vor 20 Jahren.
Hallo Günter,
interessante Frage, mit der ich mich auch schon auseinandergesetzt habe. Ich hab damals im Thread Meine Bank will mir ihre Fonds andrehen statt ETFs - Eltern überzeugen? schon geschrieben, wie wichtig es ist, sich nicht von Banken in teure Produkte drängen zu lassen – das gilt bei EM-ETFs genauso.
Zur eigentlichen Frage: Bei 8 Jahren Restlaufzeit würde ich EM nicht komplett raushalten, aber auch nicht übergewichten. Ein Anteil von vielleicht 10-15% am Gesamtdepot ist vertretbar, wenn du die Schwankungen aushalten kannst. EM haben historisch gesehen immer wieder lange Durststrecken gehabt – manchmal 5-7 Jahre mit schlechter Performance gegenüber dem MSCI World.
Zur Förderungsfrage: Soweit ich das verstehe, gilt die staatliche Förderung im Altersvorsorgedepot 2027 für alle zugelassenen ETFs gleichermaßen, also auch EM-ETFs – entscheidend ist das zugelassene Depot, nicht der konkrete ETF-Typ. Aber das würde ich nochmal genau nachlesen, ich bin da kein Rechtsexperte.
Grund zur Skepsis bleibt: China macht im MSCI EM immer noch einen sehr großen Block aus, und die Regulierungsrisiken dort sind real.