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Faktor-ETFs im Altersvorsorgedepot – lohnt sich das wirklich?

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Nadine_1979
Beiträge: 1
Themenstarter
(@nadine_1979)
New Member
Beigetreten: Vor 5 Tagen
[#44]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich gerade intensiver mit der Vorbereitung auf das neue Altersvorsorgedepot, das ja ab Januar 2027 starten soll. Ich bin Jahrgang 1979, habe also noch gut 25 Jahre bis zur Rente – eigentlich genug Zeit, um auch etwas risikofreudiger zu investieren.

Jetzt bin ich über sogenannte Faktor-ETFs gestolpert – also ETFs, die gezielt bestimmte Faktoren wie Value, Momentum, Quality oder Low Volatility übergewichten. Die Idee klingt verlockend: historisch häufig besser als der Marktdurchschnitt, zumindest in bestimmten Phasen. Aber ich frage mich, ob das für ein gefördertes Langzeit-Depot wirklich Sinn macht.

Einerseits: Bei 25 Jahren Anlagehorizont könnte man Phasen der Underperformance einfach aussitzen. Andererseits habe ich gelesen, dass Faktor-Prämien in letzter Zeit teilweise verschwunden oder deutlich schwächer geworden sind – vielleicht weil alle darauf aufgesprungen sind?

Mich interessiert vor allem:
- Nutzt jemand von euch Faktor-ETFs gezielt im Depot, oder plant das für 2027?
- Welche Faktoren haltet ihr langfristig für am stabilsten?
- Ist eine Kombination (z.B. MSCI World als Kern + Faktor-ETF als Beimischung) sinnvoll oder überkompliziert?

Ich frage das auch, weil ich im Urlaub (fahre nächste Woche weg) in Ruhe meine Strategie für 2027 nochmal überdenken möchte. Würde mich freuen, wenn ich vorher noch ein paar fundierte Meinungen bekomme.

Danke!
Nadine


5 Antworten
L.Weber38
Beiträge: 23
(@l-weber38)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Ich les hier mit und find das Thema spannend. Bin selber noch relativ am Anfang was Kapitalmarkt angeht, aber Faktor-ETFs kannte ich bisher ehrlich gesagt kaum.

Was mich interessiert: Gibt es eigentlich schon konkrete Hinweise, welche ETF-Typen von den Anbietern, die das Altersvorsorgedepot 2027 anbieten werden, überhaupt unterstützt werden? Ich frag mich, ob alle Faktor-ETFs dort zulässig sind oder ob es Einschränkungen gibt – also ob der Gesetzgeber da irgendwas vorschreibt was drin sein darf oder nicht.

Wäre ja blöd wenn man ne Strategie plant und dann beim Start merkt, der gewünschte ETF is gar nicht verfügbar beim jeweiligen Anbieter.


Antwort
S.Weber
Beiträge: 9
(@s-weber)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Hi Nadine,

Faktor-ETFs sind ein interessantes Thema, über das ich mir selbst auch schon Gedanken gemacht habe – gerade im Kontext, wie viele verschiedene Bausteine man ins Depot nehmen sollte (dazu hab ich mal was im Thread Wie viele ETFs sollte ich als Anfänger maximal ins Depot nehmen? geschrieben).

Mein persönlicher Standpunkt: Faktor-ETFs können als Beimischung Sinn machen, aber nur wenn man wirklich versteht, was man kauft. Das Problem ist, dass Faktor-Prämien wissenschaftlich gut dokumentiert sind – aber eben rückblickend. Ob sie in Zukunft in ähnlicher Form bestehen bleiben, ist offen. Besonders Momentum und Value haben historisch funktioniert, aber es gab teils jahrelange Durststrecken.

Für ein Altersvorsorgedepot würde ich persönlich folgendes überlegen: Ein solider MSCI World als Kernposition (70-80%), und wenn überhaupt, dann Quality als Faktor-Beimischung. Quality-Unternehmen – also solche mit stabilen Bilanzen und hoher Eigenkapitalrendite – schlagen sich erfahrungsgemäß besonders in volatilen Phasen gut. Low Volatility klingt defensiv, bremst aber auch die Rendite erheblich.

Momentum würde ich für ein Langzeitdepot eher meiden – das Rebalancing ist teuer und der Faktor kann schnell drehen. Bei 25 Jahren Anlagehorizont ist das aber tatsächlich einer deiner Vorteile: Kurze Underperformance-Phasen fallen nicht so stark ins Gewicht.


Antwort
VorsorgePro58
Beiträge: 36
(@vorsorgepro58)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen

Als jemand, der schon einige Marktzyklen erlebt hat – ich bin seit den späten 1980ern am Kapitalmarkt aktiv – kann ich dazu ein bisschen Erfahrung beisteuern.

Faktor-ETFs in ihrer heutigen Form gibt es ja noch gar nicht so lang, und die meisten historischen Backtests wurden auf Basis von Daten erstellt, auf die die Strategien teilweise selbst aufgebaut wurden. Das nennt sich Data Mining Bias und ist ein echtes Problem bei der Einschätzung, ob diese Prämien wirklich strukturell und dauerhaft sind oder ob sie schlicht gefunden wurden weil man danach gesucht hat.

Was ich in der Praxis beobachte: Momentum funktioniert kurzfristig gut, ist aber für ein Depot, das man 25 Jahre hält und möglichst nicht anfassen will, das falsche Werkzeug. Quality ist stabiler, aber auch da muss man die Definition des Anbieters genau anschauen – die variiert je nach ETF erheblich.

Mein ehrlicher Rat für ein gefördertes Altersvorsorgedepot: Halte die Struktur so einfach wie möglich. Komplexität erzeugt Reibungsverluste – nicht nur in Form von Kosten, sondern auch durch Verhaltensfehler. Je mehr Positionen, desto mehr Entscheidungen, desto mehr Gelegenheiten, zur Unzeit einzugreifen. Das klingt banal, kostet aber nachweislich Rendite. Ein breit gestreuter Welt-ETF als Basis ist für die allermeisten Anleger das Richtige – Faktor-Beimischung nur wenn man wirklich Überzeugung hat und nicht beim ersten Gegenwind zweifelt.


Antwort
Thomas-Berger
Beiträge: 20
(@thomas-berger)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen

Guter Punkt von L.Weber38 – das ist tatsächlich noch völlig unklar, welche konkreten Produkte die Anbieter ins Rennen schicken werden. Da sollte man im Hinterkopf behalten, dass die Auswahl 2027 zum Start wahrscheinlich noch eingeschränkter sein wird als bei regulären Broker-Depots.

Zu Nadines eigentlicher Frage: Ich hab mich beim Depotaufbau anfangs auch mit Faktor-Strategien beschäftigt. Mein Fazit: Quality und Minimum Volatility sind die Faktoren, die akademisch am robustesten dokumentiert sind und für langfristige Anleger die meiste Substanz haben. Value hat funktioniert, aber das Warten auf die Prämie kann sehr lang sein – teilweise über ein Jahrzehnt.

Ein Punkt, den ich noch ergänzen möchte: Faktor-ETFs sind keine Geheimwaffe. Sie können die Rendite marginal verbessern, aber nur wenn die Grundstrategie stimmt. Wer erst bei Faktor-Beimischungen nachdenkt und die Grundallokation nicht im Griff hat, sollte lieber dort anfangen. Dazu hab ich mal einiges zu Anfängerfehlern beim Depotstart geschrieben – da steckt oft mehr drin als gedacht.


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