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Faktor-ETFs (Value, Growth, Momentum) fürs Altersvorsorgedepot – sinnvoll?

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Markus-Breitner
Beiträge: 1
Themenstarter
(@markus-breitner)
New Member
Beigetreten: Vor 7 Tagen
[#46]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich gerade in meiner Sommerpause etwas intensiver mit der Frage, ob ich für mein Altersvorsorgedepot ab 2027 rein auf einen breit gestreuten Welt-ETF setzen soll, oder ob ich über sogenannte Faktor-ETFs nachdenken sollte. Ich meine damit konkret Single-Faktor-ETFs auf Value, Growth und Momentum – oder auch Multi-Faktor-Varianten.

Akademisch ist das ja gut dokumentiert: Famaund French, Carhart-Modell usw. – Faktoren wie Value und Momentum haben historisch über lange Zeiträume eine Überrendite gegenüber dem Markt gezeigt. Die Frage ist nur, ob das im Kontext des neuen Altersvorsorgedepots überhaupt relevant ist. Ich denke dabei an folgende Punkte:

1. Factor-Premiums schwanken stark und können jahrelang ausbleiben (Value hatte über ein Jahrzehnt underperformed).
2. Die TER bei Faktor-ETFs ist oft höher als beim Standard-All-World.
3. Rebalancing zwischen Faktoren ist aufwändiger – und die Frage ist, ob das im steuerbegünstigten Depot anders bewertet werden sollte.
4. Momentum-ETFs haben hohe Umschlagsquoten, was intern Kosten erzeugt.

Ich bin kein Anfänger im Investmentbereich, hab schon einige Jahre Erfahrung mit ETF-Portfolios und lese mich gerade durch aktuelle Studien. Mich würde interessieren, ob jemand hier konkrete Erfahrungen oder eine fundierte Meinung dazu hat – gerade im Hinblick auf den langen Anlagehorizont des Altersvorsorgedepots. Welche Faktoren-Kombination macht eurer Meinung nach Sinn, wenn überhaupt?


2 Antworten
KinderzulagePro7
Beiträge: 1
(@kinderzulagepro7)
New Member
Beigetreten: Vor 7 Tagen

Ich hab mich mit dem Thema Anbieterauswahl fürs Depot beschäftigt (siehe z.B. Direktbank oder Filialbank fürs Altersvorsorgedepot – wo anmelden?), aber bei Faktor-ETFs bin ich noch kein Experte. Trotzdem kann ich was zur Praxis sagen:

Die meisten Anbieter, die für das Altersvorsorgedepot in Frage kommen, werden voraussichtlich eine überschaubare ETF-Auswahl haben – zumindest zu Beginn. Ob da wirklich alle gängigen Faktor-ETFs verfügbar sein werden, steht ja noch in den Sternen. Das ist für mich ein praktisches Argument, den Einstieg mit einem simplen All-World zu planen und Faktor-Gewichtungen erst dann einzubauen, wenn die Anbieter-Landschaft klarer ist.

Zum inhaltlichen Teil: Das Value-Premium-Problem der 2010er ist real und sollte nicht unterschätzt werden. Wenn man 30+ Jahre Horizont hat, mag das verkraftbar sein – aber psychologisch ist jahrelanges Underperformance eben auch nicht ohne. Ich wäre da persönlich vorsichtig, zumindest mit einer hohen Faktor-Gewichtung.


Antwort
Markus91
Beiträge: 6
(@markus91)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen

Ich hab mich schon beim Thema Inflationsschutz mit TIPS und Rohstoffen mit ähnlichen Fragen rumgeschlagen – nämlich: lohnt sich ein komplexeres Portfolio gegenüber der einfachen Lösung?

Meine Einschätzung zu Faktor-ETFs konkret: Der akademische Befund ist robust, aber es gibt ein ernstes 'Crowding'-Problem. Seit Faktor-Strategien bekannt und zugänglich sind, werden die Prämien arbitriert. Value war 10 Jahre schwach, Momentum funktioniert oft – bis es plötzlich brutal crasht (2020 war ein gutes Beispiel). Multi-Faktor reduziert das etwas, aber dann zahlst du nochmal höhere TER.

Für ein Altersvorsorgedepot, das steuerlich begünstigt ist und auf Jahrzehnte ausgelegt wird, würde ich persönlich so vorgehen: Kern bleibt ein MSCI World oder All-World (70-80%), und maximal 20-30% geht in einen Quality- oder Value-Faktor-ETF. Momentum würde ich weglassen, weil die internen Transaktionskosten den TER-Vorteil gegenüber aktiven Fonds schnell auffressen.

Growth als Faktor macht im aktuellen Umfeld für mich wenig Sinn – das ist faktisch ein teurer Tech-Wetten-ETF.


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