Hallo zusammen,
ich beschäftige mich schon eine Weile mit dem Thema Altersvorsorgedepot ab 2027 und überlege gerade, wie ich mein Depot aufstellen will. Grundsätzlich bin ich kein Anfänger – ich hab schon ein reguläres Depot und weiß, was ETFs sind.
Aber ich komme immer wieder zu demselben Punkt: Wenn ich einen breit gestreuten MSCI World oder ACWI nehme, der bereits mehrere tausend Positionen enthält – was bringt mir dann noch ein zweiter oder dritter ETF? Viele Leute reden von '3-ETF-Portfolio' oder sogar 5-6 ETFs, aber ich frage mich, ob das nicht nur das Gefühl von Diversifikation ist, ohne dass es wirklich mehr Sicherheit bringt.
Konkret: Ich denke über folgendes nach:
- Variante A: Nur ein ACWI IMI (Industrie- UND Schwellenländer + Small Caps)
- Variante B: MSCI World + EM + evtl. Small Cap Beimischung
- Variante C: Irgendwas mit Anleihen-ETF zur Stabilisierung
Was ich noch nicht ganz verstehe: Ab wann wird's wirklich redundant? Bringt ein zusätzlicher Europa-ETF neben dem World irgendwas oder verwalte ich dann nur Überlappungen?
Ich frage das auch deshalb, weil ich vorhabe, das Setup möglichst simpel zu halten – je mehr ETFs, desto mehr Rebalancing-Aufwand. Und ehrlich gesagt hab ich gerade genug andere Baustellen, auch wenn's da mehr ums Wetter geht als ums Depot 😄
Freue mich auf eure Einschätzungen!
Ich beschäftige mich schon eine Weile mit ETF-Auswahl, auch mit ESG-Varianten, und hab die Erfahrung gemacht: Die Frage 'wie viele ETFs' ist oft weniger entscheidend als 'welche ETFs und warum'.
Ein ACWI IMI ist tatsächlich für die meisten Situationen ausreichend diversifiziert. Der typische Fehler ist, ETFs zu addieren ohne einen echten Diversifikationsgewinn zu erzielen – Stichwort Überlappung. Ein Europa-ETF on top des World ist da ein klassisches Beispiel. Du hast dann de facto einfach Europa übergewichtet, nicht 'breiter' gestreut.
Was ich beim Altersvorsorgedepot 2027 zusätzlich bedenkenswert finde: Die Förderstruktur legt nahe, dass man langfristig investiert und möglichst wenig Reibung im Depot haben will. Weniger ETFs bedeutet weniger Rebalancingbedarf und weniger Versuchung, daran rumzuschrauben. Das ist psychologisch nicht zu unterschätzen – gerade in turbulenten Marktphasen. Ich hab im Faktor-ETF-Thread schon ähnliche Überlegungen geteilt: Faktor-ETFs im Altersvorsorgedepot – lohnt sich das wirklich?
Kurz: Fang mit einem soliden Einzel-ETF an. Wenn du einen konkreten Grund für einen zweiten hast, dann ja. Aber nie ETFs um des ETF-Sammelns willen.
Ich track ja schon eine Weile die Marktentwicklungen rund ums neue Depot und hab mich auch mit dieser Frage beschäftigt.
Zusätzlich zu dem was Frank schreibt: Die Korrelationsstruktur zwischen einem MSCI World und einem MSCI EM ist durchaus relevant. Beide ETFs laufen in Krisenzeiten oft stärker zusammen als man erwartet – der Diversifikationseffekt ist geringer als die reine Regionenaufteilung vermuten lässt. Das spricht nicht gegen Variante B, man sollte die Erwartungen aber realistisch einordnen.
Ein Anleihen-ETF (Variante C) bringt dagegen wirkliche Asset-Klassen-Diversifikation – also eine andere Risikocharakteristik. Ob das im Altersvorsorgedepot sinnvoll ist, hängt aber vom Anlagehorizont ab. Wer 30 Jahre Zeit hat, braucht das vermutlich nicht. Wer näher an der Rente ist, sollte es ernsthaft erwägen.
Mein Fazit: Mehr als 2-3 ETFs bringen bei einem Privatanleger in der Regel keine messbare Risikoreduktion mehr, erhöhen aber den Verwaltungsaufwand. Qualität vor Quantität.
also ich bin da eher simpel gestrickt, hab erst im letzten Jahr mit dem Thema angefangen. für mich wars ne Erleichterung zu lesen das ein ETF reichen kann, ich hab echt angst gehabt ich mach was falsch wenn ichs zu einfach halte 😅
ACWI IMI klingt nach nem soliden Plan, zumindest für den Start. das kann man ja später noch anpassen wenn man mehr blickt.
Gute Frage, über die ich mir auch schon Gedanken gemacht hab – gerade im Kontext der neuen Altersvorsorgedepots ab 2027, wo man ja langfristig denkt.
Meine Einschätzung: Ein ACWI IMI ist für viele Anleger tatsächlich ausreichend. Der Mehrwert eines zweiten ETFs hängt stark davon ab, was du erreichen willst. Überlappungen bei einem zusätzlichen Europa-ETF neben dem World sind real – du gewichtest Europa dann einfach über, was eine bewusste Entscheidung sein kann, aber kein 'mehr Diversifikation' bedeutet.
Was ich aber bedenkenswert finde: Für das Altersvorsorgedepot, wo das Geld 20-30 Jahre liegt, spielt die Anzahl der ETFs m.E. eine geringere Rolle als die Kostenquoten und die eigene Disziplin, nicht ständig rumzuschrauben. Ich hab mich beim Thema Anbieterauswahl schon etwas durchgekämpft – da sind die Unterschiede teils größer als zwischen 1 und 3 ETFs: Welche neuen Anbieter fürs Altersvorsorgedepot habt ihr schon auf dem Schirm?
Kurz gesagt: Deine Variante A ist solide. Mehr ETFs nur dann, wenn du eine konkrete Begründung hast, nicht weil es sich 'gründlicher' anfühlt.