Hallo zusammen,
nachdem ich mich jetzt seit ein paar Wochen intensiver mit dem neuen Altersvorsorgedepot beschäftige, hänge ich gerade an einer Frage fest, bei der ich keine klare Antwort finde.
Ich bin 29, fange nächstes Jahr mit dem Depot an und überlege, wie viele ETFs ich drin haben sollte. Ich lese überall unterschiedliche Meinungen: manche sagen, ein einziger MSCI World oder ACWI reicht völlig aus, andere bauen sich ein Portfolio aus 3-4 ETFs zusammen (z.B. MSCI World + EM + Small Caps oder so). Und dann gibt es noch die, die sagen, mehr ETFs = mehr Komplexität ohne echten Mehrwert.
Mich interessiert dabei weniger die konkrete ETF-Auswahl (welcher Anbieter usw.) sondern eher die Grundsatzfrage: Macht es bei einem geförderten Depot mit vielleicht 150-200€ monatlich überhaupt Sinn, mehrere ETFs zu bespielen? Wird das nicht irgendwann unübersichtlich beim Rebalancing? Und gibt es bei der geförderten Variante irgendwas zu beachten, was das bei einem normalen Depot anders macht?
Bin jetzt gerade im Urlaub und hab eigentlich Zeit zum Lesen und Recherchieren – nutze das, bevor im Herbst der Stress wieder losgeht und ich keine Zeit mehr hab, mich richtig einzulesen. Würde mich über eure Erfahrungen freuen, gerade auch von Leuten die schon länger mit ETFs beschäftigt sind.
Danke!
Max
Kurze Ergänzung von mir, weil ich mich viel mit den Kostenstrukturen beschäftigt hab (da gibt's auch nen Thread von mir zu den ETF-Kosten): Die TER-Differenz zwischen einem All-World-ETF und einem selbst gebastelten 3-ETF-Portfolio ist oft kleiner als man denkt, aber der Verwaltungsaufwand ist deutlich größer.
Was mich bei der Frage 'wie viele ETFs' noch beschäftigt: Es geht nicht nur ums Rebalancing, sondern auch darum, dass du dich bei jedem Sparplan-ETF mit Orderkosten oder Mindestbeträgen auseinandersetzen musst – je nach Anbieter. Ich hab mir das mal durchgerechnet bei meinem geplanten Depot: Sobald ich unter 50€ pro ETF pro Monat gehe, fressen Fixkosten mancher Anbieter einen merklichen Anteil.
Von daher: Bei 150-200€/Monat würde ich maximal zwei ETFs nehmen, und erst ab 300€+ würde ich über drei nachdenken. Das ist keine Renditeoptimierung, sondern einfach Pragmatismus.
Muss ich ehrlich sagen: ich find den ganzen Aufwand um mehrere ETFs bei einem Altersvorsorgedepot etwas übertrieben. Ich hab das in einem anderen Thread schon mal gesagt – Banken und manche Finanzportale machen Altersvorsorge gerne komplizierter als sie sein muss, weil Komplexität Beratungsbedarf suggeriert.
Ein MSCI ACWI oder ein FTSE All-World sind fertig diversifiziert. Da steckt Nordamerika, Europa, Asien, Schwellenländer alles drin – das ist keine vereinfachte Lösung, das ist die durchdachte Lösung. Wer dann noch EM und Small Caps separat drauflegt, hat oft nur mehr Aufwand, aber keinen klar nachweisbaren Renditevorteil nach Kosten.
Ich plane für 2027 genau einen ETF im Depot, fertig. Den Rest der Energie stecke ich in die Frage, wie viel ich einzahle – das macht langfristig den größten Unterschied.
Gute Frage, Max. Ich hab das in meinem anderen Umfeld auch immer wieder diskutiert – gerade bei kleineren Sparraten ist die Ein-ETF-Lösung tatsächlich sehr sinnvoll.
Bei 150-200€ monatlich würde ich maximal 2 ETFs nehmen, eher einen. Der Grund ist simpel: Wenn du z.B. 3 ETFs besparest, fließen vielleicht 80€ in den World, 40€ in EM und 30€ in Small Caps. Bei diesen Beträgen hast du mit der Zeit Verschiebungen in der Gewichtung, die du nur durch aktives Rebalancing korrigieren kannst – und das kostet je nach Anbieter entweder Gebühren oder zumindest Zeit und Nerven.
Ein breit gestreuter All-World-ETF bildet schon über 3.000 Unternehmen ab. Da ist die Diversifikation durch einen zweiten ETF marginal. Ich hab das beim Thema Sparbeträge auch mal hier im Thread über monatliche vs. jährliche Einzahlungen angesprochen: Einfachheit hat beim langen Anlagehorizont echte Vorteile, weil man weniger Fehler macht.
Beim geförderten Depot kommt noch dazu: Wenn du Auszahlungen planst, ist ein klares Portfolio einfacher steuerlich zu handhaben. Also: ein ETF reicht erstmal völlig.
Ich sehe das ein bisschen anders als Wolfgang. Klar, ein ETF reicht für den Anfang – aber ich würde die Tür zu einem zweiten nicht von vornherein zuschlagen.
Ich hab mich damals auch intensiv gefragt, wann der richtige Zeitpunkt zum Starten ist (das war sogar Thema in einem anderen Thread hier), und eine Erkenntnis daraus war: Starte einfach, und passe die Strategie später an. Das gilt auch für die ETF-Anzahl.
Mein Vorschlag wäre: Starte mit einem ACWI oder All-World ETF. Wenn dein Depot nach 2-3 Jahren auf z.B. 8.000-10.000€ angewachsen ist und du dir einen zweiten ETF für eine gezielte Beimischung vorstellen kannst (z.B. gezielter auf bestimmte Regionen oder Faktoren), dann kannst du das immer noch anpassen. Mit einem kleinen Depot und 150€/Monat ist ein ETF definitiv ausreichend.
Der geförderte Kontext ändert da erstmal nichts Grundsätzliches – die Förderlogik bezieht sich auf die Einzahlungen, nicht auf die ETF-Struktur.