Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiver mit dem neuen Altersvorsorgedepot 2027 und versuche mich mental auf das vorzubereiten, was da auf mich zukommt. Ich plane, ab Januar 2027 monatlich per Sparplan in ETFs zu investieren und das über viele Jahrzehnte durchzuhalten.
Was mich aber wirklich beschäftigt ist das Thema Volatilität. Ich hab mal gelesen, dass der MSCI World in manchen Jahren 30, 40 Prozent einbrechen kann. Ich wei nicht ob ich das emotional wirklich aushalte, wenn ich auf mein Depot schaue und da plötzlich 10.000 oder 15.000 Euro weniger stehen.
Meine Frage ist eigentlich: Was bedeuten diese Schwankungen auf lange Sicht wirklich? Gibt es eine Art Faustregel wie 'bei X Jahren Anlagehorizont ist Volatilität eigentlich egal'? Oder überschätze ich das Problem?
Ich frag auch deshalb, weil ich diesen Sommer versuche mich einzulesen bevor der eigentliche Start im nächsten Jahr kommt – im Urlaub hab ich endlich mal Zeit für sowas. Bisher hab ich vor allem Tagesgeld gemacht, ETFs sind für mich wirklich Neuland.
Freue mich über jede Einschätzung, besonders von Leuten die sowas schon länger beobachten.
Das ist eine ganz wichtige Frage, und ich finde es gut dass du dir das vor dem Start überlegst – nicht erst wenn der erste Einbruch kommt.
Volatilität ist kurzfristig unangenehm, langfristig aber oft gar nicht das eigentliche Risiko. Das echte Risiko beim Langfristsparen ist eher, dass man genau in solchen Phasen aussteigt oder den Sparplan pausiert. Historisch betrachtet hat ein breit diversifizierter globaler Aktien-ETF nach jeden größeren Einbrüchen irgendwann neue Hochs erreicht – aber 'irgendwann' kann eben auch 10 oder 15 Jahre bedeuten, das muss man aushalten wollen und können.
Eine Faustregel gibt es nicht wirklich, aber viele Finanzökonomen sagen sinngemäß: wer 15 Jahre oder länger dabei bleibt und regelmäßig einzahlt, hat historisch kaum je mit Verlust dastanden – wobei das natürlich keine Garantie ist.
Was ich aus der Diskussion rund um die Förderbeträge und die gesetzliche Ausgestaltung mitgenommen habe (hab mich da z.B. im Thread Koalitionsvertrag 2025 – was bedeutet das konkret für die Förderbeträge 2027? eingelesen): Das Altersvorsorgedepot ist konzeptionell auf lange Laufzeiten ausgelegt. Das staatliche Design geht also schon davon aus, dass Volatilität Teil des Weges ist.
Dein Urlaub als Einlesezeit ist übrigens eine prima Idee. Besser jetzt vorbereiten als im Crash nachdenken.
Ich seh das etwas anders als LaraFischer oben, zumindest in einem Punkt: Die '15 Jahre und alles gut'-Aussage klingt beruhigender als sie ist. Ja, historisch stimmt das ungefähr – aber das bedeutet auch, wer mit 55 anfängt und mit 65 ans Geld muss, hat unter Umständen ein echtes Problem wenn genau dann ein tiefer Einbruch kommt.
Beim Altersvorsorgedepot 2027 ist das aber etwas anders gedacht, soweit ich das verstehe: Das Geld soll ja bis weit ins Rentenalter drin bleiben und auch in der Auszahlphase noch teilweise investiert sein. Das macht den Zeithorizont deutlich länger als bei klassischen Fondssparplänen ohne Zweckbindung.
Ich beschäftige mich schon länger mit Kostenstrukturen bei solchen Depots – dazu hab ich auch im Verwaltungskosten-Thread was geschrieben – und was ich da gelernt habe: Kosten fressen über Jahrzehnte genauso am Depot wie Volatilität. Beides zusammen denken!
Zur Frage selbst: Schwankungen von 30-40% klingen dramatisch, sind es im Sparplankontext aber weniger weil du in Crashphasen günstig nachkaufst. Entscheidend ist der Ausstiegszeitpunkt, nicht der tiefste Punkt zwischendrin.
Ehrlich gesagt: Die ganzen historischen Rückblicke helfen nur begrenzt. Wir reden hier über die Zukunft, und ob das Muster der letzten 30 Jahre sich wiederholt, weiß keiner. Ich bin da skeptischer als die anderen hier.