Hallo zusammen,
ich sitze hier gerade in meinem überhitzten Zimmer (Klimaanlage streikt, typisch Sommer) und rechne mal durch, wie sich das Altersvorsorgedepot ab 2027 langfristig entwickeln könnte. Dabei bin ich auf eine Frage gestoßen, die ich mir bisher nie wirklich konkret ausgerechnet habe:
Wie unterschiedlich wirkt sich der Zinseszinseffekt eigentlich aus, wenn ich zwei verschiedene Inflationsszenarien gegenüberstelle – sagen wir 2% dauerhafte Inflation über 30 Jahre vs. 6% Inflation über denselben Zeitraum?
Ich meine: Nominal wächst mein Depot durch Zinseszins ja trotzdem – aber real (also kaufkraftbereinigt) sieht das Bild doch komplett anders aus, oder? Ich hab mal grob mit einem ETF-Durchschnittsertrag von 7% p.a. gerechnet, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich das richtig anwende.
Konkret interessiert mich:
- Wie stark frisst anhaltend höhere Inflation den realen Zinseszinseffekt über 30 Jahre?
- Gibt es eine Faustregel, ab wann der Kaufkraftverlust den Nominalzuwachs quasi 'auffrisst'?
- Verändert sich die Rechnung, wenn ich regelmäßig monatlich einzahle, oder gilt das vor allem für einmalige Einzahlungen?
Ich bin kein Mathe-Profi, also gerne mit konkreten Zahlenbeispielen wenn möglich. Danke schon mal!
Ich schreib das mal aus meiner Sicht dazu, bin kein Finanzexperte aber hab mich in letzter Zeit damit beschäftigt.
Die Zahlen von Heinz und Werner stimmen so in etwa. Was ich ergänzen würde: Man sollte aufpassen, nicht zu pessimistisch zu werden. 6% Dauerinflation über 30 Jahre ist ein sehr extremes Szenario. In Deutschland hatten wir das historisch eigentlich nur in Ausnahmesituationen. Die Inflationsspitze 2022/23 war heftig, aber kein Dauerzustand.
Für die Planung des Altersvorsorgedepots ab 2027 würde ich eher mit 2-3% mittelfristiger Inflation rechnen als Basisannahme, und 6% als Stresstest im Kopf behalten. So verliert man sich nicht in Schwarzmalerei, hat aber trotzdem ein Gefühl für das Risiko.
Zur Faustregel: Eine gängige Daumenregel ist, dass sich Kaufkraft bei 6% Inflation alle 12 Jahre halbiert (Regel der 72: 72 geteilt durch Inflationsrate). Bei 2% dauert das 36 Jahre. Das zeigt den Unterschied eigentlich sehr anschaulich ohne große Rechnung.
Kurz und knapp zur Faustregel-Frage: Ja, die Regel der 72 (wie Heinrich erwähnt) ist da wirklich praktisch. Einfach merken: 72 geteilt durch Inflationsrate = Jahre bis zur Kaufkrafthalbierung. Bei 2%: 36 Jahre. Bei 6%: 12 Jahre. Fertig, braucht man keine Tabelle für.
Ich hab mir das vor einiger Zeit auch mal ausgerechnet, als ich überlegt hab ob ich lieber monatlich oder jährlich einzahlen soll (war damals Thema hier im Forum).
Was bei all diesen Rechnungen oft vergessen wird: Die Inflation ist nicht gleichmäßig. Mal sind es 2%, mal 6%, und über 30 Jahre mittelt sich das irgendwo dazwischen. Das macht die genaue Vorausrechnung schwierig. Deshalb würde ich persönlich keine zu genaue Zahl als Zielgröße nehmen, sondern lieber schauen: Ist mein Depot breit genug aufgestellt dass es verschiedene Szenarien übersteht?
Bei Aktiendepots ist außerdem interessant, dass Unternehmen Inflation oft zumindest teilweise weitergeben können – deshalb schlägt die Inflation nicht 1:1 auf die Rendite durch wie bei reinen Zinsprodukten. Das ist einer der Gründe warum ETFs langfristig als einigermaßen inflationsresistent gelten, jedenfalls im Vergleich zu Festgeld oder alten Rentenversicherungen.
Den ganzen Sommer nutz ich gerade zum Lesen und Vorbereiten aufs neue Depot – man hat ja Zeit wenn man keinen Urlaub bucht weil einem die Hitze sowieso reicht 😄
Das ist eine gute Frage, die ich mir früher nie so gestellt habe. Ich hab das nach meiner Rente eigentlich erst richtig verstanden, wie sehr die Inflation über Jahrzehnte wirkt.
Die Grundformel für die Realrendite ist im Prinzip: Realrendite ≈ Nominalrendite minus Inflationsrate. Also bei 7% Nominalertrag und 2% Inflation bleiben dir real ungefähr 5% übrig. Bei 6% Inflation sind es nur noch rund 1%. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Über 30 Jahre macht dieser Unterschied bei Zinseszins einen riesigen Betrag aus.
Beispiel: 10.000 Euro Einmalanlage, 30 Jahre.
- Bei 5% real: ca. 43.000 Euro
- Bei 1% real: ca. 13.500 Euro
Das ist kein kleiner Unterschied, das ist ein gewaltiger. Ich hab das damals im Thread zum frühen Start auch angesprochen – je länger der Horizont, desto mehr schlägt die reale Rendite durch. Deshalb ist die Inflationshöhe eben nicht egal, sondern vielleicht das wichtigste Variable überhaupt.