Guten Tag zusammen,
ich bin jetzt 74 Jahre alt und frage eigentlich nicht für mich selbst, sondern für meinen Enkel. Der ist gerade 22, hat im Herbst seinen Bachelor abgeschlossen und fängt im September seine erste richtige Stelle an – Ingenieurwesen, mittleres Gehalt für den Einstieg, so um die 3.200 Euro brutto. Er ist also ein klassischer Berufseinsteiger.
In unserer Familie hatten wir immer den Grundsatz: Früh anfangen zahlt sich aus. Ich habe seinerzeit mit der gesetzlichen Rente und einem kleinen Betriebsrentenvertrag vorgesorgt, aber die Zeiten sind andere geworden. Mein Enkel schaut sich das neue Altersvorsorgedepot an, das ja ab Januar 2027 startet, und fragt sich ob das für ihn als Berufseinsteiger überhaupt Sinn macht.
Meine Fragen: Profitiert jemand mit über 40 Jahren bis zur Rente besonders stark von der Förderung? Oder lohnt sich der Aufwand des Depots nur für Leute die kurz vor der Rente stehen und schon höhere Beträge einzahlen? Ich selbst blicke da nicht mehr so ganz durch, habe aber gehört dass der Staat da Zulagen gibt. Was genau bekommt mein Enkel da, wenn er z.B. monatlich 100 oder 150 Euro einzahlt?
Ich sitze gerade im Garten bei diesem Sommerwetter und dachte, ich frag mal nach. Der Junge verdient sein erstes richtiges Geld und soll es klug anlegen – besser jetzt als zu spät.
Vielen Dank für jede Hilfe.
Bin selbst noch nicht weit vom Berufseinsteiger-Alter entfernt und frag mich ähnliches. Wie Nina oben sagt, der Zinseszins-Effekt ist wirklich nicht zu unterschätzen. Ich hab mich das auch gefragt ob sich das bei kurzer Laufzeit lohnt – da hatte ich im Thread Bringt mir das neue Depot überhaupt noch was bei nur 2 Jahren Laufzeit? nachgefragt – aber bei 40+ Jahren ist die Ausgangslage komplett anders, das ist fast der Idealfall.
Ein Punkt den ich ergänzen würde: Ihr Enkel sollte trotzdem schauen dass er genug Liquidität behält. Das Geld im Altersvorsorgedepot ist ja langfristig gebunden. Für Berufseinsteiger heißt das: erst mal 3–6 Monate Nettolohn als Notgroschen aufbauen, dann erst ins Depot einzahlen. Nicht alles auf einmal reinwerfen nur weil die Förderung lockt. Und 100–150 Euro sind bei 3.200 Euro brutto absolut machbar, das würd ich auf keinen Fall als unrealistisch bezeichnen.
Hallo Heinz_1952,
was für eine schöne Frage – und was für ein vorausschauender Opa! 😊
Kurz und klar: Ja, gerade für Berufseinsteiger ist das Altersvorsorgedepot ab 2027 besonders interessant. Der Hauptvorteil liegt im Zinseszins über die langen Jahre. Wer mit 22 anfängt, hat gegenüber jemandem der mit 42 einsteigt einen enormen Vorsprung – das ist keine Theorie sondern einfache Mathematik.
Zur Förderung: Nach dem Altersvorsorgereformgesetz gibt es eine staatliche Grundzulage, die prozentual auf die eingezahlten Beiträge angerechnet wird. Für junge Einsteiger mit niedrigerem Einkommen kann das Verhältnis von Förderung zu Eigenbeitrag besonders günstig ausfallen – ich hab dazu mal was im Thread Monatlich oder einmal im Jahr einzahlen - was ist geschickter? geschrieben, das könnte für euch auch relevant sein.
Bei 100–150 Euro monatlich kommt über 40+ Jahre ein erheblicher Betrag zusammen, selbst wenn die Märkte zwischendurch schwanken. Ich würde Ihrem Enkel raten, sich das ab Januar 2027 ernsthaft anzuschauen und möglichst früh zu starten. Die Förderung gibt es ja erst dann, also jetzt noch etwas Geduld – aber die Zeit zum Informieren ist genau jetzt.
Unrealistisch? Nein, im Gegenteil. Mit 22 und einer stabilen Festanstellung ist Ihr Enkel eigentlich in einer besseren Ausgangslage als die meisten hier im Forum. Das sollte er nutzen.