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Nominale vs. reale Rendite – verstehe ich das richtig?

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Heinz_1952
Beiträge: 11
Themenstarter
(@heinz_1952)
Active Member
Beigetreten: Vor 1 Woche
[#43]

Guten Tag zusammen,

ich bin Heinz, Jahrgang 1952, und beschäftige mich seit einigen Monaten ernsthaft mit dem neuen Altersvorsorgedepot, das ja ab 2027 starten soll. Da ich schon im Rentenalter bin, geht es mir weniger ums große Sparen als vielmehr darum, meine noch vorhandenen Ersparnisse sinnvoll zu ergänzen und die Kaufkraft zu erhalten.

Nun lese ich immer wieder, dass man bei der Rendite zwischen nominal und real unterscheiden muss. Das leuchtet mir grundsätzlich ein – wenn ich 5% Rendite bekomme, aber die Inflation bei 3% liegt, bleiben unterm Strich nur 2% übrig. Soweit so gut.

Aber was mich verwirrt: Wie rechnet man das genau aus? Ich habe gelesen, dass es nicht einfach 5 minus 3 ist, sondern eine etwas kompliziertere Formel (Fisher-Gleichung?). Macht das bei kleinen Beträgen überhaupt einen merklichen Unterschied?

Außerdem: Welche Inflationsrate soll man überhaupt annehmen für eine Langfristplanung? Die aktuelle? Den Durchschnitt der letzten 20 Jahre? Wir hatten ja zuletzt wirklich turbulente Jahre mit zeitweise über 8% – da hat man gemerkt, was Kaufkraftverlust bedeutet, wenn man die Heizrechnung bezahlt oder beim Einkaufen an der Kasse steht.

Gerade jetzt im Sommer, wo alles irgendwie teurer wirkt (Urlaub, Klimaanlage läuft durch, Lebensmittel), denke ich wieder verstärkt darüber nach. Wie geht ihr das an? Habt ihr feste Annahmen für eure Planung?

Vielen Dank im Voraus,
Heinz


4 Antworten
Markus8268
Beiträge: 1
(@markus8268)
New Member
Beigetreten: Vor 4 Tagen

Hallo Heinz,

gute Frage, damit hab ich mich auch schon intensiv befasst – unter anderem im Zusammenhang mit dem Thema Zertifizierungsanforderungen AltZertG: Wie schützt das vor Inflationsverlust?, wo das Thema reale Rendite auch eine Rolle gespielt hat.

Zur Formel: Die exakte Fisher-Gleichung lautet:

(1 + reale Rendite) = (1 + nominale Rendite) / (1 + Inflation)

Also bei 5% nominal und 3% Inflation: (1,05) / (1,03) ≈ 1,0194 → ca. 1,94% real.

Die einfache Subtraktion (5 − 3 = 2%) ist eine Näherung und bei kleinen Werten durchaus akzeptabel – der Fehler liegt unter 0,1 Prozentpunkt. Bei hohen Inflationsraten wie 8% wird der Unterschied aber spürbar, da sollte man die exakte Formel nehmen.

Zur Frage welche Inflationsrate: Ich persönlich rechne mit 2,5% als Planungsannahme. Das liegt etwas über dem EZB-Ziel von 2%, berücksichtigt aber, dass wir strukturell in einer Phase höherer Inflation sein könnten. Den letzten 20-Jahres-Schnitt (vor 2021 etwa 1,5%) würde ich als zu optimistisch einschätzen. Lieber etwas konservativer kalkulieren und dann angenehm überrascht werden.


Antwort
Werner78
Beiträge: 17
(@werner78)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen

Dem Marco kann ich nur zustimmen was den persönlichen Warenkorb angeht. Hab das in meinen eigenen Überlegungen rund um Depot-Kosten und Nettorendite auch so gemacht – wer seine tatsächlichen Ausgabemuster nicht kennt, plant an seiner eigenen Realität vorbei.

Noch ein Punkt der glaube ich unterbewertet wird: Steuern auf die Rendite kommen noch obendrauf. Wenn du 5% nominal hast, Abgeltungssteuer greift, bleiben netto vielleicht 3,7% – und davon ziehst du dann die Inflation ab. Beim geförderten Altersvorsorgedepot ab 2027 ist das etwas anders strukturiert (nachgelagerte Besteuerung), aber der Gedanke bleibt: Immer Nachsteuer-Realrendite rechnen, nicht Vorsteuer-Nominal.

Und zur Inflationsrate: Ich nehme für meine Planungen 2,5%, mit einem Stressszenario bei 3,5% um zu sehen ob die Strategie auch das aushält. Wenn das Ergebnis in beiden Szenarien noch tragbar ist, bin ich relativ beruhigt. Klingt aufwendig, ist aber eigentlich nur zwei mal die selbe Tabelle mit unterschiedlichen Eingabewerten.


Antwort
TomStock_99
Beiträge: 6
(@tomstock_99)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Wochen

Kurz und knapp: Für die Praxis reicht die einfache Subtraktion völlig aus, solange die Inflation nicht wieder durch die Decke geht. Lass dich von der Fisher-Gleichung nicht verunsichern – der Unterschied ist bei 2-3% Inflation wirklich marginal.


Antwort
Marco89
Beiträge: 3
(@marco89)
Active Member
Beigetreten: Vor 1 Woche

Ich seh das ehrlich gesagt etwas anders als TomStock – nicht weil die Näherung falsch ist, sondern weil das eigentliche Problem woanders liegt.

Die Wahl der Inflationsrate ist viel entscheidender als die Berechnungsmethode. Und da ist es komplizierter als es scheint: Die offizielle Inflationsrate (VPI) bildet einen Durchschnittswarenkorb ab. Aber je nach Lebensphase und Lebensstil weicht deine persönliche Inflation davon erheblich ab.

Ich hab das letztens selbst durchgerechnet (bin noch am Anfang meines Berufslebens, also andere Situation als du Heinz): Wer viel Miete zahlt und wenig Auto fährt, hat eine andere Realinflation als jemand, der im Eigenheim wohnt und viel reist. Für Rentner spielen Gesundheitskosten eine größere Rolle – und die steigen tendenziell stärker als der Durchschnitt.

Mein Tipp: Schau dir mal an, wofür du tatsächlich Geld ausgibst, und schätze ab, welche dieser Positionen besonders stark von Inflation betroffen sind. Dann bist du mit deiner Planungsannahme deutlich näher an der Realität als mit irgendeinem offiziellen Durchschnittswert. 2,5 bis 3% als Annahme finde ich jedenfalls vernünftiger als die 2% vom EZB-Ziel.


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