Hallo zusammen,
ich sitze gerade im Urlaub (Balkontür auf, 32 Grad draußen) und nutze die ruhige Zeit um endlich mal meine Altersvorsorge ernsthaft durchzurechnen. Ich bin Jahrgang 89, seit ein paar Jahren angestellt und habe noch einen alten Riester-Vertrag laufen – klassischer Banksparplan, läuft seit 2012.
Jetzt überlege ich, ob es sich lohnt den Riester bis 2027 weiterlaufen zu lassen oder ihn dann in das neue Altersvorsorgedepot zu überführen. Das Problem: Ich komme bei den Vergleichsrechnungen nicht auf einen Nenner. Die Ausgangsbedingungen sind bei beiden so unterschiedlich, dass ich nicht weiß welche Parameter ich für einen fairen Vergleich ansetzen soll.
Konkret: Beim Riester habe ich die Zulagenförderung (Grundzulage 175€), aber miese Rendite und Garantiepflicht die den Spielraum massiv einschränkt. Beim neuen Depot höhere Renditeerwartung durch ETF-Anlage, aber Steuerförderung statt Zulagenmodell – und ich weiß nicht wie ich das 1:1 vergleichen kann.
Hat hier jemand schon mal so eine Vergleichsrechnung aufgestellt? Welche Annahmen habt ihr getroffen – Rendite, Steuerersparnis, effektive Förderquote? Oder gibt es einen Rechner der das abbildet?
Freue mich über jeden Hinweis, auch Erfahrungen aus ähnlicher Situation!
Ich kenn das Problem mit dem Übertragen, hab dazu selbst viel recherchiert (hier z.B.: Riester-Kapital übertragen: Welche Kosten entstehen beim Wechsel?). Bei Banksparplänen ist die Lage oft noch komplizierter als bei Fondspolicen.
Zur Vergleichsrechnung selbst: Der entscheidende Punkt den viele übersehen ist, dass die Riester-Zulage nur ein echter Vorteil ist wenn du die Einzahlbedingungen konsequent erfüllst und die staatliche Förderquote auf dein Nettoeinkommen bezogen wirklich attraktiv bleibt. Ab einem bestimmten Einkommensniveau lohnt sich Riester fast nur noch über den Steuervorteil, nicht über die Grundzulage – und genau da wird's individuell sehr unterschiedlich.
Für einen Modellvergleich würde ich empfehlen: Excel-Tabelle, beide Szenarien mit identischem Monatsbeitrag (z.B. 150€), gleicher Laufzeit bis 67. Beim Riester realistisch 1,5-2% einsetzen, beim neuen Depot 5-6%. Dann die steuerliche Entlastung auf beiden Seiten (Riester: Sonderausgabenabzug bis Höchstbetrag alt; AVD: neuer Sonderausgabenabzug) separat ausweisen und erst am Schluss zusammenführen. Sonst vermischst du Äpfel und Birnen.
Ich seh das etwas anders als die Vorredner – also nicht grundsätzlich, aber bei einem Punkt.
Ihr rechnet alle mit 5-6% für das neue Depot, aber das ist halt der Erwartungswert, kein garantierter Wert. Ich hab selbst mal nachgerechnet (hab das im Thread Mit 1.800€ netto als Berufseinsteiger – lohnt sich das Depot überhaupt? kurz angerissen): wenn man ein schlechteres Szenario annimmt – sagen wir 3,5% wegen schlechter Marktphasen oder konservativerer Anlage – dann schrumpft der Vorteil gegenüber Riester erheblich, besonders wenn du die garantierten Zulagen einrechnest.
Nicht falsch verstehen, ich glaube auch dass das neue AVD insgesamt attraktiver ist. Aber ich würde empfehlen die Rechnung mit min/mid/max Szenarien zu machen: pessimistisch 3%, realistisch 6%, optimistisch 8%. Dann siehst du in welchem Szenario Riester noch mithalten kann und in welchem nicht. Hilft bei der Entscheidung ehrlich mehr als ein einzelner Vergleichswert.
Den Vergleich hab ich mir auch schon angeschaut, und ehrlich gesagt bin ich skeptisch ob der überhaupt so einfach machbar ist. Das Problem ist: Riester und das neue Depot sind steuerlich komplett anders konstruiert. Riester läuft über nachgelagerte Besteuerung plus Zulage, das neue AVD hat – soweit ich das verstehe – einen anderen Förderweg über den Sonderausgabenabzug.
Wenn du den Riester-Banksparplan hast, dann sind die Renditen dort sowieso so überschaubar (ich schätze realistisch 1-2% nach Kosten?), dass das neue Depot mit einem schlichten World-ETF schon allein renditemäßig vorne liegen dürfte. Aber die Zulage von 175€ jährlich ist echtes Geld, das musst du beim Vergleich gegenrechnen.
Ich würde in deiner Rechnung folgende Szenarien trennen: 1) Riester behalten und parallel neues Depot, 2) Riester kündigen und alles ins neue Depot, 3) Riester bis Rentenbeginn weiterführen ohne weiteres Geld reinzupumpen. Je nach Szenario sieht die Vorteilhaftigkeit völlig anders aus. Und vergiss nicht die Förderrückzahlung wenn du den Riester vorzeitig auflöst – das frisst einen Teil des erwarteten Gewinns sofort weg.
Ich hab mich zu dem Thema schon länger eingelesen, unter anderem auch im Thread Rentenlücke explodiert laut Studien - kriegen wir das überhaupt hin? ging das am Rande schon auf.
Für einen halbwegs fairen Vergleich würde ich folgende Annahmen empfehlen:
Riester: 1,5% p.a. Nettorendite (Banksparplan ist oft noch schlechter), Grundzulage 175€/Jahr, Beitrag 1.946€/Jahr (um vollen Zulageneffekt zu nutzen), nachgelagerte Besteuerung mit grob 20-22% angesetzt.
Neues AVD: 6% p.a. angenommen (MSCI World Langfristdurchschnitt realistisch um 7%, minus Kosten ca. 0,2% TER, also konservativ 6%), Steuerersparnis über Sonderausgabenabzug je nach Grenzsteuersatz.
Wenn du Jahrgang 89 bist, hast du noch rund 35 Jahre bis zur Rente. Der Zinseszinseffekt über diesen Zeitraum ist bei 1,5% vs. 6% gewaltig. Selbst wenn du die Zulage und Steuervorteile beim Riester voll einrechnest, dürfte das neue Depot bei dieser Konstellation in der Gesamtbetrachtung deutlich vorne liegen – aber das hängt stark vom individuellen Steuersatz ab. Bitte auch Riester-Rückforderung einkalkulieren wenn du wechselst.