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Deflation als Szenario: Was passiert dann mit meinem Sparplan?

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Stefan87
Beiträge: 40
Themenstarter
(@stefan87)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten
[#62]

Hallo zusammen,

mitten in der Sommerhitze sitze ich hier und grübele über etwas, das vielleicht gegen den Strom geht: alle reden seit Jahren über Inflation, Inflation, Inflation. Aber was ist eigentlich, wenn wir irgendwann in eine Deflationsphase rutschen? Japan hatte das über Jahrzehnte, und manche Ökonomen schließen das für Europa nicht aus.

Ich plane, ab 2027 das neue Altersvorsorgedepot zu nutzen und bin dabei, meine langfristige Strategie zu durchdenken. Ich habe noch gut 30+ Jahre bis zur Rente, also spiele ich wirklich verschiedene Szenarien durch. Bei Inflation ist mir klar: Aktien-ETFs helfen, Kaufkraft zu erhalten. Aber was bei Deflation?

Meine konkreten Fragen:
- Deflation klingt erstmal gut für Sparer (Geld wird mehr wert), aber stimmt das wirklich langfristig?
- Wie würden sich ETF-basierte Sparpläne in einem deflationären Umfeld entwickeln? Aktien leiden doch auch, oder?
- Sollte ich einen gewissen Anleihenanteil für genau dieses Szenario einplanen?
- Macht es Sinn, die Asset-Allokation so zu gestalten, dass sie für beide Szenarien (Inflation UND Deflation) zumindest halbwegs funktioniert?

Ich will keine Panik machen, aber ich finde es komisch, dass im Forum fast nur Inflation diskutiert wird und Deflation als Szenario gar nicht vorkommt. Vielleicht übersehe ich ja etwas Grundlegendes?

Freue mich auf eure Einschätzungen!


2 Antworten
Depot-Pro28
Beiträge: 60
(@depot-pro28)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Ich seh das ehrlich gesagt etwas anders als Werner oben – nicht falsch, aber vielleicht zu kompliziert gedacht für den Einstieg.

Bei 30+ Jahren Anlagehorizont: Deflation ist ein mögliches Szenario, aber du läufst Gefahr, dein Portfolio so zu optimieren, dass es für alle Extremfälle 'okay' ist und dafür für den Normalfall schlechter performt. Das ist die klassische Überabsicherungsfalle.

Globale ETFs über 30 Jahre – da bin ich ziemlich entspannt. Wer dort breit investiert ist, hat historisch betrachtet selbst längere deflationäre Phasen irgendwann aufgeholt. Das heißt nicht, dass es nicht schmerzhaft sein kann zwischendurch.

Anleihenanteil für Deflationsschutz klingt gut in der Theorie, kostet dich aber in normalen oder inflationären Phasen Rendite. Ob das der Deal ist, den du willst, musst du selbst wissen.

Mein Fazit: Klar das Szenario kennen und verstehen – ja. Aber die Strategie komplett danach ausrichten? Würd ich nicht.


Antwort
Werner-Kohl
Beiträge: 62
(@werner-kohl)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Das ist tatsächlich ein Thema, das zu wenig diskutiert wird – ich hab das selbst schon gemerkt, auch in den Threads hier über Depotkosten und Steuervorteile geht's immer nur um Inflation als Bedrohung. Dabei ist Deflation für Anleger mindestens genauso unangenehm, nur auf andere Weise.

Kurze Einordnung: Du hast recht, dass Geld in der Deflation nominal mehr wert wird. Aber das täuscht. Wenn Preise fallen, fallen meist auch Unternehmensgewinne, Löhne, und irgendwann Aktienkurse. Japans 'verlorene Jahrzehnte' sind da ein echtes Lehrstück – wer 1989 in japanische Aktien eingestiegen ist, hat teilweise Jahrzehnte gebraucht um wieder auf null zu kommen.

Für ein ETF-basiertes Altersvorsorgedepot über 30 Jahre würde ich Deflation aber nicht überbewerten als Risiko, aus einem einfachen Grund: Breit gestreute globale ETFs sind nicht an eine einzige Volkswirtschaft gebunden. Ein Japan-Szenario für den gesamten MSCI World ist deutlich unwahrscheinlicher als für einen Einzelmarkt.

Dennoch macht ein gewisser Anleihenanteil – gerade länger laufende Staatsanleihen guter Bonität – in einem deflationären Umfeld tatsächlich Sinn. Die steigen in der Regel wenn Zinsen fallen, was bei Deflation oft passiert. Das kann als Puffer dienen.

Ein Portfolio das gegen beide Szenarien einigermaßen robust ist, nennt man manchmal 'All Weather' – ob man das 1:1 übernimmt ist Geschmackssache, aber der Gedanke dahinter ist genau das, was du suchst. Ich würde da vielleicht 70-80% Aktien-ETFs + 20-30% Anleihen als Basisüberlegung nehmen und dann schauen was das neue Depot an Produkten überhaupt zulässt.

Beschäftige dich auch mal mit dem Thema Steuervorteil oder Flexibilität – gerade wenn du verschiedene Szenarien durchspielst, ist die Frage wie flexibel man im Notfall umschichten kann nicht unwichtig.


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