Hallo zusammen,
nachdem ich mich jetzt schon eine Weile mit dem neuen Altersvorsorgedepot beschäftige, das ja ab 2027 starten soll, komme ich immer wieder auf eine Frage zurück, die aber eigentlich schon davor relevant ist: der Notgroschen.
Die meisten Ratgeber empfehlen ja, bevor man überhaupt ans Investieren denkt, erst mal 3 Monatsgehälter als eiserne Reserve beiseite zu legen. Klar, das leuchtet ein. Aber wo parkt man das heutzutage sinnvoll? Tagesgeldkonten werfen momentan ja deutlich weniger ab als noch vor ein, zwei Jahren, und die Inflation knabbert trotzdem weiter an der Kaufkraft.
Ich frage mich konkret: Macht es überhaupt noch Sinn, den Notgroschen auf einem klassischen Tagesgeldkonto zu lassen, wenn die Realverzinsung nach Inflation und Steuer negativ oder bestenfalls null ist? Oder gibt es bessere Alternativen, die trotzdem sofort verfügbar sind?
Mir ist klar, dass der Notgroschen nicht renditeoptimiert sein soll, sondern schnell verfügbar. Aber ein bisschen Verlust durch Inflation fühlt sich trotzdem unangenehm an, gerade wenn man gleichzeitig plant, ab Januar 2027 ernsthaft ins geförderte Depot einzusteigen.
Vielleicht hat jemand eine durchdachte Strategie, wie er das handhabt? Auch im Hinblick auf den Sommer – ich hab gerade noch extra Ausgaben durch Urlaub und Wohnung klimatisieren, da merkt man erst wie schnell der Puffer schrumpfen kann.
Danke schon mal!
H.Weber
Kurze Ergänzung zum Vollständigen Bild: Geldmarkt-ETFs haben in letzter Zeit durchaus Aufmerksamkeit bekommen als Tagesgeld-Alternative. Etwas höhere Rendite als klassisches Tagesgeld bei ähnlicher Flexibilität (T+1 oder T+2 Abwicklung). Das Risiko ist sehr gering aber nicht null – das sollte man wissen. Für einen echten Liquiditätspuffer würde ich persönlich trotzdem beim klassischen Tagesgeld bleiben, allein wegen der Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Geldmarkt-ETF als zweite Tranche ergänzend? Kann man drüber nachdenken. Aber bitte nicht als vollständigen Ersatz.
Ich sehe das ein bisschen differenzierter als Markus oben. Tagesgeld ist sicher die bequemste Lösung, aber man kann den Notgroschen auch leicht aufteilen. Ich hab das bei mir so gelöst:
Etwa die Hälfte liegt auf dem Tagesgeld, wirklich sofort abrufbar. Den anderen Teil hab ich auf einem Festgeld mit kurzer Laufzeit (3 Monate), das wirft zumindest etwas mehr ab und der Verlust durch Inflation ist ein klein wenig geringer. Das 3-Monats-Festgeld kommt dann rollierend immer wieder frei.
Das setzt natürlich voraus, dass man den 'sofortigen' Teil groß genug hält für echte Kurzfrist-Notfälle. Ich schätze das auf etwa ein Monatsgehalt, den Rest kann ruhig 8-10 Wochen gebunden sein.
Was ich hier im Forum schon öfter gesagt hab (z.B. im Anfängerfehler-Thread): Viele unterschätzen wie wichtig dieser Puffer ist, bevor man überhaupt mit dem Depot anfängt. Wer mit 2027 starten will, sollte den Notgroschen jetzt im Sommer schon fertig aufgebaut haben, nicht erst im Dezember hektisch zusammenkratzen.
Das Thema kenn ich gut – hab mich da im Crash-Thread schon mal am Rande drüber ausgelassen, aber hier passt es besser.
Meine ehrliche Meinung: Ja, Tagesgeld bleibt für den Notgroschen sinnvoll – auch wenn die Zinsen mies sind. Der Punkt ist nicht die Rendite, sondern die Funktion. Der Notgroschen ist kein Investment, er ist Versicherung. Wenn dein Auto kaputt geht oder du unerwartet mal 2 Monate ohne Einkommen bist, willst du nicht erst schauen ob der Markt gerade schlecht steht um Anteile zu verkaufen.
Die negativen Realzinsen sind ärgerlich, klar. Aber den Verlust durch Inflation solltest du als 'Kosten' dieser Sicherheit betrachten, nicht als Fehler. Bei 3 Monatsgehältern und sagen wir 2% Realverlust im Jahr reden wir über überschaubare Beträge – die holt ein gut laufendes Depot später locker wieder rein.
Was ich mache: Notgroschen auf Tagesgeld, Punkt. Den Rest dann konsequent in den Sparplan. Kein Geld auf dem Tagesgeld lassen 'für den Fall der Fälle' über den Notgroschen hinaus – das kostet langfristig viel mehr als die paar Euro Zinsverlust.
Ehrlich gesagt frag ich mich ob man da zu viel nachdenkt. Notgroschen = Tagesgeld, fertig. Die Zinsen sind halt grad niedrig, ja. Aber Alternativen die wirklich sofort verfügbar sind und trotzdem mehr bringen gibt's praktisch nicht – Geldmarktfonds gehen theoretisch auch, aber da kommen Kosten und Aufwand dazu den ich für einen Notgroschen übertrieben finde.
Ich planehe ab Januar 2027 mit dem Depot loszulegen und hab meinen Puffer schon seit nem halben Jahr fertig aufgebaut. Seitdem denk ich daran gar nicht mehr rum, das ist einfach so. Die mentale Ruhe die das gibt ist den kleinen Inflationsverlust absolut wert.