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Markteinbruch im Sommer: Nachkaufen oder lieber abwarten?

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Stefan87
Beiträge: 40
Themenstarter
(@stefan87)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten
[#68]

Hallo zusammen,

ich nutze seit knapp zwei Jahren ein Standarddepot mit ETF-Schwerpunkt und bereite mich auf den Start des Altersvorsorgedepots 2027 vor. Gerade im Sommer sehe ich immer wieder, dass die Märkte etwas unruhiger werden – Urlaubszeit, weniger Handelsvolumen, teilweise nervöse Reaktionen auf Nachrichten.

Meine konkrete Frage betrifft eine Situation, die ich in diesem Jahr schon zweimal erlebt habe: Ein breit gestreuter Welt-ETF gibt innerhalb weniger Wochen 8-10% nach. Mein Sparplan läuft automatisch weiter, aber ich frage mich, ob ich in solchen Phasen aktiv nachkaufen sollte, um die günstigeren Kurse mitzunehmen – oder ob das eher kontraproduktiv ist, weil man ja nie weiß ob's noch weiter runtergeht.

Ich denke dabei nicht an kurzfristiges Timing, sondern wirklich an eine sinnvolle Ergänzungsstrategie für das künftige Altersvorsorgedepot. Mir geht es konkret um: Wie handhabt ihr das? Gibt es eine Daumenregel, ab welchem Rücksetzer ein Nachkauf Sinn ergibt? Und macht das beim Altersvorsorgedepot 2027 überhaupt einen Unterschied, wenn die Förderung ja beitragsproportional greift – also kaufe ich mir durch Nachkäufe quasi auch mehr Förderung ein?

Freue mich über praktische Erfahrungen, keine Theorie bitte. Was macht ihr wirklich in solchen Phasen?

Grüße
Stefan


6 Antworten
Thomas-Weber
Beiträge: 37
(@thomas-weber)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Hi Stefan,

interessante Frage, die ich mir auch schon öfter gestellt habe beim Vergleich der Broker-Angebote. Ich hab das mal durchmodelliert: Wenn du beim Altersvorsorgedepot 2027 tatsächlich zusätzliche Einzahlungen machst, greift die beitragsproportionale Förderung auf jeden eingezahlten Euro – das heißt, ja, du nimmst dir durch Nachkäufe mehr Fördervolumen mit, sofern du noch unter dem Jahreshöchstbetrag bist.

Das ist eigentlich ein ziemlich elegantes Argument für opportunistische Nachkäufe bei Rücksetzern. Aber ich würde das nur so strukturieren: vorab einen kleinen 'Opportunitätspuffer' einplanen, also nicht alles im Sparplan verplanen, sondern z.B. 10-15% der geplanten Jahreseinzahlung bewusst zurückhalten für genau solche Situationen.

Die Frage, ob man bei -8% oder erst bei -15% kauft, ist ehrlich gesagt nicht seriös zu beantworten. Ich hab mich mit verschiedenen Brokern beschäftigt (ETF-Depot fürs Altersvorsorgedepot: Wo fallen wirklich die wenigsten Gebühren an?) und da ist mir aufgefallen, dass manche Anbieter für Einmalkäufe andere Gebührenstrukturen haben als für Sparpläne. Das sollte man beim Nachkauf-Ansatz unbedingt mitrechnen, sonst frisst der Kostenvorteil den Timing-Vorteil auf.


Antwort
Markus B.
Beiträge: 28
(@kinderzulagepro7)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Ich hab das mal durchgerechnet für unser Familiensetup, weil mich interessiert wie sich Zusatzeinzahlungen bei Rücksetzern auf die beitragsproportionale Förderung auswirken. Das Ergebnis ist: ja, es lohnt sich, aber nur wenn du den Förderhöchstbetrag noch nicht ausgeschöpft hast.

Konkret: Wenn du z.B. im laufenden Jahr schon 80% des Förderhöchstbetrags eingezahlt hast und dann nochmal nachkaufst, nimmst du dir die restlichen 20% Förderquote mit. Wenn du aber ohnehin schon ausgeschöpft hast, ist der Nachkauf steuerlich gesehen 'normales' Depot ohne Förderefekt – dann stellt sich die Frage ganz anders.

Daher mein Tipp: Erst prüfen wo du im Jahresverlauf bei der Förderausschöpfung stehst, dann entscheiden ob ein Nachkauf Sinn macht. Ich nutze dafür ein selbst gebautes Spreadsheet, weil mir die verfügbaren Berechnungstools noch nicht detailliert genug sind für die Kombination verschiedener Parameter.


Antwort
C.Hoffmann
Beiträge: 24
(@c-hoffmann)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Das ist genau die Frage die mich auch beschäftigt, Stefan – ich steige nach einer langen Pause wieder ins Berufsleben ein und will mit dem Altersvorsorgedepot 2027 vorsichtig anfangen. Bei mir ist Nachkaufen bei Rücksetzern aktuell noch kein Thema, weil ich erstmal überhaupt einen stabilen Sparplan aufbauen will.

Aber ich finde Thomas-Webers Punkt mit dem Opportunitätspuffer gut. Das klingt strukturierter als einfach impulsiv zu kaufen wenn's runtergeht. Ich hab mich auch schon mit Rebalancing beschäftigt (ETF-Rebalancing: Zeitpunkt und Häufigkeit bei 30+ Jahren Anlagehorizont?), und da war der Tenor ähnlich: Regeln vorher festlegen, nicht situativ entscheiden.

Vielleicht wäre das dein Ansatz Stefan? Also konkret vorab für dich definieren: bei X% Rückgang kaufe ich Y Euro nach, und das war's. Dann ist's kein Bauchgefühl mehr sondern ein Plan. Für jemanden der wieder vorsichtig anfängt wie ich klingt sowas jedenfalls viel beruhigender als freie Entscheidungen unter Unsicherheit.


Antwort
Werner-Kohl
Beiträge: 62
(@werner-kohl)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Ehrlich gesagt – nach Jahren des Entnehmens sehe ich das sehr entspannt. Ihr macht euch zu viel Kopf.

Der einzige Tipp den ich nach jahrelanger Erfahrung geben kann: Nachkaufen bei Rücksetzern ist psychologisch schwieriger als es klingt. Auf dem Papier klar – in der Praxis kauft man selten wirklich, wenn die Nachrichten schlecht sind. Deshalb: Sparplan laufen lassen, fertig.


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