Hallo zusammen,
ich bin seit 15 Jahren im Finanzbereich tätig und verfolge die Entwicklung rund ums Altersvorsorgedepot 2027 sehr genau. Gerade im Sommer, wenn man etwas mehr Zeit hat, überdenke ich meine Strategie nochmal grundsätzlich.
Mich beschäftigt aktuell eine Frage, die ich in dieser Form noch nirgendwo richtig diskutiert gesehen habe: Wann macht es tatsächlich Sinn, den Anbieter zu wechseln, wenn man nach dem Start 2027 erstmal schlechte Erfahrungen gemacht hat – sei es wegen unerwarteter Kostenpositionen, schlechtem Service oder einem zu eingeschränkten ETF-Angebot?
Aus meiner Berufserfahrung weiß ich, dass Produktwechsel oft unterschätzte Kosten und Verwaltungsaufwand mitbringen. Ich frage mich: Gibt es beim Altersvorsorgedepot Übertragungsmöglichkeiten auf andere Anbieter ohne steuerliche Nachteile? Was passiert mit der staatlichen Förderung bei einem Anbieterwechsel – bleibt die erhalten?
Ich habe zwar Erfahrung mit ETFs und klassischen Depots, aber das spezifische Regelwerk rund um die Fördervoraussetzungen beim neuen Altersvorsorgedepot ist in solchen Wechselszenarien für mich noch nicht vollständig klar. Besonders interessiert mich, ob jemand schon konkrete Hinweise aus den Gesetzesentwürfen oder Produktbedingungen kennt, die sowas regeln.
Freue mich über erfahrene Einschätzungen und auch über Erfahrungen aus ähnlichen Konstellationen – z.B. bei Riester-Vertragswechseln in der Vergangenheit als Vergleichsfall.
Viele Grüße
Petra
Ich hab mich mit dem Thema Anbieterwechsel auch schon beschäftigt, gerade weil ich bei meinem Beitrag zu Effektivkosten gemerkt habe, wie intransparent viele Kostenstrukturen noch sind.
Nach aktuellem Stand der Gesetzesentwürfe (soweit ich das verfolgt habe) soll eine depotübertragende Möglichkeit vorgesehen sein, d.h. das angesparte Kapital inklusive Förderung kann zu einem anderen zertifizierten Anbieter übertragen werden – ähnlich dem alten Riester-Prinzip. Steuerlich soll das neutral sein, solange man im System bleibt. Aber: Anbieter können für den Übertrag Gebühren verlangen, und das ist meiner Meinung nach der eigentliche Stolperstein.
Mein Tipp: Schon vor Vertragsabschluss in die Vertragsbedingungen schauen, was ein späterer Übertrag kosten würde. Einige Anbieter werden das sicher als Bindungsinstrument nutzen. Bei ETF-Depots generell gilt: Je einfacher und transparenter die Kostenstruktur, desto weniger schmerzt auch ein möglicher Wechsel später.
Gute Frage, Petra. Ich kenne das Thema aus der Riester-Welt – da war ein Anbieterwechsel ja auch möglich, aber mit erheblichem Aufwand verbunden. Ich hab damals selbst mitbekommen, wie mühsam das für Bekannte war, und das Thema taucht ja auch ein bisschen in meinem Thread zu nominaler vs. realer Rendite an, weil Wechselkosten ja die Rendite deutlich drücken können.
Für meine Enkel würde ich das so sehen: Zu Beginn lieber einmal gründlich auswählen als später wechseln müssen. Ob die staatliche Förderung beim Wechsel erhalten bleibt, weiß ich ehrlich gesagt nicht genau – das müsste im Altersvorsorgereformgesetz geregelt sein. Ich gehe aber davon aus, dass ähnlich wie bei Riester eine Übertragung grundsätzlich möglich sein wird, solange das neue Depot auch zertifiziert ist. Aber das ist wirklich nur meine Vermutung, kein Experte hier!
Ich steh da ehrlich gesagt noch zu sehr am Anfang um das wirklich einzuschätzen. Hab selbst gerade erst mein erstes Depot eröffnet und hoffe erstmal dass ich den richtigen Anbieter erwischt hab 😅 Einen Wechsel gleich einzuplanen klingt für mich ein bisschen wie Pessimismus, aber ich versteh dass das strategisch Sinn macht wenn man langfristig denkt.