Hallo zusammen,
ich bin seit ein paar Jahren freiberuflich tätig (Grafikdesign) und ehrlich gesagt habe ich das Thema Altersvorsorge immer etwas vor mir hergeschoben. Jetzt im Sommer – zwischen zwei größeren Projekten und bevor der Urlaubsstress losgeht – will ich endlich Klarheit schaffen.
Mein Problem: Ich gehöre nicht zur gesetzlichen Rentenversicherung, bin also nicht pflichtversichert. Aus allem was ich bisher gelesen habe, scheint das beim neuen Altersvorsorgedepot ab 2027 relevant zu sein – weil die staatliche Förderung anscheinend an gewisse Voraussetzungen geknüpft ist. Aber ich verstehe noch nicht genau, ob ich als Freiberufler ohne Pflichtbeiträge überhaupt die volle Förderung bekomme oder ob ich irgendwie schlechter gestellt bin.
Dazu kommt: Mein Einkommen schwankt ziemlich. Mal läuft es super, mal eher nicht. Ich weiß also vorab nie genau, was ich jährlich einzahlen kann oder will.
Folgende Fragen treiben mich um:
– Bin ich als Freiberufler ohne GRV-Beitragspflicht förderberechtigt?
– Gibt es eine Mindesteinzahlung um die Förderung zu bekommen?
– Kann ich flexibel einzahlen oder muss ich mich auf eine feste Rate festlegen?
– Was sollte ich jetzt, noch vor 2027, konkret vorbereiten?
Ich hoffe ihr könnt mir ein bisschen Orientierung geben. Danke schon mal!
Moin S.Hartmann – ich kenn die Unsicherheit bei dem Thema gut, hab selbst eine Weile gebraucht bis ich den Überblick hatte. Bin zwar nicht selbständig, aber hab mich für einen nahestehenden Freiberufler intensiv eingelesen.
Das Wichtigste jetzt im Sommer 2026, bevor es nächstes Jahr losgeht: Hol dir deinen Rentenbescheid bzw. prüf über die Deutsche Rentenversicherung ob du irgendwie im System bist (manche Freiberufler sind ohne es zu wissen über Berufsverbände o.ä. doch versichert). Das klärt die Grundlage. Ich hab mir für sowas eine kleine Checkliste gemacht, inspiriert durch den Thread Anbietervergleich Kosten: Wo fange ich beim Einstieg an? – lohnt sich als ergänzende Lektüre. Dann kanns du gezielter weitermachen.
Kurze Ergänzung dazu, weil ich das Thema aus dem Regierungswechsel-Thread kenne: Es gab tatsächlich Diskussionen ob man die Zugangsbedingungen für Selbständige weiter öffnet, aber meines Wissens nach ist da nichts Konkretes beschlossen worden. Stand heute bleibt die GRV-Anbindung der entscheidende Punkt.
Zur Frage mit dem schwankenden Einkommen: Das ist beim Altersvorsorgedepot kein Drama. Es gibt keine feste Pflichtrate, du kannst in guten Jahren mehr einzahlen und in schlechten weniger – bis hin zu null. Der Förderbetrag richtet sich dann nach dem, was du tatsächlich eingezahlt hast, sofern du die Grundvoraussetzungen erfüllst. Also zumindest das ist flexibler als viele denken.
Ich seh das etwas anders als die Herren oben – nicht inhaltlich, aber ich finde man sollte auch klar sagen: Wenn du als Freiberufler gar keine GRV-Verbindung hast, ist das Altersvorsorgedepot möglicherweise gar nicht das wichtigste Instrument für dich, zumindest was die Förderung angeht. Ohne Zulageberechtigung bleibt es 'nur' ein steuerbegünstigtes Depot, was natürlich trotzdem sinnvoll sein kann, aber der Vorteil gegenüber einem normalen ETF-Depot schrumpft dann deutlich zusammen.
Hab mich selbst damit beschäftigt im Kontext Hausbank vs. Neobroker, da geht's auch ums große Ganze beim Einstieg: Hausbank oder Neobroker fürs Altersvorsorgedepot – wie entscheiden?. Mein Tipp: Erst klären ob du überhaupt förderberechtigt bist oder werden kannst, dann erst Produkt und Anbieter entscheiden.
Guter Punkt von Markus89. Zur steuerlichen Seite noch kurz: Auch wenn keine Zulage fließt, können Einzahlungen ins zertifizierte Altersvorsorgedepot ggf. als Sonderausgaben steuerlich absetzbar sein – das hängt aber von der konkreten Situation und vom Gesamtbild deiner Vorsorgeaufwendungen ab. Als Selbständiger hat man da oft andere Spielregeln als Angestellte, Stichwort Basisversorgung und Höchstbeträge.
Ich hab mich im Zusammenhang mit Zertifizierungsfragen schonmal durch das AltZertG gewühlt, das ist nicht ganz trivial – aber für deinen Fall würde ich das erstmal hintenanstellen und wirklich prioritär die Förderfrage klären. Sonst baust du auf Sand.