Hallo zusammen,
ich bin nach 15 Jahren wieder aktiv am Thema Altersvorsorge dran und informiere mich gerade über die neuen Möglichkeiten ab Januar 2027. Bei meinem alten Riester-Vertrag habe ich jahrelang Rendite verschenkt, das soll dieses Mal anders werden.
Jetzt überall diese Diskussion: ESG-ETFs vs. klassische Welt-ETFs. Auf den ersten Blick wirken nachhaltige ETFs attraktiv – passt auch zu meiner Lebenseinstellung. Aber überall lese ich, dass sie strukturell underperformen, weil sie Bereiche ausschließen (Rohstoffe, Banken, Energie). Bei 30 Jahren Sparplan könnte das erheblich ausfallen.
Meine Frage: Stimmt das wirklich empirisch, oder ist das eher eine Mär der klassischen Finanzbranche? Und wenn ich mich für ESG entscheide – sollte ich dann wirklich nur ESG-ETFs nehmen oder eher hybridisieren?
Ich plane mit ca. 250€/Monat zu starten und möchte das Fördermodell 2027 intelligent nutzen. Wie würdet ihr das angehen?
Stefan, gute Frage. Ich beschäftige mich seit Monaten mit den Produktregeln des AVD 2027 und habe mir dazu auch aktuelle Performance-Daten angeschaut.
Die Realität ist differenzierter: Ja, ESG-ETFs haben über längere Phasen hinweg teilweise schwächer performt – vor allem, weil sie Tech und Healthcare übergewichten und Energie/Rohstoffe untergewichten. ABER: In den letzten 3-5 Jahren ist dieser Rückstand oft aufgeholt worden. Und entscheidend: Bei 30 Jahren Sparplan spielen Sektorbias und kurz- bis mittelfristige Zyklen eine deutlich kleinere Rolle als die Gebühren und deine psychologische Durchhaltequote.
Mein Ansatz für AVD-Sparer: Ein breiterer ESG-ETF (z.B. Vanguard oder iShares MSCI World ESG) als Kern sollte langfristig keine bedeutsame Renditebuße bringen. Die Förderung obendrauf gleicht Renditeunterschie da mehr als aus.
Hybridisieren würde ich eher nicht – das macht die Sache kompliziert und kostet dich nur TER. Besser: Eine klare ESG-Strategie, die du 30 Jahre durchhältst, als sich alle zwei Jahre zu wechseln, weil die Markten rotieren.