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ESG-ETFs im Altersvorsorgedepot – auf welche Labels wirklich achten?

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S.Weber82
Beiträge: 36
Themenstarter
(@s-weber82)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten
[#53]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich gerade intensiver mit der Frage, welche ESG-ETFs ich ab 2027 ins Altersvorsorgedepot nehmen möchte. Ich bin grundsätzlich überzeugt davon, dass nachhaltig investieren sinnvoll ist – nicht nur wegen der Rendite, sondern weil ich nicht in bestimmte Branchen investieren möchte.

Aber je mehr ich mich einlese, desto verwirrter werde ich. Es gibt Paris-Aligned Benchmarks (PAB), Climate Transition Benchmarks (CTB), dann noch MSCI ESG Leaders, SRI-Varianten, und jeder ETF-Anbieter scheint sein eigenes Süppchen zu kochen. Manche schließen nur Waffen und Tabak aus, andere screenen nach CO2-Reduktionspfaden.

Meine konkreten Fragen:
1. Welche Labels oder Standards gelten bei euch als wirklich glaubwürdig?
2. Macht es Sinn, einen PAB-ETF zu nehmen, auch wenn die Tracking Difference zum normalen MSCI World spürbar höher ist?
3. Verliere ich durch strenge ESG-Filter zu viel Diversifikation, gerade bei einem langen Anlagehorizont?

Ich stehe noch relativ am Anfang der Planung und nutze den Sommer bewusst, um mich in Ruhe einzulesen, bevor es 2027 losgeht. Gibt es hier Erfahrungswerte oder Empfehlungen, auf welche Kriterien man bei der ETF-Auswahl wirklich schauen sollte?

Danke vorab!
S.Weber82


2 Antworten
M.Steinbach
Beiträge: 35
(@m-steinbach)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Ich seh das ehrlich gesagt etwas skeptischer als MarkusH84. ESG klingt gut, aber man sollte sich nicht zu sehr auf die Labels verlassen. 'Paris-Aligned' heißt ja nicht, dass die Unternehmen im Index wirklich nachhaltig wirtschaften – es heißt nur, dass ihr CO2-Fußabdruck nach einem bestimmten Modell gemessen kleiner ist. Greenwashing ist da leider immer noch ein Thema, auch bei regulierten Produkten.

Für das Altersvorsorgedepot würde ich mir überlegen: Was ist mir wichtig? Wenn es wirklich um Werte geht, dann lieber einen SRI-ETF mit echten Ausschlusslisten nehmen statt nur auf das PAB-Label zu vertrauen. Wenn es hauptsächlich um Rendite mit einem grünen Gewissen geht, reicht vielleicht auch ein ESG Leaders.

Und zur Diversifikation: Ja, du verlierst etwas. Energie- und Rohstoffsektor ist oft stark reduziert. Das kann je nach Marktphase durchaus auffallen.


Antwort
MarkusH84
Beiträge: 48
(@markush84)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Gute Fragen, ich hab mich da auch eine Weile durchgewühlt. Kurze Einschätzung meinerseits:

Die PAB- und CTB-Klassifizierungen sind tatsächlich EU-reguliert und damit verbindlicher als hauseigene ESG-Label der Anbieter. Ein MSCI World Paris-Aligned hat striktere Ausschlusskriterien und einen definierten Dekarbonisierungspfad (7% jährliche CO2-Reduktion), während ein 'ESG Leaders' erstmal nur die bessere Hälfte nach ESG-Score nimmt – das ist deutlich weicher.

Zur Tracking Difference: Ja, PAB-ETFs können etwas teurer sein und weichen stärker vom Standard-MSCI World ab, aber der Effekt auf lange Sicht ist überschaubar. Bei 20–30 Jahren Anlagehorizont relativiert sich das.

Diversifikation leidet tatsächlich ein bisschen, vor allem Tech wird manchmal über- oder untergewichtet je nach Anbieter. Ich würde empfehlen, mal konkret bei einem MSCI World SRI und einem PAB nebeneinander die Factsheets zu vergleichen – die Top-10-Holdings zeigen schnell, wie unterschiedlich die tatsächlich sind.

Ich hatte dazu auch schonmal etwas im Kontext der Förderregeln geschrieben, ist zwar ein anderes Thema, aber die Produktauswahl hängt ja letztlich auch davon ab was zugelassen ist: Regierungswechsel 2025 – was ändert sich noch bei den Förderregeln?


Antwort
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