Hallo zusammen,
ich sitze gerade im Urlaub und nutze die Ruhe um endlich mal meine Altersvorsorge zu durchleuchten. Seit 2009 zahle ich in eine klassische private Rentenversicherung ein, monatlich 180 Euro, Ablauf 2041. Die Kosten sind intransparent, die Überschussbeteiligung ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken, und wenn ich ehrlich bin: ich verstehe das Produkt kaum noch.
Jetzt schaue ich mir das neue Altersvorsorgedepot an, das ab 2027 starten soll. Die Förderung klingt interessant, und ein ETF-Portfolio würde mir deutlich mehr Kontrolle und Transparenz geben. Meine Überlegung: Police beitragsfrei stellen, den bisherigen Beitrag ab Januar 2027 ins AVD stecken und dort einen simplen ETF-Sparplan aufbauen.
Aber ich bin unsicher: Was passiert mit dem bereits angesammelten Kapital in der Police wenn ich sie beitragsfrei stelle? Verfallen da Überschüsse? Und macht es überhaupt Sinn, parallel eine eingefrorene Police und ein neues AVD-Depot zu haben, oder ist das eine unnötige Komplexität?
Vielleicht hat hier jemand ähnliches durchgerechnet oder kennt die typischen Fallstricke bei sowas. Ich bin kein Finanzprofi, versuche aber die Sache möglichst nüchtern anzugehen.
Danke schon mal!
Das ist eine Überlegung, die ich gut nachvollziehen kann – ich hab mich selbst intensiv damit beschäftigt, ob ein Wechsel aus alten Versicherungsprodukten heraus sinnvoll ist. Dazu hatte ich damals auch im Thread Wann lohnt sich der Wechsel von Riester? einiges geschrieben.
Zur Beitragsfreistellung: Das Kapital bleibt erhalten und wird in aller Regel weiter mit dem vereinbarten Garantiezins verzinst, die laufenden Überschüsse können aber tatsächlich sinken oder ganz wegfallen – das hängt am Versicherer und am konkreten Tarif. Wichtig ist, dass die Kosten bei vielen älteren Policen auch nach Beitragsfreistellung weiter laufen, zumindest teilweise als Verwaltungsgebühr. Das schmälert die Rendite des bereits eingezahlten Kapitals weiter.
Die Idee, ab 2027 den frei gewordenen Beitrag ins neue AVD zu leiten, halte ich grundsätzlich für vernünftig – aber ich würde empfehlen, vorher schriftlich beim Versicherer nachzufragen was genau bei Beitragsfreistellung passiert, konkret: Änderung der garantierten Rentenleistung, Kosten nach Freistellung und Stornoabzüge falls du doch noch kündigen willst. Das gibt dir eine saubere Entscheidungsgrundlage. Zwei parallele Konstrukte sind nicht per se schlecht, wenn das eingefrorene Kapital noch sinnvoll arbeitet.
Ich seh das etwas anders als Heinrich67: Wenn der Garantiezins bei deiner Police aus 2009 noch bei 2,25% liegt, würd ich das nicht einfach beitragsfrei einfrieren und liegenlassen. Das ist in der aktuellen Zinslandschaft gar nicht so schlecht für den risikoarmen Anteil im Portfolio. Kommt natürlich auf die Kostenstruktur an – aber pauschal sagen "ETF ist besser" greift da zu kurz. Ich hab mich an anderer Stelle schon geärgert dass viele die Rentenlücke einfach mit "mehr ETF" lösen wollen ohne die bestehenden Verträge richtig zu analysieren. Lass dir erstmal den aktuellen Rückkaufswert und den garantierten Rentenfaktor geben – der Rentenfaktor besonders, denn der steckt oft vertraglich fest und kann bei alten Policen vergleichsweise günstig sein.