Garantieprodukt vs....
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Garantieprodukt vs. ETF-Rente: Was bringt nach Inflation mehr?

6 Beiträge
6 Benutzer
0 Reactions
23 Ansichten
Lara F.
Beiträge: 31
Themenstarter
(@larafischer)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten
[#66]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich gerade intensiv mit dem Altersvorsorgedepot 2027 und komme bei einem Punkt nicht weiter. Ich bin 27, habe also noch ungefähr 40 Jahre bis zur Rente, und frage mich: Lohnt sich das Garantieprodukt überhaupt noch, wenn man die Inflation mit einrechnet?

Mein Gedankengang ist folgender: Ein Garantieprodukt sichert mir zwar das eingezahlte Kapital (oder zumindest einen Teil davon), aber wenn die Inflation über die Jahrzehnte z.B. im Schnitt bei 2,5–3% liegt, frisst das doch einen erheblichen Teil der realen Kaufkraft auf. Da wirkt der garantierte Betrag auf dem Papier sicher, ist aber in 40 Jahren viel weniger wert als heute.

Andererseits: Bei der ETF-Rente gibt es keine Garantie, und bei einem schlechten Marktumfeld kurz vor Renteneintritt könnte ich auf Verluste sitzen. Ich weiß, dass das Altersvorsorgereformgesetz hier Absicherungsmechanismen vorsieht, aber ich verstehe noch nicht ganz, wie gut die wirklich greifen.

Mich interessiert konkret: Wie rechnet ihr das durch? Gibt es eine Art Faustregel, ab welchem Renditevorteil die ETF-Rente trotz Schwankungsrisiko deutlich besser abschneidet als das Garantieprodukt – wenn man Inflation ernsthaft berücksichtigt?

Ich freue mich über Erfahrungen und Einschätzungen, gerne auch kritische. Bin noch ganz am Anfang meiner Überlegungen.

Lara


5 Antworten
Heinz M.
Beiträge: 24
(@heinz_1952)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Ich verfolge das Thema hier als Rentner vor allem für meine Enkel – die sind in ähnlichem Alter wie du, Lara.

Was ich aus meiner Erfahrung sagen kann: In meiner Erwerbszeit hätte ich mir eine solche Auswahl gewünscht. Wir hatten oft keine echte Alternative zum klassischen Sparbuch oder zur Lebensversicherung. Und die Lebensversicherungen haben nominal gut ausgesehen, real aber oft enttäuscht – genau wegen der Inflation.

Bei dem was hier Markus91 schreibt kann ich nur zustimmen. Der Nominalbetrag ist eine trügerische Zahl. Ich hab mich auch ein bisschen mit dem Unterschied nominaler und realer Rendite beschäftigt, das ist wirklich grundlegend zum Verstehen.

Meine Meinung: In deinem Alter ETF-Rente, mit der Überlegung das Risiko mit zunehmendem Alter schrittweise zu reduzieren. Das Garantieprodukt würde ich allenfalls als kleinen Anteil in Betracht ziehen, wenn das Reformgesetz das in Kombination zulässt. Schaut euch das genauer an ob Mischungen möglich sind.


Antwort
Markus91
Beiträge: 60
(@markus91)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Gute Frage, Lara. Ich hab mich damit auch intensiv beschäftigt, und die kurze Antwort ist: Bei deinem Zeithorizont von 40 Jahren hat die ETF-Rente historisch gesehen fast immer die Nase vorn – wenn man die reale Rendite nach Inflation betrachtet.

Das Garantieprodukt sichert dir nominal dein Kapital (oder einen definierten Mindestbetrag), aber in realer Kaufkraft verlierst du über 40 Jahre bei 2,5% Inflation ungefähr die Hälfte. Wenn du also 50.000 Euro garantiert bekommst, sind das in heutiger Kaufkraft vielleicht noch 22.000 Euro. Das ist kein theoretisches Problem, sondern Rechenrealität.

Die ETF-Rente hat natürlich Schwankungsrisiken. Was viele unterschätzen: Das Reformgesetz sieht beim Altersvorsorgedepot eine schrittweise Umschichtung in sicherere Anlagen vor, je näher du dem Renteneintritt kommst. Das dämpft das Timing-Risiko am Ende erheblich. Ist aber kein Vollschutz – wenn die Märkte über mehrere Jahre schwach sind, merkst du das trotzdem.

Ich hab mir dazu mal einen Thread angelegt, der die Entnahmeseite beleuchtet: ETF-Entnahmeplan oder lebenslange Rente – was optimiert ihr? – da wird auch diskutiert, wie man das Langlebigkeitsrisiko einpreist, was für die Vergleichsrechnung relevant ist.

Faustformel: Wenn du einen ETF-Sparplan mit historisch 6–7% nominaler Jahresrendite (diversifiziert, z.B. MSCI World) annimmst und davon 2,5% Inflation abziehst, bleiben real ~4% übrig. Ein Garantieprodukt kommt selten über 1–2% real. Das ist ein erheblicher Unterschied über 40 Jahre.


Antwort
ETFsparplan34
Beiträge: 54
(@etfsparplan34)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Kurz gesagt: Bei 40 Jahren Laufzeit würde ich persönlich nicht auf Garantie setzen. Der Renditeverzicht ist einfach zu hoch wenn man das realistisch durchrechnet.


Antwort
WolfgangK
Beiträge: 40
(@wolfgangk)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Lara, ich würde noch einen Punkt ergänzen der oft vergessen wird: Die staatliche Förderung – also die Grundzulage und ggf. der Berufseinsteigerbonus – gilt für beide Varianten. Das heißt, der Fördervorteil allein ist kein Argument für das Garantieprodukt.

Was das Garantieprodukt wirklich rechtfertigt, ist ein sehr konkreter Bedarf an Planungssicherheit – zum Beispiel wenn man weiß dass man keine gesetzliche Rente oder andere Einkünfte im Alter haben wird und auf einen bestimmten Mindestbetrag angewiesen ist. Für die meisten jungen Leute mit 40 Jahren Laufzeit und einem Job ist das aber nicht der Hauptfall.

Die ETF-Rente im Altersvorsorgedepot hat zudem den Vorteil, dass das Kapital in der Auszahlungsphase flexibler bleibt – Entnahmeplan vs. Verrentung ist da ein wichtiges Thema, das je nach Anbieter unterschiedlich gelöst wird. Ich finde das ist ein unterschätzter Aspekt im Vergleich mit dem Garantieprodukt, das eher auf klassische lebenslange Rente ausgelegt ist.


Antwort
Seite 1 / 2
Teilen: