Hallo zusammen,
bereite mich gerade in der Sommerpause auf mein Altersvorsorgedepot vor und grübel über die ETF-Auswahl. Bin 35 und hätte also etwa 30 Jahre bis zur Rente.
Meine Überlegung: Dividenden-ETFs haben ja den Nachteil der sofortigen Besteuerung der Ausschüttungen. Bei thesaurierenden ETFs wird erst beim Verkauf besteuert - also erst in der Rente. Das müsste doch eigentlich ein riesiger Vorteil sein über 30 Jahre?
Andererseits lese ich immer wieder, dass Dividenden-ETFs langfristig oft besser performen, gerade in volatilen Zeiten. Und mit der nachgelagerten Besteuerung im Altersvorsorgedepot ist das ja nochmal anders als beim normalen Depot.
Wie seht ihr das? Welche Steuereffekte sind nach so einer langen Ansparzeit wirklich relevant? Hab schon versucht das durchzurechnen, aber komme mit den verschiedenen Steuerregeln nicht klar. Macht der Steuerstundungseffekt bei thesaurierenden ETFs den Performance-Unterschied wett?
Freue mich auf eure Erfahrungen!
Grüße
W.Hartmann
Muss da aber widersprechen Lisa. Der Steuerstundungseffekt ist auch im Altersvorsorgedepot relevant!
Klar, am Ende wird alles nachgelagert besteuert. Aber während der Ansparphase macht es schon einen Unterschied: Bei ausschüttenden ETFs werden die Dividenden ja trotzdem versteuert (auch wenn steuerfrei gestellt durch die Förderung). Das Geld das für Steuern 'reserviert' wird, kann nicht weiter arbeiten.
Hab mal ne Beispielrechnung gemacht: 200€/Monat über 30 Jahre, 7% Rendite. Bei 3% Dividendenrendite und 26% Steuern macht das am Ende etwa 15.000€ Unterschied.
Allerdings stimmt es, dass die Performance-Frage schwer vorhersagbar ist. Und die TER-Unterschiede sind auch relevant.
Mein Tipp: 80% thesaurierender MSCI World, 20% Dividenden-ETF für die Diversifikation. Dann hast du das beste aus beiden Welten.
Sehe das ähnlich wie Stefan_78. Bei der nachgelagerten Besteuerung im Altersvorsorgedepot ist der Steuerstundungseffekt nicht mehr so relevant.
Was ich aber bedenkenswert finde: In der Rente hast du meist einen niedrigeren Steuersatz. Das bedeutet, egal welche ETF-Art du wählst, du zahlst später weniger Steuern als heute. Das ist ja der ganze Sinn der Förderung.
Bei der ETF-Auswahl würde ich eher auf Kosten und Tracking-Qualität achten. Thesaurierende ETFs sind oft günstiger (niedrigere TER) und haben weniger Tracking Error.
Und ehrlich gesagt: Nach 30 Jahren wird der Performanceunterschied zwischen einem guten Dividenden- und einem guten thesaurierenden World-ETF wahrscheinlich im Promille-Bereich liegen. Da machst du dir vielleicht zu viele Gedanken 😊
Hi W.Hartmann,
gute Frage, die ich mir auch schon gestellt hab. Grundsätzlich ist der Steuerstundungseffekt bei thesaurierenden ETFs schon erheblich über 30 Jahre. Das Geld arbeitet ja ungeschmälert weiter, statt dass jedes Jahr 26,375% Abgeltungssteuer abgezogen werden.
ALLERDINGS - und das ist wichtig beim Altersvorsorgedepot - wird eh erst in der Rente besteuert, egal ob ausschüttend oder thesaurierend. Die nachgelagerte Besteuerung hebelt den klassischen Steuerstundungseffekt quasi aus.
Was bleibt ist die Frage der Performance. Da haben Dividenden-ETFs oft tatsächlich historisch besser abgeschnitten, weil sie value-lastiger sind und weniger tech-heavy. Ob das so bleibt ist natürlich die Millionenfrage.
Ich persönlich fahre 70/30 thesaurierend/ausschüttend im normalen Depot, beim Altersvorsorgedepot würde ich eher auf Performance als auf Steuerstundung schauen. Da ich aber auch in anderen Threads schon diskutiert hab, bin ich eh noch unschlüssig wegen der ganzen Konstruktion.