Hallo zusammen,
ich bin gerade dabei, meine Strategie für das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 zu planen. Nach 8 Jahren Familienzeit steige ich jetzt beruflich wieder ein und freue mich auf die besseren Fördermöglichkeiten für Wiedereinsteiger.
Bei meinen Recherchen bin ich immer wieder auf Small-Cap-ETFs und Faktoren-ETFs (Value, Momentum, etc.) gestoßen. Die Idee dahinter klingt verlockend – historisch höhere Renditen durch gezielte Faktoren-Exposition. Aber mir stellen sich einige Fragen:
1. Macht es Sinn, im Altersvorsorgedepot mit Small Caps zu arbeiten, wenn ich 30+ Jahre Zeit habe? Oder ist das unnötige Komplexität?
2. Wie sicher bin ich mir, dass diese Faktoren auch in den nächsten Jahrzehnten funktionieren? Der Markt hat sich ja auch verändert.
3. Verliere ich durch Faktoren-Fokussierung nicht auch die breite Diversifikation, die für eine sichere Altersvorsorge wichtig ist?
Ich interessiere mich natürlich auch für die ETF-Rente und möchte die Grundzulage voll ausschöpfen. Aber sollte ich mich da nicht eher auf breitgestreute Standardindizes konzentrieren?
Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Zu aggressiv oder genau richtig für 30 Jahre?
Interessante Frage! Ich habe mir die Rendite-Risiko-Profile mal systematisch angeschaut. Fakt ist: Small Caps haben historisch outperformt, aber die Volatilität ist deutlich höher. Mit 30 Jahren Zeit kann man das aussitzen – aber nur, wenn es psychologisch passt. Bei einem Marktcrash von 40% sind Small Caps oft -50% oder mehr. Fragen Sie sich ehrlich: Können Sie dann noch rational weitersparen oder fahren Sie emotional Bremse? Im AVD 2027 würde ich eher auf MSCI World + vielleicht 5-10% Emerging Markets setzen. Einfacher, günstiger, weniger Psycho-Stress. Die Förderung ist größer als jeder Faktoren-Premium.
Auch nach meiner Recherche zum AVD 2027: Small Caps im Sparplan sind kontraproduktiv. Der Grund ist einfach – bei kleineren monatlichen Raten (was für Wiedereinsteiger normal ist) zahlst du relativ gesehen höhere Gebühren und Spreads bei illiquiden Small Caps. Mit nem MSCI World hast du breiter gestreut, bessere Liquidität und weniger Ärger. Faktoren brauchts wirklich nicht.
Meine Erfahrung nach 5 Jahren ETF-Sparpläne: Halte Dich an breitgestreute ETFs! MSCI World oder MSCI AC World reichen völlig aus. Small Caps bringen Dir marginal mehr Rendite, aber deutlich mehr Stress. Und Faktoren-ETFs? Zu teuer, zu komplex für eine Altersvorsorge. Die Förderung ist dein eigentlicher Gewinn – darauf konzentrieren. Lieber monatlich konsequent sparen als sich mit Faktoren-Timing zu beschäftigen.
Sabine, gute Frage! Ich plane auch relativ aggressiv – allerdings mit klarem Fokus auf meine Rente mit 60. Meine Erfahrung: Small Caps sind im 30-Jahres-Horizont eher ein Beimischung-Thema, nicht die Kernposition. Ich nutze einen breiteren Ansatz mit minimalen TERs und nehme vielleicht 10-15% Small Caps mit. Das Momentum-Ding ist interessant, aber ob das wirklich konsistent läuft? Schwer zu sagen. Wichtiger: Die Förderung voll ausschöpfen, denn die garantierte Rendite (durch Zulagen) schlägt viele Faktoren-Überschüsse.