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Wie viel Risiko ist für Altersvorsorge-Einsteiger wirklich vertretbar?

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Markus W.
Beiträge: 11
Themenstarter
(@markus52)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten
[#73]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich seit gut 15 Jahren mit Kapitalmärkten und bin grundsätzlich kein Freund von übertriebener Vorsicht – ETF-Übergewichtung in Richtung Aktien halte ich für sinnvoll, solange der Zeithorizont stimmt. Aber die Frage, die mich beim neuen Altersvorsorgedepot 2027 wirklich beschäftigt, ist eine andere: Was empfehle ich jemandem, der zum ersten Mal überhaupt über strukturierte Altersvorsorge nachdenkt?

Gerade im Sommer sieht man ja immer wieder, wie Märkte temporär einbrechen und unerfahrene Anleger nervös werden. Für jemanden, der bisher vielleicht nur ein Tagesgeldkonto hatte, kann eine 100%-Aktienquote im neuen Depot schnell zum Problem werden – nicht weil die Strategie falsch ist, sondern weil die Psyche mitmachen muss.

Mich interessiert konkret: Gibt es so etwas wie eine vernünftige Einstiegs-Risikostruktur für das Altersvorsorgedepot 2027? Also eine Aufteilung, die Einsteigern ermöglicht, erste Erfahrungen mit Schwankungen zu machen, ohne beim ersten Minus-15%-Sommer gleich alles zu verkaufen?

Dabei denke ich auch an den Inflationsaspekt: Zu konservativ aufgestellt verliert man real an Kaufkraft, das ist ja ebenfalls ein Risiko, das viele Einsteiger unterschätzen. Wie habt ihr das für euch gelöst, oder wie würdet ihr Neulingen raten anzufangen?

Freue mich auf eure Einschätzungen.

Markus W.


2 Antworten
Markus77
Beiträge: 25
(@markus77)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Die Frage kenne ich gut – gerade aus der Riester-Welt kommen viele Einsteiger mit völlig verzerrten Erwartungen, weil Riester ihnen jahrelang suggeriert hat, Sicherheit sei immer besser als Rendite.

Meine Erfahrung: Eine Aktienquote von 70-80% zum Start ist für die meisten Einsteiger mit langem Horizont vertretbar, aber nur wenn man die Volatilität vorher erklärt bekommt. Das ist keine Zahl aus dem Lehrbuch, sondern etwas, das ich in der Praxis immer wieder beobachtet habe – wer versteht warum sein Depot schwankt, verkauft seltener im falschen Moment.

Das fördertechnische Argument für das neue Depot ist dabei interessant: Da die Förderung beitragsproportional funktioniert (dazu hab ich hier mal was geschrieben), hat man als Einsteiger ohnehin einen gewissen Puffer durch den Förderzuschuss, der Buchverluste in der Frühphase zumindest teilweise abfedert. Das kann psychologisch helfen.

Deinen Punkt zum Inflationsrisiko unterschreibe ich vollständig. Ein Portfolio mit 40% Anleihen schützt einen Einsteiger nicht vor Kursschwankungen – es macht ihn ärmer. Das wird viel zu selten so direkt gesagt.


Antwort
Markus B.
Beiträge: 27
(@zweifler_1978)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Naja, ich bin da etwas vorsichtiger als Markus77. Bei allem Respekt – 70-80% Aktien für echte Einsteiger klingt gut in der Theorie, aber ich hab drei Kinder und weiß wie schnell das Leben Pläne durchkreuzt. Wer zum ersten Mal investiert und dann kurz nach dem Start einen Jobverlust hat oder unvorhergesehene Ausgaben, der greift genau dann ans Depot ran wenn er es nicht sollte.

Mein Gedanke wäre eher: erstmal mit 50-60% Aktienquote starten, schauen wie man mit den ersten Schwankungen umgeht, und dann nach 1-2 Jahren schrittweise erhöhen. Klingt vorsichtiger als nötig, aber Einsteiger sind eben keine erfahrenen Marktteilnehmer – die reagieren emotional anders.


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