Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiver mit der ETF-Auswahl fürs neue Altersvorsorgedepot ab 2027 und hänge an einem Punkt fest: Branchen-ETFs.
Klar, ein breiter World-ETF als Basis macht Sinn – das ist unstrittig. Aber ich frage mich, ob es nicht sinnvoll ist, bestimmte Sektoren gezielt überzugewichten. Ich denke da an Bereiche wie:
- Technologie / Semiconductors (halte ich strukturell für unverzichtbar)
- Erneuerbare Energien / Clean Energy (langfristiger Megatrend?)
- Healthcare / Pharma (demografischer Wandel, alternde Gesellschaft)
- Infrastruktur (Stichwort: Digitalisierung, Stromnetze)
Meine Frage: Welche Branchen-ETFs seht ihr im Kontext der Altersvorsorge wirklich als sinnvolle Beimischung, und welche sind eher Hype? Und wie viel Prozent vom Gesamtportfolio würdet ihr maximal in Sektoren stecken – 10%, 20%, mehr?
Ich hab zum Beispiel Clean Energy schon mal in einem Nicht-Altersvorsorge-Depot gehabt und das war... nun ja, lehrreich. Deshalb bin ich da inzwischen vorsichtiger. Für die Altersvorsorge gilt ja: Verluste in jungen Jahren sind ärgerlich, aber in der Entnahmephase können sie richtig wehtun.
Freue mich auf eure Erfahrungen und Meinungen!
Marc
Ich bin kein großer Fan von Branchen-ETFs generell, aber ich seh das pragmatisch: Wenn du weißt was du tust und den Sektor langfristig überzeugend findest – warum nicht? Solange der Großteil des Depots breit aufgestellt bleibt.
Habe selbst früh gelernt (damals noch mit normalem Depot, nicht Altersvorsorge), dass man Sektorwetten lieber klein hält. So 10% max würde ich auch sagen. Den Rest breiter World-Anteil.
Das mit der Entnahmephase ist übrigens ein wichtiger Punkt den du ansprichst. Da will man keine großen Sektor-Einbrüche aushalten müssen.
Ich schau das etwas nüchterner an. Der Kostenaspekt ist nicht zu unterschätzen – Branchen-ETFs haben oft TERs von 0,4% aufwärts, während ein MSCI World mittlerweile für unter 0,1% zu haben ist. Gerade im Altersvorsorgedepot, wo die Kostendeckelung eine Rolle spielt, sollte man das im Blick haben.
Zu den Sektoren selbst: Healthcare halte ich tatsächlich für das solideste Argument. Demografischer Wandel ist kein Trend, sondern Realität. Infrastruktur ebenfalls interessant, gerade wenn man an Stromnetze und Digitalisierung denkt.
Technologie würde ich aber nicht extra beimischen – der MSCI World bildet das bereits stark ab, und wer unbedingt mehr Tech will, nimmt den MSCI World IMI oder einen All-World-ETF.
Clean Energy: Das war ein teures Lehrgeld für viele. Politikabhängige Sektoren schwanken extrem, das passt nicht wirklich zur Logik der langfristigen Altersvorsorge.
Mein Fazit: Wenn überhaupt Sektoren, dann maximal 10% des Depots, und nur solche, die unabhängig von politischen Förderlaune funktionieren.
Da muss ich Kritiker_77 oben ein stück weit widersprechen – nicht grundsätzlich, aber in der Pauschalität.
Ich bin gerade in der Phase, wo ich mein Portfolio für 2027 konkret plane (hab das Thema Elternzeit und Förderung ja schon in einem anderen Thread diskutiert), und ich finde es zu einfach zu sagen 'einfach weglassen'. Das stimmt für viele, aber nicht für alle.
Wer z.B. beruflich tief in einem Sektor steckt – sagen wir IT oder Medizintechnik – der kann durchaus argumentieren, dass er diesen Sektor besonders gut einschätzen kann. Das ist eine Form von informiertem Übergewichten, nicht blind spekulieren.
Aber: Ich würde niemals mehr als 15-20% in Sektoren, und da auch nur in solchen, die strukturell langfristig tragen. Healthcare, Infrastruktur – ja. Themen-ETFs wie Cannabis, Robotik oder Metaverse – nein danke, da sehe ich auch nur Hype.
Für die Altersvorsorge gilt halt: Langweilig ist oft gut.
Ich bin 1967 Jahrgang und stehe kurz vor dem Übergang in die Rentenphase. Von daher schau ich das etwas anders an als jüngere Sparer hier.
Für mich persönlich kommen Branchen-ETFs im Altersvorsorgedepot gar nicht mehr in Frage – zu wenig Zeit, um Sektorschwächen auszusitzen. Beim Riester-Wechsel-Thema hab ich das auch schon erwähnt: Je näher die Entnahme, desto weniger Experimente.
Für jüngere mit 30+ Jahren Anlagehorizont sieht das natürlich anders aus. Da kann man sich Healthcare oder Infrastruktur durchaus leisten, wenn man die Disziplin hat, auch in schwachen Phasen nicht zu verkaufen.
Aber Clean Energy – da musste ich selbst schlucken, als ich sah wie das gelaufen ist. Ohne staatliche Subventionen keine Performance, das ist zu fragil für die Altersvorsorge.