Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiver damit, wie ich mein zukünftiges Altersvorsorgedepot aufstellen will, und bei Rohstoffen hänge ich ein bisschen fest. Ich möchte nicht komplett auf Rohstoffe verzichten, weil mir der Inflationsschutz wichtig ist – aber gleichzeitig will ich nicht blind in irgendwelche Mining-Konzerne oder fossile Energie investieren.
Jetzt schaue ich mir ETFs an, die ESG-Kriterien für Rohstoffe anwenden. Meine Frage: Wie seriös sind diese ESG-Filter eigentlich bei Rohstoff-ETFs? Ich habe das Gefühl, dass da viel Greenwashing dabei ist. Ein ETF wirbt mit 'nachhaltigem Rohstoffzugang', enthält aber trotzdem Kupferminen mit fragwürdigen Arbeitsbedingungen oder Goldförderer mit massiven Umweltproblemen.
Gibt es spezifische Indizes oder Ansätze, die ihr für tatsächlich glaubwürdig haltet? Zum Beispiel Rohstoffe, die für die Energiewende gebraucht werden – Lithium, Kupfer, Kobalt – aber mit echten Nachhaltigkeitsstandards? Oder ist das bei Rohstoffen strukturell kaum möglich, weil Bergbau nunmal Bergbau ist?
Besonders interessiert mich auch, ob das Altersvorsorgedepot 2027 hier irgendwelche Vorgaben macht oder ob das komplett dem Anbieter überlassen bleibt. Falls jemand konkrete Produkte kennt, die ab 2027 förderfähig sein werden und einen halbwegs glaubwürdigen Nachhaltigkeitsansatz haben, bin ich dankbar für Hinweise.
Mit freundlichen Grüßen,
Markus
Da muss ich Kritikus_78 zumindest teilweise widersprechen. Klar, perfekt ist kein ESG-Rohstoff-ETF – aber das heißt nicht, dass alle gleich sind. Es gibt durchaus Indizes, die ernsthafter filtern als andere, z.B. solche die explizit nach IRMA-Standard (Initiative for Responsible Mining Assurance) zertifizierte Minen bevorzugen oder bestimmte Regionen mit bekannten Menschenrechtsproblemen ausschließen.
Beim Altersvorsorgedepot 2027 sind mir bisher keine spezifischen Nachhaltigkeitsvorgaben für Rohstoffprodukte bekannt – das stimmt. Aber die SFDR-Kategorisierung der EU (Artikel 8 oder 9 Fonds) gibt zumindest einen groben Rahmen vor, der rechtlich nicht ganz wirkungslos ist.
Praktischer Hinweis für die Produktauswahl: Vergleich mal die tatsächliche Indexzusammensetzung zweier 'ESG-Rohstoff-ETFs' direkt, nicht die Produktbeschreibung. Da sieht man oft schnell, wie ernst der Filter genommen wird. Hab das selbst so gemacht bevor ich mich näher mit den Kostenstrukturen beschäftigt hab – Stichwort TER und versteckte Kosten, das is nochmal ein eigenes Thema.
Kurzum: Kompromisslos grün geht bei Rohstoffen nicht, aber informiert auswählen schon.
Ich bin da ehrlich gesagt ziemlich skeptisch – und nicht nur ein bisschen. ESG bei Rohstoffen ist meiner Meinung nach eines der größten Greenwashing-Felder überhaupt. Das Problem ist strukturell: Du kannst keinen Bergbau 'nachhaltig' nennen, wenn du Gestein in großem Maßstab aufbrichst, Chemikalien einsetzt und oft in Regionen operierst, wo Umweltstandards kaum kontrolliert werden.
Die gängigen ESG-Scores werden von Ratingagenturen vergeben, die teils selbst von den Unternehmen bezahlt werden oder deren Methodik intransparent ist. Ich hab das schon in anderen Zusammenhängen angesprochen – man muss bei solchen regulatorischen Versprechen generell vorsichtig sein, wie ich z.B. auch im Thread EU will deutsche Garantiezusagen kippen geschrieben habe. Das Muster ist ähnlich: schöne Labels, wenig verbindliche Substanz dahinter.
Zum Altersvorsorgedepot 2027 selbst: Das Reformgesetz macht meines Wissens keine inhaltlichen Vorgaben dazu, welche Rohstoff-ETFs als 'nachhaltig' gelten. Das bleibt tatsächlich dem Anbieter überlassen – was die Aussagekraft solcher Labels weiter verwässert.
Mein Rat: Wenn Nachhaltigkeit dir wirklich wichtig ist, schau dir die tatsächlichen Fondsdokumente (KID, Prospekt) an und nicht nur die Marketingbezeichnung. Und akzeptiere, dass es bei Rohstoffen kein sauberes Investment gibt – nur unterschiedliche Grade von weniger schlimm.