Hallo zusammen,
nach einer langen Familienpause steige ich gerade wieder ins Thema Finanzen ein und versuche, mich für das Altersvorsorgedepot 2027 vorzubereiten. Ich merke, dass ich an vielen Stellen nochmal neu denken muss – die Welt hat sich in 12 Jahren doch ganz schön verändert.
Meine eigentliche Frage betrifft Rohstoffe als Beimischung. Ich lese öfter, dass Rohstoffe zur Diversifikation sinnvoll sein können – gerade als Puffer wenn Aktien schwächeln. Aber gleichzeitig höre ich, dass gerade Rohstoffe sehr volatil sind und schwer einzuschätzen. Für jemanden wie mich, der wirklich vorsichtig anfangen will und Risikomanagement groß schreibt, frage ich mich: Macht eine kleine Rohstoff-Beimischung fürs Altersvorsorgedepot überhaupt Sinn? Oder ist das eher was für erfahrenere Anleger?
Konkret würde mich interessieren:
– Wie habt ihr das bei euch gehandhabt, gerade am Anfang?
– Gibt es Rohstoffkategorien, die "ruhiger" laufen als andere?
– Und wie viel Prozent vom Gesamtdepot würdet ihr als Neueinsteigerin maximal in Rohstoffe stecken?
Ich möchte das Depot langfristig aufbauen, aber eben ohne gleich zu Beginn große Fehler zu machen. Freue mich über eure Erfahrungen!
Viele Grüße,
C.Hoffmann
Hallo C.Hoffmann,
ich kann deine Zurückhaltung gut verstehen, und ich finde es klug, dass du das Thema Rohstoffe erstmal hinterfragst statt einfach drauflos zu investieren.
Aus meiner Erfahrung im Finanzbereich würde ich sagen: Rohstoffe als kleine Beimischung können durchaus sinnvoll sein, aber der Schlüssel liegt wirklich im Wort "klein". Für einen vorsichtigen Einstieg würde ich nicht mehr als 5-10% des Gesamtdepots in diese Richtung lenken. Breite Rohstoff-ETFs, die verschiedene Kategorien abbilden (Energie, Metalle, Agrar gemischt), schwanken in der Regel etwas weniger wild als Einzel-Rohstoff-Produkte.
Was ich in der Praxis beobachte: Viele Einsteiger unterschätzen die Rollkosten bei Rohstoff-ETFs, die auf Futures basieren – das kann die Rendite über Jahre merklich schmälern. Das ist ein Punkt, den ich zum Beispiel auch im Deflations-Thread schon mal angesprochen hatte.
Für einen wirklich ruhigen Start würde ich ehrlich gesagt empfehlen, erstmal ohne Rohstoffe zu beginnen und die Beimischung erst dann hinzuzufügen, wenn du ein Gefühl für dein Depot entwickelt hast. Klingt konservativ, aber gerade nach einer längeren Pause ist das meiner Meinung nach der sicherere Weg.
Ich hab mir das für mein eigenes Depot systematisch angeschaut und ein paar Dinge sind dabei klar geworden:
Rohstoff-ETFs sind nicht gleich Rohstoff-ETFs. Man muss unterscheiden zwischen physisch besicherten (funktioniert primär bei Gold/Silber), aktienbasierten (Minenunternehmen) und futures-basierten Produkten. Letztere haben strukturelle Kostennachteile durch den sogenannten Rollverlust, der gerade in Contango-Phasen richtig reinhauen kann.
Für einen vorsichtigen Einstieg – und das klingt bei dir ja das Hauptkriterium zu sein – würde ich wenn überhaupt zu einem breit gestreuten Rohstoff-Aktien-ETF tendieren. Die bilden Unternehmen ab, nicht Rohstoffpreise direkt, was die Schwankungen etwas dämpft. TER und Tracking Difference vorher genau vergleichen.
Mein persönlicher Ansatz: Ich hab das in meinem Setup auf max. 8% begrenzt und behandle das als eigene Risikoklasse mit eigener Rebalancing-Regel. Vielleicht ist das ein Framework, das du dir für später vormerken kannst, wenn du mehr Sicherheit im Depot-Management hast. Für den Anfang würde ich ehrlich gesagt erstmal ohne Rohstoffe starten.
Kurz aus meiner Sicht: Rohstoffe als Beimischung ja, aber wirklich nur als Beimischung. Ich hab mir das mal durchgerechnet – bei einem 70/20/10 Portfolio (Aktien/Anleihen/Rohstoffe) war die Volatilität über 15 Jahre deutlich geringer als mit reinen Aktien. Das hatte ich auch grob im Zinswende-Thread erwähnt.
Für eine Neueinsteigerin würde ich die 10%-Marke als Obergrenze nehmen und auf breite Indizes setzen, keine Einzelrohstoffe. Saisonal ist der Sommer bei Energierohstoffen übrigens oft interessant – aber das ist eher Profi-Territorium, lass das erstmal links liegen.
Muss ich ehrlich sagen: Ich bin bei Rohstoffen generell skeptisch, gerade fürs geförderte Altersvorsorgedepot. Das liegt nicht daran, dass Rohstoffe grundsätzlich schlecht wären – aber die Förderlogik des neuen Depots 2027 zielt ja auf langfristigen, stabilen Vermögensaufbau ab. Und Rohstoffe mit ihren Schwankungsbreiten passen dazu nur bedingt.
Nach meinen Jahren mit Riester-Verträgen hab ich gelernt: Je komplizierter ein Baustein, desto mehr kann schiefgehen. Ich hab dazu auch schon was im ESG-Rohstoff-Thread geschrieben.
Mein Rat: Starte mit einem soliden Welt-ETF, lass dir 1-2 Jahre Zeit um ein Gefühl zu entwickeln, und dann schau nochmal ob Rohstoffe für dich persönlich passen. Du verpasst nichts wenn du erstmal wartest.