Hallo zusammen,
ich grübele gerade bei dem heißen Wetter hier draußen über mein zukünftiges Altersvorsorgedepot nach und komme immer wieder auf das Thema Wasserstoff-Rohstoffe zurück. Konkret meine ich die ganzen Metalle und Mineralien, die für die Wasserstoffwirtschaft gebraucht werden – Platin für Brennstoffzellen, Nickel, auch Iridium wird ja immer öfter genannt.
Ich bin Mitte 40 und plane, das Depot ab Januar 2027 aufzubauen. Zeithorizont wäre also gut 20 Jahre. Jetzt frage ich mich: Ist dieser Sektor für ein gefördertes Altersvorsorgedepot überhaupt sinnvoll, oder ist das noch zu spekulativ?
Mir ist bewusst, dass Rohstoff-ETFs generell höhere Kosten haben, aber ich finde den Gedanken interessant, gezielt in Materialien zu investieren, die für die Energiewende benötigt werden. Platin ist z.B. seit Jahren relativ günstig – ist das eine Chance oder eine Falle?
Was denkt ihr: Lohnt sich ein kleiner Baustein mit Wasserstoff-relevanten Rohstoffen im Depot, oder sollte ich das lieber lassen und mich auf breit gestreute ETFs konzentrieren? Bin gespannt auf eure Einschätzungen, gerade weil das Thema gefühlt immer noch unterschätzt wird.
Paar Gedanken dazu: ETFs auf Platin oder Platingruppen-Metalle (also inkl. Palladium, Rhodium etc.) gibt es, aber die TER ist oft nicht ohne. Hab letztens mal geschaut, da waren manche über 0,5% nur fürs Halten. Für ein gefördertes Depot, wo man ja sowieso schon auf die Kostenstruktur achten sollte, ist das nicht ideal.
Zur Wasserstoff-Infrastruktur generell: Die Nachfrage für Elektrolyseure – da wird Iridium gebraucht – ist real, aber die Mengen sind noch überschaubar. Das wird ein langsames Wachstum, kein Boom. Für 20 Jahre Haltedauer könnte das trotzdem aufgehen, ich würde nur die Erwartungen nicht zu hoch hängen.
Ich beschäftige mich viel damit, was 2027 überhaupt an zugelassenen Produkten verfügbar sein wird – da ist noch einiges unklar, wie ich auch hier im MiFID-Thread diskutiert habe. Rohstoff-ETFs könnten da nochmal ein eigenes Thema werden.
Ich muss sagen, ich lese hier viele kluge Einschätzungen, aber ich sehe das als jemand der schon ein paar Jahrzehnte Börsenerfahrung hat etwas nüchterner: Ich war dabei als man uns gesagt hat, Solarenergie-Rohstoffe werden explodieren, dann Lithium, dann seltene Erden. Manches hat gestimmt, vieles nicht im erhofften Maße.
Wasserstoff wird kommen, da bin auch ich überzeugt. Aber der Zeitpunkt und das Ausmaß – das ist schlicht nicht vorhersehbar. Und fürs Altersvorsorgedepot, also Geld das ich wirklich brauche, würde ich auf solche Wetten verzichten oder sie sehr, sehr klein halten. Ein breit gestreuter Welt-ETF hat mich über Jahrzehnte nie enttäuscht. Rohstoffe als kleines Sahnehäubchen – von mir aus. Aber bitte nicht mehr als das.
Ich finde die Frage nach dem Timing interessant, also ob jetzt der richtige Einstiegszeitpunkt wäre. Platin notiert tatsächlich deutlich unter seinen historischen Hochs, aber das allein ist kein Kaufargument – es könnte auch noch Jahre so bleiben oder weiter fallen.
Was mich außerdem beschäftigt: Im geförderten Altersvorsorgedepot geht es ja eigentlich um möglichst sichere, langfristige Altersvorsorge. Da frage ich mich, ob stark schwankende Rohstoffpositionen überhaupt gut dazu passen, oder ob man sie im regulären Depot besser aufhebt. Hast du das schon überlegt, Matthias79? Also die Frage, welchen Teil deiner Gesamtanlage du über das geförderte Depot abwickelst und was du daneben hältst?
Ohne diese Gesamtbetrachtung würde ich keine Entscheidung über solche Beimischungen treffen. Die Förderung ist nett, aber sie rechtfertigt kein erhöhtes Risiko, das nicht zu deinem Gesamtkonzept passt.
Interessante Frage. Ich hab mich damit auch schon befasst, gerade weil ich überlegt habe, ob Rohstoffbausteine überhaupt ins geförderte Depot passen. Meine Einschätzung: Platin ist tatsächlich spannend, aber das Problem ist die Nachfragestruktur. Ein großer Teil der Platinnachfrage kommt historisch aus Diesel-Katalysatoren – der Markt verschiebt sich zwar Richtung Brennstoffzellen, aber das dauert noch. Für einen 20-Jahres-Horizont könnte das aufgehen, aber es bleibt ein Wette auf eine bestimmte Technologie.
Was mich bei Iridium abschreckt: Kaum liquide, extrem dünn gehandelt, und es gibt meines Wissens keinen vernünftigen ETF dafür. Das wäre dann eher Direktinvestment in Minenwerte, was nochmal ein anderes Risikoprofil ist.
Ich habe mich damals schon beim Thema Berufseinsteiger und Depotstruktur gefragt, wie viel Spezialisierung in einem geförderten Depot wirklich Sinn macht – mein Fazit war: maximal 5-10% für solche Satelliten, der Rest breit gestreut. Sonst frisst die Komplexität den Vorteil der Förderung auf.