Moin zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiv mit dem neuen Altersvorsorgedepot und überlege, welche Rohstoffkomponente ich dort einbauen will. Öl ist dabei mein Hauptthema – nicht weil ich ein riesen Fan fossiler Energieträger bin, aber die Preisentwicklung der letzten Monate finde ich interessant und ich glaube, dass Öl noch für eine gute Weile relevant bleibt, auch wenn alle von der Energiewende reden.
Meine konkrete Frage: Gibt es irgendwelche Einschränkungen bei der Förderung im neuen Depot, wenn man Öl-ETFs oder Energie-ETFs mit hohem Ölanteil kauft? Also sagt der Gesetzgeber da irgendwas zu ESG-Kriterien oder ähnlichem? Ich hab gehört, dass manche Anbieter keine fossilen Investments im Altersvorsorgedepot erlauben wollen – stimmt das?
Ich denke gerade konkret an sowas wie einen Energie-Sektor-ETF mit starker Gewichtung in Öl-Majors (Shell, BP, Chevron usw.). Oder wäre es sinnvoller, das über einen breit gestreuten Rohstoff-ETF zu machen, der Öl unter anderem enthält?
Noch ne Randbemerkung: Gerade im Sommer merkt man ja wie verrückt die Energiepreise schwanken – Diesel, Heizöl, Klimaanlage läuft auf Hochtouren – das bestärkt mich eigentlich, da mal investiert zu sein.
Wer hat da Erfahrung oder Infos zum gesetzlichen Rahmen ab 2027? Danke!
Also ich hab mich da auch ein bisschen eingelesen. Stefan hat das gut zusammengefasst – keine gesetzliche ESG-Pflicht, aber Anbieterpolitik kann das einschränken.
Was mich bei deiner Frage mehr interessiert: Ein reiner Öl-Sektor-ETF ist halt ziemlich klumpenrisiko-lastig. Ich bin ja eher der Typ, der auf breite Streuung setzt, hab das auch im ETF-Thread mal diskutiert. Für ein gefördertes Altersvorsorgedepot mit 25+ Jahren Laufzeit würd ich persönlich Öl eher über einen MSCI World Energy oder einen breiteren Commodities-ETF abbilden als über einen reinen Öl-Play. Die Ölmajors stecken im MSCI World ohnehin schon drin – das reicht für viele schon als Exposure.
Kurz und knapp zur Förderfrage: Nein, der Gesetzgeber schreibt keine ESG-Mindeststandards vor. Das ist Anbietersache. Wer einen Anbieter wählt, der explizit keine fossilen Energieträger im Depot erlaubt, hat Pech – wer einen flexibleren wählt, kann das abbilden.
Zur Investmentfrage selbst: Ich würde Öl-Investments im geförderten Depot grundsätzlich mit Vorsicht angehen. Nicht weil Öl kurzfristig irrelevant ist – das ist es nicht, der Sommer zeigt das ja gerade wieder sehr schön mit den Energiepreisen. Aber das geförderte Depot ist ein Langfristvehikel. Und auf 25-30 Jahre ist die Transition weg von fossilen Energieträgern ein echtes strukturelles Risiko, das man einpreisen muss. Das heißt nicht 'nicht investieren', aber es heißt 'klein halten und regelmäßig hinterfragen'. Ein breiter Energie-ETF mit erneuerbaren Anteilen könnte da ein guter Mittelweg sein – falls der Anbieter das listet.
Gute Frage, die ich mir auch schon gestellt hab. Zum gesetzlichen Rahmen: Das Altersvorsorgereformgesetz 2027 schreibt meines Wissens keine expliziten ESG-Kriterien für die förderfähigen Produkte vor. Das heißt, ein Anbieter darf grundsätzlich auch Energie-ETFs mit Öl-Exposure im Altersvorsorgedepot anbieten, solange die anderen Produktanforderungen (Kostendeckel, Verfügbarkeit im Rentenalter usw.) erfüllt sind. Einige Anbieter schließen fossile Investments allerdings freiwillig aus ihrem Produktangebot aus – das ist deren eigene Entscheidung, keine gesetzliche Pflicht.
Was den Unterschied Sektor-ETF vs. breiter Rohstoff-ETF angeht: Ein reiner Energie-Sektor-ETF hat natürlich ein konzentrierteres Risikoprofil. Ich hab mich mit ähnlichen Überlegungen beschäftigt, als ich grundsätzlich klären musste, ob ich das Depot überhaupt nutzen kann. Der Produktrahmen lässt da einiges zu – aber welcher Anbieter welche ETFs konkret listet, wird sich erst 2027 zeigen.
Zum rechtlichen Teil: Stefan und Werner haben das korrekt dargestellt. Keine gesetzlichen ESG-Vorschriften im Altersvorsorgereformgesetz. Was allerdings gilt: Produkte müssen grundsätzlich transparent und standardisiert sein – ein hochspezialisierter Öl-Futures-ETC zum Beispiel dürfte problematischer sein als ein klassischer Aktien-ETF auf Öl-Majors. Da kommt's drauf an wie das Produkt strukturiert ist.
Ein Punkt den ich noch ergänzen möchte: Wenn man in Öl über den Aktienweg geht (also Shell, BP etc. via Sektor-ETF), hat man zusätzlich zum Ölpreis-Exposure auch Unternehmensrisiken und Dividendenpolitik dabei. Das ist anders als ein reiner Rohstoffpreis-Play. Für ein langfristiges Altersvorsorgedepot halte ich das aber für den vernünftigeren Weg – reine Rohstoff-Futures mit Rollkosten und Lagergebühren sind auf lange Sicht oft ein Renditekiller. Die Kostenfrage ist ja beim Altersvorsorgedepot ohnehin zentral, ich hab mich mit dem Kostendeckel schon auseinandergesetzt – da muss man genau hinschauen welche Kosten draufkommen.