Hallo zusammen,
ichbin gerade dabei, mich intensiver mit dem neuen Altersvorsorgedepot ab 2027 zu beschäftigen – nutze den Sommer gerade, um Sachen zu recherchieren, die ich sonst immer vor mir herschiebe.
Jetzt bin ich bei den Versicherungsprodukten hängengeblieben, speziell bei den sogenannten hybriden Rentenversicherungen, die ja angeblich das Beste aus zwei Welten vereinen sollen: Ein Teil läuft in Fonds (ETFs oder aktiv gemanagte), der andere Teil steckt in einem klassischen Deckungsstock mit Garantie.
Meine Frage: Wie entscheide ich, welche Aufteilung für mich passt? Ich bin Ende 20 und habe noch mindestens 35+ Jahre bis zur Rente. Intuitiv würde ich sagen, bei so langem Horizont brauche ich eigentlich kaum Garantie – aber andererseits ist so eine Versicherung ja auch ein Schutz gegen meine eigene Ungeduld oder Panikverkäufe in Krisen.
Außerdem: Macht eine solche Hybridpolice im Rahmen des neuen AVD überhaupt Sinn im Vergleich zu einem reinen ETF-Depot? Oder zahle ich bei der Versicherungslösung einfach drauf, weil da noch Versicherungskosten draufkommen? Ich find die Kostenfrage da echt undurchsichtig.
Freue mich über Erfahrungen oder Meinungen – auch wenn jemand davon komplett abrät!
Ehrlich gesagt bin ich skeptischer als die anderen hier. Klar klingt "Garantie plus Fonds" erstmal gut. Aber mal konkret: die Garantie bezieht sich meistens nur auf die eingezahlten Beiträge, nicht auf irgendeine Rendite. Das ist kein Geschenk, das ist nur die Nulllinie. Und dafür zahlst du dauerhaft mehr Kosten.
Ich hab mich hier im Forum schon öfter gefragt, ob man mit dem neuen AVD wirklich noch aufholen kann wenn man spät anfängt – und da ist jede Kostenbremse Gift. Kann man mit 2027er Depot überhaupt noch aufholen bei hohen Lücken? Bei dir mit fast 40 Jahren Laufzeit isses nochmal krasser – da kostet Garantie sehr sehr viel.
Wenn du wirklich Bedenken wegen Krisen hast, dann halt einfach einen kleinen Puffer als Tagesgeld. Das ist transparenter und günstiger als ein eingebetteter Garantietopf.
Gute Frage, und die Kostenseite ist tatsächlich der entscheidende Punkt. Ich hab mich damit intensiv beschäftigt, weil ich auch gemerkt hab, dass bei Versicherungsprodukten vieles im Kleingedruckten steckt – Ausgabeaufschläge, Verwaltungskosten, Stückkosten... das summiert sich. Ich hatte das in einem anderen Thread schonmal angesprochen: Kostenfallen beim Altersvorsorgedepot: Was steht nicht im Preisverzeichnis?
Bei Hybridpolicen kommt zur normalen ETF-Kostenstruktur noch der Versicherungsmantel drauf. Je nach Anbieter sind das 0,2% bis 0,5% zusätzlich pro Jahr – bei 35 Jahren Laufzeit ein enormer Unterschied zum reinen Depot.
Der Argument mit dem "Schutz vor Panikverkäufen" ist psychologisch valide, aber das lässt sich auch anders lösen, z.B. durch automatische Sparpläne ohne manuellen Zugriff im Alltag. Ich wäre bei Hybridpolicen sehr kritisch und würde erst sehr genau die Gesamtkostenquote (TER + Versicherungskosten + ggf. Abschlusskosten) prüfen, bevor ich mich entscheide.
Kurze Ergänzung noch: Das neue AVD ab 2027 ist primär als Depot konzipiert, Versicherungsprodukte können aber auch zertifiziert werden wenn sie die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Da lohnt sich nochmal genau hinschauen, ob die jeweilige Hybridpolice tatsächlich AVD-fähig ist und die staatliche Zulage gibt – das ist nicht automatisch so.
Als jemand der sich viel mit Beratungsqualität beschäftigt hat (und da leider öfter enttäuscht wurde), würde ich dir empfehlen: Lass dir von jedem Anbieter ein schriftliches Angebot mit ausgewiesener Effektivkostenquote geben. Das ist seit den Reformen Pflicht. Dann kannst du Äpfel mit Äpfeln vergleichen.
Zur eigentlichen Frage: Bei deinem Alter und Horizont würde ich den Garantieanteil so niedrig wie möglich halten – 10 bis 15% maximal. Der Garantieanteil kostet Rendite, weil er in konservative Anlagen fließt. Bei 35+ Jahren spielt die Schwankung keine große Rolle, der Zinseszinseffekt ist viel wichtiger.
Die Hybridpolice kann trotzdem sinnvoll sein, wenn du die steuerliche Behandlung in der Rentenphase mitdenkst. Im Versicherungsmantel ist die Auszahlung (unter bestimmten Bedingungen) günstiger besteuert als ein reines Depot. Das sollte aber ein Steuerberater für dich durchrechnen, nicht ich.