Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiv damit, meine bestehende Riester-Rentenversicherung aufzulösen und die Mittel stattdessen ab 2027 in ein gefördertes Altersvorsorgedepot mit ETF-Portfolio zu investieren. Ich bin 47, angestellt, und habe den Riester-Vertrag seit ca. 2009 laufen. Der Vertrag läuft bei einer klassischen Versicherungsgesellschaft, hat über die Jahre gut Zulagen kassiert (zwei Kinder), aber die laufenden Kosten fressen einen erheblichen Teil der möglichen Rendite. Wenn ich mir die Ablaufleistungsprognosen anschaue und die realen Renditen nach Kosten gegenrechne, bin ich wirklich skeptisch, ob das so weitergeht.
Meine Fragen:
1. Was passiert mit den bereits erhaltenen Zulagen, wenn ich den Riester-Vertrag kündige oder ruhend stelle? Muss ich alles zurückzahlen?
2. Ist es sinnvoller, den Vertrag einfach beitragsfrei zu stellen und parallel ab 2027 das neue AVD zu besparen, oder komplett kündigen?
3. Hat jemand schon konkret gerechnet, wie groß der Kostenunterschied zwischen einer klassischen Rentenversicherung und einem ETF-basierten AVD sein kann?
4. Gibt es steuerliche Fallstricke beim Wechsel, auf die ich achten muss?
Nicht dass ich das jetzt schon umsetzen kann – aber ich nutze den Sommer, um mich darauf vorzubereiten, damit ich Anfang 2027 direkt handlungsfähig bin. Über konkrete Erfahrungen oder Rechenbeispiele würde ich mich sehr freuen.
Das ist eine Frage, die ich mir in meinem Alter (ich bin Jahrgang 52, also schon etwas weiter im Leben) auch schon gestellt habe. Bei Riester ist die Sache mit den Zulagen tatsächlich ein Knackpunkt: Wenn du kündigst, musst du alle staatlichen Zulagen UND die Steuervorteile aus dem Sonderausgabenabzug zurückzahlen. Das kann je nach Laufzeit und Kinderzulagen ein ganz schöner Betrag sein. Beitragsfrei stellen ist da oft die deutlich schonendere Variante – die Zulagen bleiben dir erhalten, der Vertrag läuft einfach ohne neue Einzahlungen weiter.
Ich hab das damals in einem anderen Zusammenhang auch überlegt, als ich mich mit dem Thema früher Start beschäftigt hab (siehe auch mein Beitrag zu Altersvorsorgedepot mit 20+ Jahren bis zur Rente - lohnt der frühe Start?). Der Gedanke, parallel zwei Vorsorgewege zu fahren, ist nicht unbedingt schlecht, aber man muss schauen, ob man sich das finanziell leisten kann.
Zur Kostenfrage: Der Unterschied zwischen einer klassischen RV (oft 1,5-2,5% Gesamtkostenquote) und einem ETF-Portfolio mit 0,1-0,2% TER ist erheblich. Über Jahrzehnte macht das wirklich viel aus.
Ich hab mich im ETF-Kosten-Thread hier schon viel damit beschäftigt – Frank hat das oben eigentlich gut zusammengefasst. Was ich noch ergänzen würde: Vergleich auch die Rentengarantiezeit und die Verrentungskonditionen deines Riester-Vertrags. Manchmal sind die Konditionen für die spätere Rentenphase richtig schlecht. Das ist ein oft übersehener Kostenfaktor.
Ich seh das etwas anders als Heinz oben – nicht beim Grundsatz, aber beim Vorgehen. Bei mir (Jahrgang 1952) ist das Thema Riester inzwischen durch, aber ich hab mich diesen Sommer ausgiebig mit Unterlagen beschäftigt, weil ich alles für das neue Depot vorbereiten wollte (hab den Thread dazu gestartet: Unterlagen sammeln jetzt schon im Sommer - was wird alles benötigt?).
Mein Rat: Lass dir von der Versicherung eine genaue Aufstellung machen – eingezahlte Beiträge, erhaltene Zulagen, steuerliche Vorteile. Erst dann kann man seriös rechnen, ob eine Kündigung überhaupt Sinn macht. Bei manchen Verträgen ist der sogenannte Rückkaufswert so schlecht, dass man nach Rückzahlung der Zulagen kaum noch was hat. Beitragsfrei ist da wirklich oft klüger.
Und bei zwei Kinderzulagen über viele Jahre – das addiert sich. Allein das würde ich genau durchrechnen bevor ich irgendwas unterschreibe.
Also zur Kostenfrage kann ich was beitragen. Ich hab mich da schon tiefer reingegraben, auch wegen der ETF-Diskussionen hier im Forum (u.a. beim MiFID-Thema). Eine klassische Rentenversicherung hat oft Abschlusskosten die über die ersten 5 Jahre verteilt werden, plus laufende Verwaltungskosten, plus Kosten auf die Kapitalanlage selbst. In der Summe kannst du leicht bei 1,8-2,5% Gesamtkosten pro Jahr landen.
Ein ETF-Depot mit nem günstigen World-ETF liegt bei 0,1-0,2% TER, plus eventuelle Depotgebühren. Der Unterschied über 20 Jahre ist brutal – bei 300€ Monatsrate und 6% Bruttorendite kann das locker 40.000-60.000€ Unterschied ausmachen am Ende, je nachdem welche Kosten du ansetzt.
Steuerlich: Der Wechsel selbst löst keine Steuerpflicht aus solange du nichts auszahlst. Aber die Rückzahlung von Riester-Zulagen ist ein echter Minuspunkt den man einkalkulieren muss. Beitragsfrei stellen und dann ab 2027 das AVD parallel besparen klingt pragmatisch.