Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiv mit dem neuen Altersvorsorgedepot (AVD) das ja ab 2027 starten soll und überlege schon jetzt, wie ich die Auszahlungsphase strukturieren will. Ich weiß, das klingt vielleicht etwas früh, aber ich finde es sinnvoll sich das vorher zu überlegen, damit man von Anfang an die richtige Strategie fährt.
Meine Kernfrage: Macht es mehr Sinn, mit 67 das angesparte Kapital aus dem AVD in eine klassische Sofortrente bei einer Versicherung umzuwandeln – also einmalig einzahlen und dann monatlich einen festen Betrag lebenslang bekommen? Oder wäre es klüger, das Depot einfach weiterlaufen zu lassen und monatlich selbst eine bestimmte Summe zu entnehmen?
Bei der Sofortrente reizt mich natürlich die Planungssicherheit – egal wie alt ich werde, das Geld kommt. Aber gleichzeitig frage ich mich: Was ist wenn ich früh sterbe? Dann ist das Kapital weg. Und die Versicherungskosten fress ja auch Rendite.
Bei der selbstverwalteten Entnahme bleibt das Kapital flexibel, geht auch an die Erben – aber ich könnte das Geld überleben wenn ich sehr alt werde. Das Langlebigkeitsrisiko macht mir ehrlich gesagt Sorgen.
Gibt es hier schon Leute die das durchgerechnet haben oder klare Vor/Nachteile kennen? Bin für jeden Erfahrungsbericht dankbar.
Das ist eine Frage die mich ehrlich gesagt auch umtreibt, auch wenn ich noch nicht kurz vor der Rente bin. Ich hab mich damit aber schon länger beschäftigt und würde das so einordnen:
Das Kernproblem ist eigentlich ein klassisches Absicherungsproblem. Eine Sofortrente ist im Prinzip eine Versicherung gegen das Risiko sehr alt zu werden – du zahlst einen Preis (in Form von Renditeabschlägen) dafür dass du dieses Risiko los wirst. Ob das lohnt hängt stark davon ab wie lange du tatsächlich lebst und wie hoch deine gesetzliche Rente eh schon ist.
Wenn die GRV schon einen Großteil der laufenden Kosten deckt, könnte es sinnvoll sein das AVD-Kapital flexibel zu halten und nur bei Bedarf zu entnehmen. Das gibt dir auch steuerlich mehr Spielraum. Ich hab zu dem Thema auch mal was geschrieben in Bezug auf staatliche Garantien generell – da wurde auch diskutiert ob lebenslange Absicherung durch den Staat ausreicht: EU will deutsche Garantiezusagen kippen - droht Totalumbau unserer Rente?
Kurzfazit: Wenn die gesetzliche Rente nicht reicht um laufende Kosten zu decken, spricht einiges für die Sofortrente. Wenn sie es tut, lieber flexibel bleiben.
Ich seh das ein bisschen anders als H.Weber oben – nicht grundsätzlich, aber in einem Punkt.
Die Entnahmestrategie klingt attraktiv weil man die Kontrolle behält, aber die meisten unterschätzen wie schwer es psychologisch ist in einem Börsenjahr wie 2022 dann trotzdem planmäßig zu entnehmen. Wenn der Depotstand um 20% fällt und du gleichzeitig Geld rausnimmst, kann das das Kapital schnell aufzehren – das nennt sich Sequence-of-Returns-Risiko und ist ein echtes Problem in der Praxis.
Eine Sofortrente nimmt dir genau dieses Risiko weg. Die Kosten sind real, ja – aber die "verlorene Rendite" ist ja eigentlich der Preis für die Absicherung. Das muss man fair vergleichen.
Was ich interessant finde: Das neue AVD lässt nach aktuellem Diskussionsstand ja beides zu – sowohl die Übertragung in ein Versicherungsprodukt als auch die Entnahme direkt aus dem Depot. Heißt du könntest sogar mixen: einen Teil in Sofortrente für die Grundabsicherung, den Rest flexibel lassen. Das wäre mein Ansatz.
Also ich finde die Diskussion hier gut aber ich würd gern einen praktischen Aspekt ergänzen den bisher keiner angesprochen hat: Steuern in der Auszahlungsphase.
Beim AVD wird die Entnahme ja nachgelagert besteuert – das gilt sowohl für die Sofortrente als auch für Direktentnahmen soweit ich das verstehe. Aber bei der Sofortrente hast du einen fixen monatlichen Betrag der immer versteuert wird, während du bei der Entnahme aus dem Depot in schlechten Jahren vielleicht einfach weniger entnimmst und damit die Steuerlast senken kannst. Das gibt dir in der Entnahmestrategie einen echten Hebel.
Ich hab mich mit Beratungsthemen rund ums neue System beschäftigt und festgestellt dass viele Berater genau diesen Punkt gar nicht erklären – der Fokus liegt meist auf der Ansparphase. Wer eine gute Beratung sucht, dem empfehle ich mal den Thread Beratungsqualität bei Brokern: Wer erklärt mir das neue System verständlich? – da wurde das auch diskutiert.
Unterm Strich: Für mich persönlich wäre Flexibilität in der Entnahme der stärkste Vorteil gegenüber der Sofortrente.
Hab jetzt alles gelesen und ich sag mal ehrlich: ich find das alles sehr theoretisch. Am Ende weiß doch keiner wie lange er lebt. Ich würd einfach schauen was die gesetzliche Rente hergibt und dann entscheiden ob noch ne monatliche Absicherung drüber nötig ist oder nicht. Zu viel Rechnerei für etwas das 2026 noch gar nicht existiert.