Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiver mit dem Altersvorsorgereformgesetz 2027 und versuche, die strukturellen Unterschiede zum alten Riester-Modell wirklich zu verstehen – nicht nur oberflächlich, sondern auf einer Ebene, die mir hilft, fundierte Entscheidungen zu treffen.
Bei Riester hatte man ja diesen Garantiemechanismus: Eingezahlte Beiträge plus Zulagen mussten zum Rentenbeginn zu 100% erhalten sein. Das hat die Anbieter dazu gezwungen, konservativ zu investieren, was die Rendite massiv gedrückt hat. Dazu kamen die berühmten Kostenwusteln bei vielen Verträgen.
Beim neuen Altersvorsorgedepot scheint das Prinzip grundlegend anders zu sein – zumindest soweit ich es bisher verstehe. Aber ich tue mich schwer damit, die wesentlichen Stellschrauben klar zu benennen. Ein paar konkrete Fragen:
1. Fällt die Beitragsgarantie komplett weg, oder gibt es sie in anderer Form noch?
2. Wie ändert sich die Förderlogik – Grundzulage statt Sonderausgabenabzug als Hauptmechanismus?
3. Welche Konsequenzen hat das für Effektivkosten, wenn man z.B. einen günstigen ETF wählt statt eines klassischen Versicherungsprodukts?
Mich interessiert besonders der Punkt mit den Effektivkosten, weil da beim Riester oft 1,5–2% oder mehr im Jahr verlorengingen. Wenn das neue Modell wirklich auf ETF-Basis funktioniert, müsste die Kostenschraube deutlich anders aussehen.
Freue mich über sachliche Einschätzungen, gerne auch kritische!
Ich versuch mal die drei Fragen direkt zu beantworten, weil ich das aus der Beratungspraxis kenne:
**Zur Beitragsgarantie:** Die klassische 100%-Beitragsgarantie wie im alten Riester-Recht ist im neuen Modell nicht mehr vorgesehen. Das ist bewusst so gewählt, um die Renditechancen zu verbessern. Anbieter können freiwillig garantieähnliche Produkte anbieten, aber das wäre dann ein Produktmerkmal, keine gesetzliche Pflicht. Genau dazu hatte ich übrigens schon im Thread Riester kündigen oder ruhend stellen vor 2027 – was ist klüger? etwas geschrieben.
**Zur Förderlogik:** Die Grundzulage ist tatsächlich der zentrale Hebel im neuen System. Sie wirkt unabhängig vom Grenzsteuersatz, was sie für Geringverdiener deutlich attraktiver macht als der frühere Sonderausgabenabzug. Der hat bei niedrigen Einkommen oft gar nichts gebracht.
**Zu den Effektivkosten:** Das ist der entscheidende Punkt für langfristigen Vermögensaufbau. Ohne Garantiekosten-Overhead und mit direktem ETF-Zugang sind die Effektivkosten potenziell dramatisch niedriger. Allerdings: Das hängt stark vom gewählten Anbieter und Produkt ab. Günstige ETF-Depots und teure Bankprodukte gibt es beide im neuen System.
ich versuchs mal kurz zu erklären wie ichs verstanden hab (bin auch noch relativ neu im Thema):
Bei Riester: Versicherung/Bank muss dein Geld am Ende garantiert zurückgeben → die legen also sehr sicher an → kaum Rendite, dafür hohe Kosten für die Garantie. Außerdem gabs diese Zulagenanträge, die viele gar nicht richtig gestellt haben und dann Geld liegengelassen haben.
Beim neuen Depot ab 2027: Kein Garantiezwang mehr (soweit ich weiß), du kannst direkt in ETFs investieren, und die Grundzulage kommt automatischer. Das find ich ehrlich gesagt viel verständlicher als das alte System, wo ich bei Riester nie so richtig durchgeblickt hab was da eigentlich passiert mit meinem Geld.
Ich hab mich im Forum schon ein bisschen mit der Grundzulage beschäftigt, das scheint der Kernmechanismus zu sein statt dem komplizierten Sonderausgabenabzug. Mal abwarten wie das ab 2027 genau umgesetzt wird – ich steh ja noch am Anfang und hab Zeit.
Wenn jemand weiß ob man die Zulagen auch rückwirkend beantragen kann falls man vergisst – das wäre auch spannend zu wissen!
Kurz aus Praktiker-Sicht: Das Entscheidende für mich ist der Wegfall der Garantiepflicht kombiniert mit dem direkten ETF-Zugang. Beim Riester hat diese Konstruktion Rendite gefressen, das neue Modell gibt einem mehr Eigenverantwortung – das ist gut, aber man muss es auch nutzen und nicht einfach das teureste Produkt nehmen das der Bankberater empfiehlt.
Ich kann das aus einer anderen Perspektive ergänzen – ich hab selbst noch Riester-Erfahrungen aus den frühen Jahren, und der Vergleich ist wirklich interessant.
Das zentrale Problem bei Riester war nie die Idee, sondern die Umsetzung: Die Beitragsgarantie hat die Anbieter zu einer Asset-Allokation gezwungen, die in Niedrigzinsphasen nahezu wertlos war. Ich erinnere mich an Jahresabrechnungen, wo der Geldwertverlust durch Inflation die nominale Rendite einfach aufgefressen hat. Das war frustrierend.
Wenn das neue Altersvorsorgedepot diese Garantiepflicht tatsächlich abschafft und echte Aktien-ETF-Investments ermöglicht, dann ist das zumindest strukturell ein Schritt in die richtige Richtung. Aktien haben historisch gesehen über lange Zeiträume Inflationsschutz geboten, den festverzinsliche Anleihen oder Versicherungsprodukte einfach nicht leisten können.
Allerdings: Kein Inflationsschutz ist garantiert. Auch Aktienmärkte können real an Wert verlieren, gerade in bestimmten Dekaden. Ich wäre vorsichtig, das neue Modell schon jetzt als die große Lösung zu feiern. Schauen wir mal, wie die konkreten Auszahlungsmodalitäten ab 2027 aussehen – da liegt meiner Meinung nach noch viel im Unklaren.