Hallo zusammen,
ich bin 26, Grafikdesignerin, und versuche gerade zu verstehen, wie das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 eigentlich konkret funktioniert. Riester hatte ich nie abgeschlossen, weil mir das schon immer zu kompliziert und intransparent vorkam – und jetzt wo das quasi ausläuft, möchte ich von Anfang an beim neuen System dabei sein.
Mich verwirrt aber noch der Unterschied zwischen dem sogenannten Standarddepot und einem Entnahmeplan. Ich lese überall diese Begriffe, aber so richtig klar wird mir nicht: Ist das Standarddepot einfach das normale geförderte Depot, in das ich einzahle, und der Entnahmeplan kommt dann erst später im Rentenalter ins Spiel? Oder muss ich da schon beim Einstieg festlegen, wie ich später auszahlen will?
Und was bedeutet das für jemanden wie mich, der gerade erst anfängt? Ich habe kein riesiges Budget, vielleicht 80–100€ im Monat, und ich will nicht in ein System einsteigen, das ich in 40 Jahren nicht mehr ändern kann. Flexibilität ist mir wichtig, gleichzeitig will ich natürlich die staatliche Förderung mitnehmen.
Hat hier jemand schon tiefer in die Materie geschaut und kann das in verständlichen Worten erklären? Und gibt es Tipps, worauf man als Berufseinsteiger beim Einstieg besonders achten sollte, bevor man im Januar 2027 losstartet?
Danke schon mal!
Kurze Ergänzung von mir: Die nachgelagerte Besteuerung, die beim Altersvorsorgedepot gilt, ist für jemanden in deinem Alter eher ein Vorteil – du zahlst jetzt in einer Phase ein, wo dein Grenzsteuersatz vielleicht noch nicht so hoch ist, und versteurst die Auszahlungen später. Ob das dann wirklich günstiger ist hängt natürlich von deiner Situation im Rentenalter ab. Aber das Grundprinzip ist solide.
Hi Lisa-Weber,
gute Frage, das wird tatsächlich häufig durcheinandergebracht. Kurz erklärt: Das Standarddepot ist erstmal das Basismodell – du eröffnest ein gefördertes Altersvorsorgedepot, zahlst ein, und die staatliche Zulage wird dir proportional zu deinem Beitrag gutgeschrieben. Sprich: Je mehr du einzahlst (bis zum jährlichen Höchstbetrag), desto mehr Förderung bekommst du.
Der Entnahmeplan ist dann die Auszahlungsseite, die wird erst im Rentenalter relevant. Du musst das jetzt beim Einstieg nicht festlegen – das Gesetz sieht vor, dass du in der Ansparphase flexibel bleibst. Was du aber beachten solltest: Das angesparte Guthaben ist zweckgebunden für die Altersvorsorge, d.h. vorzeitige Entnahmen führen zur Rückzahlung der Förderung.
Für deinen Fall mit 80–100€ monatlich ist das absolut sinnvoll. Bei der beitragsproportionalen Förderung profitierst du auch mit kleineren Beträgen – du bekommst nicht weniger Förderung pro eingesetztem Euro nur weil du nicht den Maximalbetrag einzahlst. Ich hab dazu auch was im Thread Riester kündigen oder ruhend stellen vor 2027 – was ist klüger? geschrieben, ist zwar Riester-fokussiert, aber der Systemvergleich hilft vielleicht.
Ich bin zwar schon in der Rentenphase und schaue die Sache von der anderen Seite an, aber vielleicht hilft meine Perspektive trotzdem.
Der Entnahmeplan ist tatsächlich das, worüber man sich 40 Jahre lang kaum Gedanken macht – und dann steht man plötzlich davor und muss entscheiden, wie man das angesparte Kapital strukturiert abzieht. Ich beschäftige mich gerade intensiv damit, weil die steuerliche Seite in der Auszahlungsphase nicht trivial ist. Nachgelagerte Besteuerung klingt erstmal gut, aber man muss schauen wie sich das mit anderen Rentenanteilen zusammenaddiert.
Für dich als Berufseinsteigerin ist der wichtigste Tip: Fang an. Wirklich. Der Zinseszinseffekt über 40 Jahre ist das stärkste Argument überhaupt. Ob du dann Standarddepot A oder B nimmst ist deutlich weniger entscheidend als der Zeitpunkt des Einstiegs. Das hab ich damals leider erst spät verinnerlicht.
Ich würde noch einen praktischne Hinweis ergänzen: Schau dir vor Januar 2027 schon mal an, wie das ZfA-Verfahren für die Zulagebeantragung läuft. Bei Riester lief das oft automatisch über den Arbeitgeber, beim neuen Depot könnte das anders organisiert sein – da bin ich selbst noch am recherchieren, weil ich aus der Selbständigkeit komme und das früher gar kein Thema war.
Aber grundsätzlich: 80-100€ im Monat klingt nach wenig, ist aber ein guter Anfang. Wichtig ist einfach loszulegen und dann den Betrag anzupassen wenn sich das Gehalt erhöht. Den Fehler, ewig abzuwarten bis man den perfekten Plan hat, hab ich selbst gemacht – kostet einen am Ende mehr als jede Kostenoptimierung.