Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit ein paar Wochen intensiv damit, wie ich das neue Altersvorsorgedepot 2027 nicht nur in der Ansparphase, sondern vor allem in der Auszahlungsphase optimal strukturieren kann. Die meisten Threads hier drehen sich um den Einstieg, aber mich interessiert eigentlich das Ende der Laufzeit genauso stark.
Konkret: Ich vergleiche gerade verschiedene ETF-Strategien und überlege, ob ein selbstverwalteter Entnahmeplan langfristig sinnvoller ist als die Verrentungsoption. Beim Entnahmeplan habe ich mehr Kontrolle und Flexibilität, trage aber das Langlebigkeitsrisiko selbst. Bei der lebenslangen Rente gebe ich Kapital ab, habe dafür aber Planungssicherheit.
Was mich dabei besonders beschäftigt:
- Gibt es Tools oder Rechner, die speziell für das neue Depot 2027 die Entnahmephase simulieren?
- Wie modelliert ihr die Sequenzrisiken bei einem ETF-Entnahmeplan realistisch? Klassische 4%-Regel oder eher dynamische Entnahmestrategien?
- Hat jemand schon verglichen, wie sich verschiedene Asset-Allokationen auf die nachhaltige Entnahmerate auswirken, speziell unter deutschen Steuer- und Förderungsbedingungen?
Ich bin noch in der Analysephase, also kein konkreter Abschluss geplant – erst mal systematisch durchrechnen. Freue mich über Erfahrungen und Meinungen, auch wenn ihr eine komplett andere Herangehensweise bevorzugt.
Markus
Interessantes Thema, das ich aus einer etwas anderen Perspektive sehe. Ich habe mich im Kontext meiner Immobilienarbeit auch mit der Frage beschäftigt, ob Entnahmeplan oder Verrentung – und ehrlich gesagt bin ich skeptisch gegenüber dem reinen ETF-Entnahmeplan für den Durchschnittssparer.
Das Sequenzrisiko wird meiner Meinung nach in den meisten Online-Rechnern massiv unterschätzt. Wer mit 67 in eine Baisse startet und gleichzeitig entnimmt, kann sein Depot in 10-15 Jahren deutlich schneller aufzehren als jedes Simulationsmodell zeigt – weil die Modelle mit Durchschnittsrenditen rechnen, nicht mit dem konkreten Renditereihenfolge-Pech.
Für mich persönlich ist das Depot 2027 eher ein Baustein neben anderen, kein Alleinstellungsmerkmal. Ich hab das neulich auch im Thread zu Faktor-ETFs für 30 Jahre Laufzeit angemerkt – langfristige Strategien klingen gut, aber die Auszahlungsphase ist ein völlig anderes Risikoprofil als die Ansparphase.
Dynamische Entnahmestrategien wie Guyton-Klinger finde ich theoretisch eleganter als die starre 4%-Regel, aber ob das mit deutschen Steuerbedingungen so einfach modellierbar ist, bezweifle ich.
Ich muss ehrlich sagen, für mich ist das noch ein Stück weit Zukunftsmusik – ich fokussiere mich gerade mehr auf die Ansparphase und wie ich den Berufseinsteigerbonus für meine Schwester optimal nutzen kann.
Aber zum Thema Entnahmeplan vs. Rente: Ich hab mich rudimentär damit beschäftigt, und mein Bauchgefühl sagt mir, dass die wenigsten Leute einen Entnahmeplan wirklich diszipliniert durchhalten, wenn die Märkte crashen. Die psychologische Komponente wird in solchen Analysen fast immer ausgeblendet. Du rechnest das sehr systematisch durch – hast du da Tools gefunden die wirklich die deutschen Förderbeträge in die Nettoberechnung einbeziehen? Das würde mich auch für später interessieren.
Kurze Antwort: Tools, die speziell das AVD 2027 mit Förderung und deutscher Kapitalertragsteuer in der Entnahmephase kombinieren, gibt es meines Wissens aktuell noch nicht – zumindest nichts Belastbares. Ich hab in meinem Thread zu maximaler Förderung festgestellt, dass schon die Ansparphase kaum ein Rechner korrekt abbildet. Für die Entnahme baue ich mir das deshalb selbst in einer Tabelle nach – Annahmen zu Steuerfreistellung, Teilfreistellung bei ETFs, Entnahmerate dynamisch angepasst an tatsächliche Depotentwicklung. Ist aufwendig, aber ich trau keinem Fertigrechner blind. Die 4%-Regel ist für US-Verhältnisse kalibriert, für Europa und deutsche Steuer solltest du eher mit 3 bis 3,5% rechnen als konservativer Ausgangspunkt.