Hallo zusammen,
ich hab vor ein paar Monaten einen größeren Anteil meines geplanten Altersvorsorgedepots in Rentenfonds investiert, weil die Kurse gut aussahen. Jetzt lese ich überall, dass die Zinsen wahrscheinlich weiter steigen werden und Anleihen dann fallen könnten.
Meine konkrete Frage: Wann macht es Sinn umzuschichten? Soll ich jetzt schon raus aus den langfristigen Rentenfonds und mehr in kurze Laufzeiten? Oder erst abwarten bis die EZB tatsächlich erhöht?
Ich hab hauptsächlich einen europäischen Staatsanleihen-ETF (ca. 40% vom Depot) und einen gemischten Unternehmensanleihen-Fonds. Duration liegt so bei 8-10 Jahren durchschnittlich. Bei steigenden Zinsen müsste das ja ordentlich nach unten gehen.
Habt ihr schon umgeschichtet? Ich will nicht zu früh reagieren, aber auch nicht zu spät wenn es richtig bergab geht. Das Depot soll ja bis 2027 erstmal so laufen und dann in die neue Förderung übertragen werden.
Danke schonmal für eure Einschätzungen!
Das Timing ist immer schwierig bei sowas. Grundsätzlich hast du recht - bei steigenden Zinsen leiden langfristige Anleihen mehr als kurze. Duration von 8-10 Jahren ist schon ordentlich zinsempfindlich.
Mein Ansatz wäre schrittweise umschichten, nicht alles auf einmal. Vielleicht erstmal die Hälfte des Staatsanleihen-ETFs in einen mit 2-5 Jahren Laufzeit tauschen? Dann bist du flexibler wenn die Zinsen tatsächlich weiter steigen, verlierst aber nicht alles wenn sie doch erstmal stabil bleiben.
Bei Grundfehlern beim Depot hatte ich ja schon mal erwähnt, dass man nicht versuchen sollte den Markt zu timen. Aber bei Zinsen ist die Richtung meist klarer absehbar als bei Aktien.
Kann S.Bergmann89 nur teilweise zustimmen. Klar, Market-Timing ist schwierig, aber bei Anleihen sind die Zusammenhänge nunmal eindeutiger als bei Aktien.
Ein Kompromiss könnte sein: Barbell-Strategie. Also sehr kurze Laufzeiten (1-3 Jahre) kombiniert mit sehr langen (15+ Jahre). Die kurzen für Flexibilität, die langen für Rendite falls die Zinsen doch nicht so stark steigen. Mittlere Laufzeiten haben oft das schlechteste Chance-Risiko-Verhältnis.
Jetzt im Sommer wär auch ein guter Zeitpunkt für solche Umschichtungen, bevor im Herbst eventuell mehr Bewegung in die Zinspolitik kommt.
Hmm, ich seh das kritisch mit dem Umschichten. Wenn alle das gleiche denken und machen, ist man oft schon zu spät dran. Die Zinsfantasie könnte auch schon in den Kursen drin sein.
Außerdem: 8-10 Jahre Duration bedeutet auch entsprechende Rendite wenn die Zinsen eben NICHT steigen oder sogar wieder fallen. Market-Timing funktioniert selten so wie geplant, selbst bei scheinbar logischen Zusammenhängen wie Zinsen und Anleihen.
Ich würd bei der ursprünglichen Allokation bleiben und höchstens bei Neuinvestitionen andere Laufzeiten wählen.
Ich würd nicht zu hektisch werden ehrlich gesagt. Die EZB wird auch nicht von heute auf morgen die Zinsen durch die Decke jagen. Das passiert meist schrittweise über Monate.
Eine Option wäre auch erstmal nur teilweise umschichten - so 20-30% in Geldmarkt-ETFs oder sehr kurze Laufzeiten. Dann hast du zumindest schon mal etwas Puffer und kannst schauen wie sich die Lage entwickelt.