Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade mit meinem Portfolio für das Altersvorsorgedepot und bin unsicher wegen Emerging Markets. Bisher habe ich hauptsächlich MSCI World und einen kleinen Anteil Europa, aber ich frage mich ob ein EM-ETF für die Altersvorsorge noch Sinn macht.
Mein Problem: Ich bin 36 und habe noch etwa 30 Jahre bis zur Rente. Einerseits wären das eigentlich genug Jahre um Schwankungen auszusitzen, andererseits liest man überall dass EM-ETFs deutlich volatiler sind als Industrieländer-ETFs. Bei der kurzen Laufzeit vom Altersvorsorgedepot bis 2027 wird das vermutlich eh keine große Rolle spielen, aber für die Zeit danach plane ich schon.
Was sind eure Erfahrungen? Lohnt sich ein 10-15% Anteil EM im Portfolio oder sollte man bei der Altersvorsorge eher konservativ bleiben? Gerade jetzt im Sommer wo die Märkte oft ruhiger laufen denke ich häufiger über solche Umschichtungen nach.
Freue mich auf eure Meinungen!
Mein lieber Herr Bergmann, ich bin seit über 40 Jahren an der Börse und habe schon viele Krisen miterlebt. Emerging Markets sind nichts für schwache Nerven! Asienkrise 1997, Russlandkrise 1998, und jetzt die ganzen China-Probleme.
Für die Altersvorsorge rate ich zu mehr Besonnenheit. Ein kleiner Anteil von 5-10% kann man machen, aber nicht mehr. Der MSCI World hat über lange Zeiträume solide Erträge gebracht, ohne dass man sich graue Haare wachsen lassen muss.
Besser einen ruhigen Schlaf als ein paar Prozent mehr Rendite, die man vielleicht nie sieht.
Ich hab selbst 15% EM im Depot und bereue es nicht. Ja, es schwankt mehr, aber langfristig ist das Wachstumspotenzial da. Indien, Vietnam, Brasilien - das sind die Märkte der Zukunft.
Wichtig ist nur: nicht bei jedem Crash verkaufen! Emerging Markets haben oft heftige Rücksetzer, aber wenn man durchhält wird man belohnt. Hatte ja schon mal geschrieben dass bei ETFs das Sondervermögen geschützt ist, von daher sehe ich da kein Problem.
Bei der Altersvorsorge würde ich EM-ETFs definitiv als Beimischung empfehlen, aber nicht mehr als 10-20% des Gesamtportfolios. Die höhere Volatilität ist real, aber über 30 Jahre gleicht sich das statistisch aus.
Wichtig ist die richtige Auswahl: MSCI Emerging Markets IMI oder FTSE Emerging Markets sind solide Basis-ETFs. Vermeide Sektor- oder Länder-ETFs wie reine China-Fonds - die sind noch volatiler.
Der Diversifikationseffekt ist nicht von der Hand zu weisen. Schwellenländer haben andere Konjunkturzyklen als Europa/USA. Gerade für 30 Jahre Anlagehorizont kann das Rendite bringen. Nur bei kurzer Laufzeit würde ich vorsichtiger sein.
Hallo Andreas,
interessant dass du dir auch Gedanken machst - ich habe ähnliche Überlegungen! Bin auch Ende 30 und überlege gerade meine Asset-Allocation.
Meiner Meinung nach sind 10-15% EM durchaus sinnvoll für die lange Sicht. Die Demografie in vielen Schwellenländern ist viel besser als bei uns, das Wachstumspotenzial entsprechend höher. Klar, kurzfristig kann das übel schwanken, aber bei 30 Jahren sollte das verkraftbar sein.
Ich würde nur darauf achten, dass du einen breiten EM-ETF nimmst und nicht zu stark auf einzelne Länder setzt.