Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiver damit, wie ich mein zukünftiges Altersvorsorgedepot ab 2027 aufstellen möchte. Dabei bin ich über Faktor-ETFs gestolpert – also ETFs die gezielt auf Faktoren wie Momentum, Value, Quality oder Low Volatility setzen.
Grundsätzlich klingt das verlockend: historisch haben bestimmte Faktoren den breiten Markt über lange Zeiträume geschlagen. Aber ich frage mich, ob das für eine Altersvorsorge wirklich passt. Die Faktoren laufen ja phasenweise auch deutlich schlechter als ein simpler MSCI World – teilweise über viele Jahre. Und gerade wenn man kurz vor dem Renteneintritt in so einer schwachen Phase steckt, kann das böse enden.
Meine konkreten Fragen:
- Macht es Sinn, Faktor-ETFs als Beimischung zum Kern-ETF zu nutzen, oder lieber komplett drauf verzichten?
- Welche Faktoren gelten als robuster für sehr lange Anlagezeiträume (ich plane 30+ Jahre)?
- Gibt es Erfahrungen, wie Anbieter das im Altersvorsorgedepot ab 2027 handhaben wollen? Werden solche Produkte überhaupt förderfähig sein?
Es ist Hochsommer und ich hab eigentlich Halbferienstimmung, aber das Thema lässt mich nicht los. Vielleicht denke ich auch zu kompliziert und ein simpler Welt-ETF reicht völlig aus.
Freue mich über eure Einschätzungen!
Stefan
Ich hab mich mit dem Thema auch schon auseinandergesetzt, gerade beim Einstieg in die Altersvorsorge fragt man sich natürlich ob man das Beste rausholen kann (hab dazu auch was im Thread Studienabschluss 2026: Sofort mit Altersvorsorge starten? geschrieben).
Meine ehrliche Einschätzung: Faktor-ETFs sind keine schlechte Idee, aber man muss die Erwartungen realistisch halten. Das Hauptproblem ist das sogenannte Factor Timing – niemand weiß wann Momentum oder Value wieder outperformen. Value hat z.B. von 2007 bis ca. 2020 massiv underperformt. Wenn du das durchgehalten hättest, hättest du zwar langfristig vielleicht recht bekommen, aber das ist psychologisch brutal.
Für die Förderfähigkeit ab 2027 würde ich nicht davon ausgehen dass Faktor-ETFs ausgeschlossen werden – solange es reguläre UCITS-ETFs sind, dürfte das passen. Aber das ist noch nicht final geregelt soweit ich weiß.
Mein Fazit: Wenn überhaupt, dann Faktor-ETFs max. als kleine Beimischung (10-20%), Kern bleibt ein breiter Welt-ETF. Und Quality ist meiner Meinung nach der robusteste Faktor für lange Zeiträume – weniger zyklisch als Value oder Momentum.