Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiver mit meiner Strategie für das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 und bin beim Thema Rebalancing etwas unsicher. Ich plane aktuell mit einem klassischen 80/20-Mix aus Aktien-ETFs und einem Anleihen-ETF.
Meine Fragen:
Wann sollte ich überhaupt anfangen, aktiv zu rebalancen? Macht das nur Sinn ab einer bestimmten Depotgröße oder schon von Anfang an? Und was ist besser – nach festen Zeitintervallen (z.B. einmal pro Jahr) oder lieber nach Schwellenwerten, also wenn die Gewichtung z.B. um mehr als 5% von der Zielallokation abweicht?
Ich frage mich auch, ob man beim Rebalancing im Altersvorsorgedepot steuerliche Besonderheiten beachten muss – immerhin ist das ja ein gefördertes Depot mit eigenen Regeln. Oder spielt das keine Rolle, weil die Förderung eh erst bei der Auszahlung greift?
Bin noch ziemlich am Anfang mit dem ganzen Thema, deshalb freue ich mich über praktische Erfahrungen oder auch einfach grobe Faustregeln. Komplexe Finanzmodelle muss ich nicht haben – mir geht's ums Prinzip.
Grüße
Stefan
Hi Stefan,
kurz zu den Kosten: Je nachdem welchen Anbieter du wählst, können häufige Umschichtungen tatsächlich ins Geld gehen. Ich hab mich ja schon früh mit dem Thema Anbietergebühren beschäftigt (z.B. im Thread Anbietervergleich Kosten: Wo fange ich beim Einstieg an?) und finde das oft unterschätzt.
Bei Rebalancing kommt's halt drauf an, ob dein Anbieter pro Trade abrechnet oder pauschal. Wenn du zweimal im Jahr umschichtest und dafür jedes Mal Transaktionskosten anfallen, addiert sich das über die Jahre. Ich würd deshalb eher selten rebalancen – einmal im Jahr, fester Termin, fertig. Schwellenwertstrategie klingt theoretisch eleganter, aber ehrlich gesagt sitzt man dann doch öfter drauf und überwacht das Depot regelmäßig. Das kostet Zeit, die ich z.B. im Sommer lieber anders investiere.
Und die Steuerfrage von KlausH oben ist wirklich wichtig – das sollte man klären bevor man zu oft hin und her kauft und verkauft.
Hallo Stefan,
Rebalancing ist tatsächlich ein Thema, mit dem ich mich auch schon beschäftigt habe, als ich meine ETF-Auswahl für 2027 durchdacht habe (ich hab das damals auch im Thread Welchen ETF nehme ich als Erstes – ich blick nicht durch gestreift).
Meine Einschätzung: In der Ansparphase, also wenn du regelmäßig einzahlst, kannst du das Rebalancing oft schon über die Sparraten steuern. Einfach beim monatlichen Kauf gezielt den Anteil aufstocken, der unter der Zielgewichtung liegt. Das erspart dir aktive Verkäufe – und damit potenziell unnötige Transaktionskosten.
Zur Steuer: Soweit ich das verstehe, gelten beim Altersvorsorgedepot andere Regeln als beim normalen Depot. Die Besteuerung soll ja erst bei der Auszahlung stattfinden, also sollte ein Verkauf innerhalb des Depots zum Rebalancing steuerlich zunächst neutral sein. Aber das solltest du nochmal konkret beim Anbieter nachfragen oder in den offiziellen Unterlagen zum Altersvorsorgereformgesetz nachlesen – da bin ich kein Experte.
Für den Anfang würde ich sagen: Schwellenwert von 5-10% ist eine vernünftige Faustregel. Jährliches Intervall reicht meistens völlig aus.
Einmal im Jahr reicht. Mehr muss man da nicht drüber nachdenken, solange die Abweichung nicht extrem wird.
Ich seh das etwas anders als die Vorposter hier – zumindest ein bisschen.
Die Sparraten-Methode (einfach gezielt nachkaufen) funktioniert gut, wenn das Depot noch klein ist. Aber wenn das Altersvorsorgedepot nach ein paar Jahren Laufzeit ein gewisses Volumen erreicht hat, reichen die monatlichen Sparraten nicht mehr aus, um eine starke Schieflage zu korrigieren. Dann kommt man um aktive Umschichtungen nicht herum.
Mein Tipp: Kombination aus beidem. Solange der Sparplan das hinbiegt, nichts anfassen. Aber einmal pro Jahr kurz draufschauen und bei mehr als 5-7% Abweichung gezielt ausgleichen. Das ist pragmatisch und hält den Aufwand überschaubar.
Zur Steuerfrage: ich hab bisher keine abschließende offizielle Aussage dazu gefunden, wie Umschichtungen innerhalb des Depots steuerlich behandelt werden. Das Reformgesetz ist da noch nicht in allen Details ausformuliert, soweit ich das beurteilen kann. Würd ich nicht drauf spekulieren sondern erst 2027 bei konkreten Anbieterinfos nachhaken.
Und mal ehrlich: bei der Hitze gerade ist das sowieso eher Theorie. Bis 2027 ist noch Zeit genug.