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[Gelöst] ESG-ETF für Altersvorsorgedepot 2027 – wie wähle ich wirklich nachhaltig?

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Markus K.
Beiträge: 27
Themenstarter
(@markus_k_1974)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten
[#59]

Hallo zusammen,

ich plane schon seit ein paar Monaten, mein Altersvorsorgedepot 2027 möglichst nachhaltig aufzustellen. Das Thema ESG liegt mir wirklich am Herzen – nicht nur als Trend, sondern weil ich persönlich nicht in bestimmte Branchen investieren möchte (Rüstung, fossile Energie, Tabak usw.).

Aber je mehr ich mich einlese, desto mehr Fragen tauchen auf. ESG ist ja nicht gleich ESG. Manche ETFs nennen sich nachhaltig, schließen aber kaum etwas aus. Andere filtern sehr streng und haben dann deutlich weniger Titel im Index. Und dann gibt es noch diese ganzen Labels – SRI, Paris-Aligned, Climate Transition, Best-in-Class... ich verliere langsam den Überblick.

Meine konkreten Fragen:

1. Welche ESG-Methodik ist aus eurer Sicht wirklich aussagekräftig, wenn ich ernsthaft ausschließen will was nicht zu meinen Werten passt?
2. Verliere ich mit strengeren ESG-Filtern langfristig deutlich Rendite im Vergleich zu einem normalen All-World?
3. Gibt es eurer Erfahrung nach bestimmte Anbieter (iShares, Xtrackers, Amundi usw.), die beim ESG-Screening konsequenter sind?

Es ist ja noch über ein halbes Jahr bis zur Depoteröffnung 2027 – nutze den Sommer um mich richtig einzulesen und vorzubereiten. Vielleicht hat ja jemand von euch da schon tiefer gegraben.

Danke schon mal!
Markus


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5 Antworten
Markus K.
Beiträge: 24
(@markusb-krieger)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Gute Frage, hab mich da letztes Jahr auch intensiv durch den Dschungel gearbeitet. Kurz vorab: ESG-Label allein sagt wirklich fast nichts. Der Teufel steckt im Detail der Indexmethodik.

Die grobe Unterscheidung, die mir geholfen hat: 'ESG Screened' oder 'ESG Enhanced' schließt nur das Gröbste aus (Streumunnen, direkte Kohle), lässt aber vieles durch. Deutlich strenger ist 'SRI' (Socially Responsible Investing) mit Positivauswahl und schärferen Ausschlusskriterien. Noch konsequenter dann Paris-Aligned Benchmarks (PAB) – die müssen per EU-Regulierung konkrete CO2-Reduktionspfade einhalten.

Bei Anbietern: iShares MSCI World SRI läuft schon einige Jahre und hat eine nachvollziehbare Methodik. Amundi hat mit dem MSCI World Climate Net Zero Ambition ebenfalls einen interessanten Ansatz. Xtrackers hat auch SRI-Varianten, ich find die Dokumentation da aber manchmal schwerer lesbar.

Zur Renditefrage: Langfristig ist der Unterschied zu klassischen Indizes geringer als viele denken, aber nicht null. In Phasen wo Öl & Gas stark laufen, hinken ESG-Varianten teils spürbar hinterher. Das sollte man ehrlich einkalkulieren.

Wie ich im Small Cap Thread schon angemerkt habe: Beimischungen können helfen, aber zuerst das Fundament klären.


Antwort
Nadine K.
Beiträge: 40
(@nadine_1985)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Ich find das Thema super wichtig und freu mich dass hier drüber geredet wird. Kurz zu deiner Frage nach konkreten Anbietern: Ich hab mir letztes Jahr die Indexmethodiken von MSCI SRI und FTSE4Good nebeneinander angeschaut. MSCI SRI ist in meinen Augen deutlich strenger – schließt mehr aus und hat höhere ESG-Score-Schwellen. FTSE4Good ist eher als Einstieg zu verstehen.

Was ich persönlich noch ergänzen würde: Schau dir an wie hoch der Tracking Error zum Mutterindex ist. Wenn ein ETF nur 150 statt 1600 Unternehmen enthält, ist die Diversifikation natürlich geringer. Das muss kein Problem sein, aber es ist ein Faktor den man kennen sollte besonders bei einem so langen Anlagehorizont wie beim Altersvorsorgedepot.

Ich hab beim Thema Anbieterwechsel auch schon Erfahrungen gemacht – am Ende ist es wichtig einen Broker zu wählen der die ESG-Varianten auch wirklich im Sparplan anbietet. Das klingt trivial ist aber nicht selbstverständlich.


Antwort
Heinrich67
Beiträge: 60
(@heinrich67)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Da muss ich RentenPro47 ein bisschen widersprechen, oder zumindest ergänzen. Der Artikel-8 / Artikel-9 Rahmen der EU ist hilfreich, aber er ist kein Qualitätssiegel. Es gibt Artikel-9-Fonds die in der Praxis kaum strenger sind als mancher Artikel-8. Das hat sich 2022/2023 gezeigt als viele Fonds von Artikel 9 auf Artikel 8 heruntergestuft haben – sogenanntes 'Greenwashing-Downgrading'. Das war für viele Anleger unangenehm.

Ich bin selbst schon etwas länger dabei mit Geldanlage und hab das miterlebt. Mein Rat: Schau dir die tatsächliche Fondsdokumentation an, nicht nur das Label. Der Fondsprospekt und die Indexmethodik des zugrunde liegenden Index (z.B. MSCI SRI, FTSE4Good) sind aussagekräftiger als irgendein EU-Paragraf.

Und generell: Wer wirklich konsequent nachhaltig will, kommt um etwas mehr Aufwand bei der Auswahl nicht herum. Das ist keine Kritik an deiner Frage, Markus – sondern einfach ehrliche Einschätzung nach dem was ich beobachtet habe.


Antwort
RentenPro47
Beiträge: 41
(@rentenpro47)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Ich würde hier etwas strukturierter vorgehen als die Diskussion bisher.

Die EU hat mit der Offenlegungsverordnung (SFDR) eine Kategorisierung eingeführt, die tatsächlich hilfreich ist: Artikel 8 (hellgrün, fördert Nachhaltigkeit unter anderem) vs. Artikel 9 (dunkelgrün, hat nachhaltige Investition als Ziel). Für einen konsequenten Ansatz würde ich mindestens Artikel 9 als Mindestanforderung setzen.

Zur Renditeeinbuße: Studien zeigen unterschiedliche Ergebnisse, aber in den letzten 5-10 Jahren haben viele SRI-Varianten den Standardindex nicht signifikant schlechter abgeschnitten – teils sogar besser, da Tech-lastiger. Das kann sich aber ändern.

Wichtig fürs Altersvorsorgedepot 2027 speziell: Noch ist nicht vollständig reguliert welche ETF-Typen die Anbieter anbieten werden. Ich würde die Produktpalette der Broker abwarten, bevor ich mich zu sehr auf einen bestimmten ETF festlege. Die Zeit bis Januar 2027 ist gut investiert in Recherche, aber nicht in zu frühe Festlegung.


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