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Kleine ETF-Anbieter im Altersvorsorgedepot – zu riskant?

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Marcus H.
Beiträge: 35
Themenstarter
(@marcus82)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten
[#71]

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich gerade intensiver mit der ETF-Auswahl fürs kommende Altersvorsorgedepot 2027. Als Vater von drei Kindern liegt mir natürlich die langfristige Absicherung besonders am Herzen – gerade weil die Kinderzulage ja ein wichtiger Baustein der Gesamtförderung ist und ich das Depot entsprechend sorgfältig aufsetzen möchte.

Beim Vergleich möglicher ETFs bin ich auf einige Anbieter gestoßen, die ich bisher kaum kannte – also nicht die großen Namen wie iShares oder Xtrackers, sondern kleinere Häuser mit teilweise deutlich günstigeren TERs. Das klingt erstmal verlockend, aber ich frage mich, ob das im Kontext des Altersvorsorgedepots überhaupt eine gute Idee ist.

Meine konkreten Bedenken:
- Was passiert, wenn ein kleiner ETF-Anbieter insolvent geht? Ist das Sondervermögen dann wirklich sicher?
- Sind kleinere ETFs (geringes Fondsvolumen, wenig Handelsvolumen) langfristig überhaupt stabil oder werden die irgendwann einfach geschlossen?
- Wird es beim Altersvorsorgedepot 2027 regulatorische Hürden geben, die bestimmte kleinere Anbieter gar nicht erfüllen können?
- Lohnt sich der Kostenvorteil eines kleineren Anbieters wirklich auf 30+ Jahre, oder überwiegen da irgendwann die Risiken?

Ich möchte das Depot langfristig stabil aufstellen und nicht in fünf Jahren merken, dass ich einem ETF nachlaufe, den es dann nicht mehr gibt. Habt ihr da Erfahrungen oder konkrete Einschätzungen? Besonders interessiert mich, ob jemand schon verglichen hat, ab welchem TER-Unterschied sich das wirklich lohnt.

Danke schon mal!
Marcus


4 Antworten
Heinz M.
Beiträge: 24
(@heinz_1952)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Gute Frage, Marcus. Das Sondervermögen-Argument höre ich immer wieder, und grundsätzlich stimmt es: ETF-Anbieter können pleite gehen, das Fondsvermögen selbst ist aber rechtlich getrennt und damit geschützt. Das war auch ein Thema, über das ich mich im Kontext der Garantieprodukte-Diskussion schon informiert hatte.

Das eigentliche Risiko bei kleinen ETFs ist meiner Erfahrung nach weniger die Insolvenz als die Schließung wegen zu geringem Volumen. Wenn ein Fonds dauerhaft unter einer bestimmten Grenze bleibt – manche sprechen von 50 bis 100 Millionen Euro – rechnet sich das für den Anbieter schlicht nicht mehr. Dann wird der ETF liquidiert oder mit einem anderen zusammengelegt, und man bekommt seine Anteile ausgezahlt oder getauscht. Im normalen Depot ist das nur lästig. Im Altersvorsorgedepot könnte so ein unfreiwilliger Tausch steuerliche oder förderrechtliche Folgen haben, die ich noch nicht vollständig überblicke. Das würde ich vor dem Start 2027 wirklich genau prüfen wollen.


Antwort
Werner-Hoffmann
Beiträge: 29
(@werner-hoffmann)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Sehe das etwas differenzierter als die Vorredner. Das Sondervermögen schützt Anleger tatsächlich zuverlässig – historisch hat es in Deutschland noch keinen Fall gegeben, wo Anleger durch ETF-Anbieter-Insolvenz Geld verloren haben. Das ist kein Marketingversprechen, sondern rechtliche Realität.

Die Fondsschließung ist das reale Risiko, da gebe ich Marcus Recht. Faustregel: unter 100 Millionen Euro Fondsvolumen wird's heikel, unter 50 Millionen Euro würde ich es für ein Langfrist-Depot wie das AVD 2027 vermeiden.

Was den Kostenvorteil angeht – ich hab das für mein eigenes Portfolio durchgerechnet. Bei 0,10% TER-Unterschied und 30 Jahren Anlagehorizont mit monatlich 200 Euro Sparrate ergibt sich ein Unterschied von grob 3.000-4.000 Euro je nach Renditeentwicklung. Das ist nicht nichts. Aber das rechnet sich natürlich nur, wenn der Fonds auch wirklich die 30 Jahre durchhält. Insofern: große Anbieter mit langer Track-Record sind kein Aberglauben, die bieten wirklich mehr Planungssicherheit.


Antwort
Gerhard L.
Beiträge: 25
(@gerhard62)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Kleiner Hinweis noch zur nachgelagerten Besteuerung, die mich beim AVD 2027 ja ebenfalls beschäftigt – das ist auch für die ETF-Wahl relevant: Wenn ein ETF geschlossen wird und man gezwungen ist umzuschichten, könnte das innerhalb des Altersvorsorgedepots möglicherweise anders behandelt werden als ein freiwilliger Verkauf. Ich bin da noch nicht vollständig im Bild, ob das Förderrecht solche Situationen explizit regelt. Ist ein Punkt, den ich vor 2027 noch klären will. Für kleine Anbieter spricht das jedenfalls nicht gerade.


Antwort
Stefan-Kraus
Beiträge: 33
(@stefan-kraus)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Das Thema beschäftigt mich auch, ich hab mich beim Anbietervergleich für die Depoteröffnung schon damit auseinandergesetzt.

Meine Einschätzung nach längerem Vergleich: Der TER ist nur ein Teil der Geschichte. Entscheidender ist oft der Spread beim Kauf/Verkauf, also wie liquide der ETF wirklich ist. Bei kleinen Anbietern mit niedrigem Handelsvolumen kann der Spread schon mal 0,1-0,3% betragen – pro Transaktion. Bei einem monatlichen Sparplan über viele Jahre summiert sich das schnell mehr auf als der vermeintliche TER-Vorteil.

Für das Altersvorsorgedepot 2027 würde ich außerdem drauf achten, dass der Anbieter wirklich UCITS-konform aufgestellt ist und das Domizil idealerweise in Irland oder Luxemburg liegt – das sind gängige Standards, die auch regulatorisch stabiler sind. Kleine Exoten aus weniger etablierten Domizilen würde ich meiden, auch wenn die TER verlockend ist.

Kurz gesagt: günstig ist gut, aber Stabilität und Liquidität sind beim Altersvorsorgedepot langfristig wichtiger.


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