Hey Leute,
ich bin 25 und plane schon jetzt fürs Altersvorsorgedepot 2027 – will vorbereitet sein wenn es losgeht. Ich hab in letzter Zeit einige Sparplanrechner ausprobiert und merke dass ich gar nicht so genau weiß welche Zahlen ich da sinnvoll eingeben soll, damit das Ergebnis auch halbwegs realistisch ist.
Besonders bei den ETF-bezogenen Eingaben bin ich unsicher. Klar, ich gebe Sparrate und Laufzeit ein – aber was ist mit der Renditeerwartung? Ich lese überall andere Werte, manche nehmen 5%, manche 7%, manche sogar 8% jährlich. Für einen weltweit gestreuten ETF, wie er im AVD förderfähig sein soll – was ist da realistisch über 40 Jahre?
Außerdem frage ich mich: Soll ich beim Rechner die staatliche Förderung direkt als zusätzliche monatliche Einzahlung einpflegen? Oder gibt es Rechner die das schon irgendwie integriert haben? Ich hab bis jetzt noch keinen gefunden der das wirklich gut umsetzt.
Und dann noch Kosten – TER, Transaktionskosten, Depotgebühren – manche Rechner haben da ein Extra-Feld, andere gar nichts. Wie geht ihr damit um?
Bin halt noch relativ am Anfang mit dem Thema, freue mich über jeden Hinweis. Danke!
Gute Fragen, TomStock_99. Als jemand der sich seit Monaten intensiv mit den Produktregeln des AVD 2027 beschäftigt, kann ich ein paar Punkte beitragen.
Zur Renditeerwartung: Historisch hat ein breit gestreuter Welt-ETF (MSCI World oder All World) über sehr lange Zeiträume real – also nach Inflation – etwa 4,5 bis 6% jährlich gebracht. Nominal rechnen viele mit 6 bis 7%. Für 40 Jahre Laufzeit würde ich persönlich eher konservativ mit 5,5 bis 6% rechnen, damit du keine böse Überraschung erlebst.
Zur Förderung: Die Grundzulage und eventuelle Berufseinsteiger-Boni solltest du tatsächlich als zusätzliche monatliche oder jährliche Einzahlung manuell einpflegen, weil die meisten allgemeinen Rechner das AVD 2027 noch gar nicht kennen. Ich hab das so im Thread zu Teilzeit wegen Kindern – wie plane ich das Depot 2027 trotzdem sinnvoll? schon mal skizziert – gleiches Prinzip.
Zu den Kosten: Unbedingt die TER direkt von der Rendite abziehen im Rechner, also statt 6% dann 5,8% eingeben wenn dein ETF 0,2% TER hat. Transaktionskosten bei modernen Brokern mit kostenlosen Sparplänen oft vernachlässigbar. Depotgebühren separat als jährlichen Abzug einrechnen wenn vorhanden.
Ich nutz für sowas meistens einfach Excel – klingt vielleicht altmodisch, aber dann hab ich genau die Kontrolle die ich brauche. Hab das auch für meinen eigenen Vergleich zwischen Immobilien und dem AVD gemacht.
Was mich bei Sparplanrechnern grundsätzlich stört: Die meisten rechnen mit gleichbleibender monatlicher Rate, aber gerade am Anfang kann man oft mehr einzahlen und später weniger – oder umgekehrt. Das bildet kein Online-Rechner vernünftig ab.
Zur Förderfrage: Ich würd die Zulagen einfach jährlich als Einmalzahlung dazurechnen, nicht monatlich verteilen. Ist realistischer weil die Zulage ja ohnehin erst im Folgejahr überwiesen wird (zumindest war das bei Riester so, und beim AVD wirds wohl ähnlich laufen).
Rendite: Werner hat das gut erklärt. Ich würde aber nochmal betonen dass die Schwankungen auf dem Weg dahin enorm sein können. Wer das 2009 oder 2020 erlebt hat weiß wovon ich rede. Mit 25 hast du den Vorteil dass dich Crashs erstmal nicht wirklich treffen müssen – du kaufst dann halt günstiger nach.
Kurz von mir: Schau dir den Thread Kinderzulage und nachgelagerte Besteuerung: welcher Rechner stimmt? an, den hab ich selbst gestartet. Da geht's zwar mehr um Kinderzulage, aber die grundsätzliche Frage wie man Förderung im Rechner abbildet ist dieselbe wie bei dir. Einige Nutzer da haben konkrete Tools empfohlen die zumindest Teilaspekte des AVD schon berücksichtigen.
Was ich dir mitgeben kann aus eigener Recherche: Kein einziger der gängigen Online-Rechner (Stiftung Warentest, Finanztest, div. Brokerseiten) ist wirklich AVD-2027-tauglich. Die kennen das Produkt schlicht noch nciht. Du musst wirklich die Bausteine manuell zusammensetzen – Rendite, Kosten, Förderung separat addieren.
Für 25 Jahre Laufzeit würde ich sagen: lieber 5% ansetzen und positiv überrascht werden als mit 8% rechnen und am Ende enttäuscht sein.
Hab mich mit dem Thema Rechner auch schon beschäftigt, speziell ob die Inflationsbereinigung einen Unterschied macht – dazu hab ich sogar einen eigenen Thread eröffnet. Kurzfassung: macht bei langen Laufzeiten wirklich viel aus, also immer mit realer Rendite rechnen wenn du weißt was du am Ende kaufen kannst.
Ansonsten würde ich sagen: Mit 25 mach dir erstmal keinen zu großen Kopf über die exakten Eingaben. Hauptsache du fängst 2027 an. Der Zinseszinseffekt über 40+ Jahre ist so mächtig dass ein Unterschied von 0,5% in der Renditeannahme zwar auf dem Papier groß aussieht, aber ob du jetzt 6% oder 6,5% eintippst ändert nichts an der grundsätzlichen Entscheidung: einfach anfangen.