Liebe Forumsgemeinde,
ich bin jetzt fünf Jahre im Ruhestand und möchte mich ab Januar 2027 systematisch mit dem neuen Altersvorsorgedepot beschäftigen. Dabei stoße ich immer wieder auf ESG-ETFs und bin ehrlich gesagt verunsichert.
Auf der einen Seite reizt mich die Idee, dass mein Geld in nachhaltige Unternehmen fließt – das fühlt sich richtig an. Auf der anderen Seite habe ich gelesen, dass ESG-Kriterien oft willkürlich sind und viele "grüne" ETFs letztlich nur Greenwashing betreiben. Dazu kommt: ESG-ETFs haben oft etwas höhere TERs als Standard-MSCI-World-Produkte.
Meine Frage ist praktisch: Macht es für meine langfristige Altersvorsorge Sinn, in ESG-ETFs zu gehen, oder opfere ich damit real Rendite für ein gutes Gewissen? Und wie erkenne ich, ob ein ESG-ETF tatsächlich streng gefiltert ist oder nur Marketing-Getöse?
Ich plane, die volle Förderung ab 2027 zu nutzen und habe einen 25-30 Jahre Horizont bis 90+. Jeder Input hilft mir weiter!
Viele Grüße,
Walter
Walter, ich teile deine Skepsis. Ich bin skeptisch gegenüber vielen neuen Versprechungen beim AVD 2027 und habe mich daher auch intensiv mit ESG auseinandergesetzt – letztlich bin ich zurückhaltend.
Das Problem: ESG-Ratings unterscheiden sich massiv je nach Anbieter, und viele große Unternehmen schaffen es trotz fragwürdiger Praktiken in "nachhaltige" Depots. Das ist reines Greenwashing. Dazu kommen tatsächlich höhere Gebühren (oft 0,3–0,5% statt 0,1–0,2% bei breiten Indizes).
Für meine Altersvorsorge habe ich mich daher für breit gestreute Standard-ETFs entschieden und kümmere mich lieber selbst um nachhaltige Entscheidungen außerhalb meines Depots. Das ist ehrlicher und günstiger. Mein Riester-Vertrag ist ja auch kein Heilsbringer gewesen – warum sollte ich jetzt wieder auf teure "Lösungen" setzen?
Mein Rat: Vergleich die realen Renditen über 20 Jahre, nicht die Versprechungen.