Hi zusammen,
ich hab mal eine Frage zum Timing bei den Einzahlungen. Meine Situation: Bin selbständig und hab ziemlich unregelmäßige Einkünfte über's Jahr verteilt. Manchmal kommt im Sommer mehr rein (Klimaanlagen-Geschäft läuft dann gut), manchmal erst gegen Jahresende wenn die Großprojekte abgerechnet werden.
Bisher hab ich immer versucht, bis zum 31.12. den maximalen Betrag einzuzahlen um die Steuervorteile voll mitzunehmen. Aber jetzt überleg ich, ob es nicht schlauer wäre, quartalsweise gleichmäßig einzuzahlen - oder sogar dann wenn grad viel Geld reinkommt, auch wenn das bedeutet dass ich manchmal schon im Juli den Großteil für's Jahr eingezahlt hab.
Macht das steuerlich einen Unterschied? Hab gehört dass der Cost-Average-Effekt bei den ETFs besser ist wenn man regelmäßig einzahlt. Aber kann ich dann immer noch den vollen Sonderausgabenabzug nutzen oder gibt's da irgendwelche Fallen? Und was ist wenn ich mal ein schlechtes Jahr hab und den eingezahlten Betrag gar nicht voll steuerlich nutzen kann?
Freue mich über eure Erfahrungen!
Aus steuerlicher Sicht macht das Timing innerhalb eines Jahres keinen Unterschied, da ist FelixT_89 richtig. Aber ich sehe das aus Anlagersicht etwas anders.
Bei stark schwankenden Einkünften wie bei dir würde ich tatsächlich versuchen, möglichst gleichmäßig zu besparen. Nicht wegen der Steuern, sondern wegen des Durchschnittseffekts. Gerade in volatilen Marktphasen kann das einen erheblichen Unterschied machen.
Mein Vorschlag: Richte einen separaten "Vorsorge-Topf" ein und zahl dort regelmäßig ein wenn Geld reinkommt. Dann kannst du quartalsweise oder halbjährlich größere Beträge ins Depot transferieren. So hast du sowohl Flexibilität als auch eine gewisse Regelmäßigkeit.
Was die steuerliche Nutzung angeht: Wenn du mal deutlich weniger verdienst, können nicht genutzte Höchstbeträge leider nicht ins nächste Jahr übertragen werden. Also nicht übertreiben mit den Einzahlungen.
Steuerlich ist es völlig egal wann im Jahr du einzahlst, solange es bis zum 31.12. passiert. Der Sonderausgabenabzug wird immer für das komplette Kalenderjahr berechnet, egal ob du im Januar, Juli oder Dezember eingezahlt hast.
Was du ansprichst mit dem Cost-Average-Effekt stimmt schon - regelmäßige Einzahlungen können die Schwankungen besser glätten. Ich hab hier schon mal über die Höchstgrenzen geschrieben.
Bei unregelmäßigen Einkünften würd ich ehrlich gesagt flexibel bleiben. Zahl ein wenn das Geld da ist, aber lass immer noch etwas Puffer für Notfälle. Wenn du mal ein schlechtes Jahr hast und den Betrag steuerlich nicht voll nutzen kannst, ist das Geld trotzdem nicht verloren - es wird nur später beim Auszahlen anders besteuert.
Da muss ich Wolfgang52 teilweise widersprechen. Cost-Averaging ist mathematisch gesehen nicht optimal - lump sum schlägt statistisch den regelmäßigen Ansatz. Aber bei unregelmäßigen Einkünften wie in deinem Fall ist das ohnehin nicht umsetzbar.
Wichtiger Punkt: Du solltest deine Einzahlungen an deine Steuerprogression anpassen. Wenn du ein sehr gutes Jahr hast und in einen höheren Steuersatz rutschst, dann lohnt sich die Einzahlung mehr. Bei schlechten Jahren mit niedrigem Steuersatz kannst du weniger einzahlen.
Mein Rat: Mach eine grobe Jahresplanung deiner zu versteuernden Einkünfte und justiere deine Einzahlungen entsprechend nach. Im Klimaanlagen-Geschäft weißt du ja ungefähr wann die starken Monate kommen. Plan lieber konservativ und zahl bei Bedarf gegen Jahresende noch nach.