Hallo zusammen,
ich bin 34, Softwareentwickler, und versuche gerade die Produktregeln für das neue Altersvorsorgedepot 2027 zu durchdringen. Die offizielle Dokumentation ist leider etwas sperrig formuliert, deshalb hoffe ich hier auf praktischere Einschätzungen.
Meine konkrete Frage: Welche ETF-Strategien sind im neuen Altersvorsorgedepot eigentlich förderberechtigt? Ich denke da z.B. an klassische Weltmarkt-ETFs (MSCI World, FTSE All-World), aber auch an Faktor-ETFs (Value, Momentum, Quality) oder thematische ETFs. Gibt es da Einschränkungen durch das neue AltZertG, die bestimmte Konstrukte ausschließen?
Zweites Thema: Effektivkosten. Ich lese überall von der 1,2%-Kostengrenze, aber ich verstehe noch nicht genau, ob das alle Kostenarten abdeckt – also ETF-interne Kosten (TER), Depotgebühren, Transaktionskosten beim automatischen Rebalancing usw. – oder nur einen Teil davon. Bei einem kostengünstigen ETF-Sparplan über einen Neobroker könnte man da theoretisch deutlich drunter liegen, oder?
Ich komme aus der Welt der passiven Indexinvestments und bin eigentlich kein Fan von teuren Garantieprodukten. Mich würde also besonders interessieren, ob eine reine ETF-Strategie ohne Garantiekomponente im neuen Depot überhaupt vollständig förderberechtigt ist, oder ob da irgendwo eine Mindestgarantie versteckt ist.
Freue mich über konkrete Erfahrungen oder Einschätzungen!
Marcus H.
Die Garantiefrage finde ich als junger Sparer ehrlich gesagt super relevant. Ich hab mich bei der Frühstart-Rente gefragt ob da irgendeine Pflichtgarantie drin steckt – nach allem was ich gelesen hab ist das aber nicht so. Kein Beitragserhalt mehr, was erstmal komisch klingt, aber für lange Anlagehorizonte eigentlich total logisch ist. Mit Anfang 20 oder 30 braucht man keine teure Garantie, die die Rendite drückt.
Was Faktor-ETFs angeht bin ich unsicher ob alle Anbieter die überhaupt anbieten werden. Das wird dann eher eine Frage des konkreten Produkt-Universums des jeweiligen Anbieters sein, nicht der grundsätzlichen Förderregeln. Also selbst wenn Faktor-ETFs prinzipiell erlaubt wären, heißt das nicht dass dein Wunsch-ETF tatsächlich im Angebot ist.
Marcus, ich bin ebenfalls Softwareentwickler und hab mich damit intensiv beschäftigt, also lass mich etwas strukturierter antworten.
Zur Kostenfrage: Ich verstehe die 1,2%-Grenze als Gesamteffektivkostendeckel, der alle anfallenden Kosten berücksichtigen soll – also TER inklusive. Das macht den Vergleich einfacher als früher, aber es bedeutet auch, dass Anbieter mit hohen Depotgebühren nur günstige ETFs einsetzen können um darunter zu bleiben. Das zwingt den Markt ein Stück weit in Richtung passiver, günstiger Indexfonds.
Ich hab mich selbst schon intensiv mit Anbietervergleichen befasst – das ist komplizierter als es aussieht, weil Kostenpositionen unterschiedlich ausgewiesen werden. Dazu hab ich im Thread Anbietervergleich Kosten: Wo fange ich beim Einstieg an? schon einiges geschrieben.
Zur Förderberechtigung von Faktor-ETFs: Ich sehe da kein grundsätzliches Hindernis aus dem AltZertG, aber die praktische Verfügbarkeit wird wie Max schon schreibt vom Produktangebot der einzelnen Anbieter abhängen. Ein breiter MSCI World wird überall dabei sein, Small Cap Value oder ähnliches eher nicht überall.
ich frag mich bei dem ganzen eigentlich nur: gilt die 1,2% Kostengrenze dann auch für den TER des ETF selbst? weil ein MSCI World-ETF kostet ja schon 0,2% und dann kommen noch Depotgebühren oben drauf... das läppert sich.
hab dazu auch schon im Thread MSCI World ETF fürs Altersvorsorgedepot – welche Kriterien muss er erfüllen? was geschrieben, aber da war das auch noch nicht abschließend geklärt
Marcus, aus steuerlicher Sicht noch ein Hinweis der vielleicht überrascht:
Die Förderberechtigung und die steuerliche Behandlung hängen primär an der Zertifizierung des Produkts selbst, nicht am konkreten ETF darin. Das bedeutet: Ob du einen MSCI World oder einen Faktor-ETF nimmst, ist steuerlich grundsätzlich egal – solange das Depot-Produkt insgesamt zertifiziert ist.
Was ich aber in der Praxis schon bei ähnlichen Konstrukten gesehen habe: Thematische ETFs mit sehr konzentrierten Portfolios können unter Umständen Fragen zur angemessenen Risikostreuung aufwerfen, die im Rahmen der Anbieter-Compliance relevant werden. Das ist keine gesetzliche Vorgabe, aber Anbieter werden das intern wahrscheinlich einschränken, um Haftungsrisiken zu minimieren.
Zur nachgelagerten Besteuerung bei Auszahlung – das ist ein eigenes großes Thema, das ich hier nicht vollständig aufmachen will, aber: Die Ertragsanteilsbesteuerung im neuen System ist für ETF-Sparer langfristig in vielen Szenarien günstiger als mancher denkt. Lohnt sich, das separat zu durchrechnen.