Moin zusammen,
ich beschäftige mich seit 15 Jahren intensiv mit ETF-Sparplänen und habe in dieser Zeit einiges über die Ansparphase gelernt. Jetzt rückt aber für mich zunehmend die Frage in den Vordergrund: Wie sieht eigentlich ein sinnvoller Entnahmeplan im neuen geförderten Altersvorsorgedepot 2027 aus?
Bei klassischen ETF-Depots kenne ich verschiedene Methoden – fixe prozentuale Entnahme, die 4%-Regel, variable Entnahme je nach Marktlage usw. Aber beim neuen Altersvorsorgedepot kommen ja noch ganz andere Faktoren dazu: die staatliche Förderung, die nachgelagerte Besteuerung und die Frage, ob und wie flexibel man überhaupt entnehmen kann.
Konkret interessiert mich:
- Kann man die Entnahmephase wirklich frei gestalten oder gibt es Mindest-/Höchstbeträge pro Jahr?
- Wie wirkt sich die nachgelagerte Besteuerung auf die effektive Entnahmerate aus – hat das jemand schon mal durchgerechnet?
- Lohnt es sich, die Förderung in der Ansparphase maximal mitzunehmen und dann trotzdem flexibel zu bleiben?
Ich frage deshalb, weil ich Anspar- und Auszahlungsphase eigentlich als Einheit denken möchte und mich nervt, dass viele Diskussionen immer nur auf das Ansparen fokussieren. Für die langfristige Planung ist der Entnahmeplan mindestens genauso wichtig.
Freue mich auf eure Erfahrungen und Einschätzungen, auch wenn das Depot 2027 ja noch gar nicht live ist – aber gedanklich sollte man da doch schon weiter sein.
Viele Grüße,
ETFSparplan47
Aus der Riester-Welt kenne ich das Problem gut: Man hat sich jahrelang auf bestimmte Auszahlungsregeln eingestellt und dann kamen im Rentenalter doch unerwartete Einschränkungen. Beim alten Riester war ja z.B. die Pflicht, mindestens 70% als lebenslange Rente zu verrentern, ein echtes Ärgernis für viele.
Beim neuen Depot hofft man auf mehr Flexibilität, und die beitragsproportionale Förderung macht die Planung zumindest transparenter. Ich hab mich damit auch im Kontext bAV beschäftigt (thread dazu hier) – da ist die Entnahmephase nochmal komplizierter wenn man mehrere Töpfe hat.
Meine Einschätzung: Für einen realistischen Entnahmeplan würde ich mit einem effektiven Steuersatz von 20-25% auf die Entnahmen rechnen, auch wenn man hofft, dass es weniger ist. Lieber konservativ planen.
Als Selbstständiger interessiert mich das Thema Entnahme fast mehr als die Einzahlung, weil ich keine Betriebsrente als Basis habe. Ich bin gespannt ob das neue Depot wirklich so flexibel wird wie versprochen – gerade für Selbstständige, deren Einkommenssituation im Ruhestand schwerer vorherzusagen ist als bei Angestellten.
Die Frage nach Mindestentnahmen ist für mich essentiell. Wenn ich im Ruhestand in einem guten Jahr wenig entnehmen will und in einem schlechten mehr, brauche ich echte Flexibilität.
Gute Frage, die mich auch umtreibt. Nach 15 Jahren Portfolioaufbau merke ich, dass ich die Entnahmephase lange stiefmütterlich behandelt habe. Beim neuen Depot ist das meiner Meinung nach tatsächlich noch schwieriger zu planen, weil die genauen Regelungen zur Entnahmeflexibilität Stand heute noch nicht final kommuniziert sind.
Was ich bisher recherchiert habe: Es soll keine starre Verrentungspflicht geben wie bei Riester, aber eine vollständige Einmalentnahme ist wohl auch nicht vorgesehen. Irgendwas dazwischen – was genau, weiß ich noch nicht. Ich hab mich deswegen zuletzt eher mit dem Thema Verlustverrechnung beschäftigt (hab dazu hier im Forum gepostet), aber die Entnahmestrategie ist das eigentliche Herzstück.
Mein Gedanke: Die 4%-Regel als grobe Orientierung bleibt sinnvoll, aber durch die nachgelagerte Besteuerung muss man die effektive Nettorate deutlich niedriger ansetzen als beim normalen Depot. Wer bei Renteneintritt z.B. ohnehin wenig andere Einkünfte hat, profitiert natürlich stärker vom Progressionsvorteil.
Ich bin noch in der Ansparphase und weit von der Entnahme entfernt, aber auch ich finde das Thema wichtig – man sollte ja nicht erst mit 60 anfangen, das zu durchdenken.
Was mich dabei am meisten beschäftigt: Die nachgelagerte Besteuerung klingt erstmal gut, aber wenn man dann im Ruhestand noch andere Einkünfte hat (Mieteinnahmen, Betriebsrente, was auch immer), kann der persönliche Steuersatz gar nicht so niedrig sein wie erhofft. Hab das im Crash-Szenarien-Thread mal am Rande angesprochen – da geht's zwar um Marktturbulenzen, aber die steuerliche Seite eines Crashs in der Entnahmephase ist auch relevant.
Und die Frage nach Mindestentnahmen oder Pflichtverrentungsanteilen ist wirklich noch sehr unklar. Hab bisher nichts Konkretes gelesen das mich wirklich überzeugt hätte.