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Depot oder Immobilie: Was bringt steuerlich mehr für die Rente?

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Marcus H.
Beiträge: 21
Themenstarter
(@marcusheld)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten
[#70]

Hallo zusammen,

ich grübele gerade intensiv über eine Frage, die mich seit ein paar Wochen beschäftigt und zu der ich hier hoffentlich ein paar fundierte Perspektiven bekomme.

Mir ist klar, dass das Altersvorsorgedepot ab 2027 mit der nachgelagerten Besteuerung arbeitet – also: jetzt Steuern sparen, später bei der Entnahme versteuern. Das klingt für mich als Berufseinsteiger mit noch niedrigem Einkommen zunächst weniger attraktiv als für jemanden mit hohem Grenzsteuersatz. Aber ich frage mich, ob der Berufseinsteigerbonus und die Grundzulage das nicht kompensieren oder sogar übertreffen.

Gleichzeitig sehe ich natürlich, dass Immobilien schon immer als klassische Altersvorsorge gelten. Mietertrag im Alter, kein Miete-zahlen mehr usw. Aber die steuerliche Seite ist auch komplex: Abschreibungen, Mieteinnahmen werden voll besteuert, und der Kaufpreis bei aktuellen Zinsen ist nicht ohne.

Mich interessiert konkret: Wenn ich den Berufseinsteigerbonus und die Grundzulage über 35-40 Jahre mit dem Zinseszinseffekt im AVD-Depot hochrechne – kann das wirklich mit einer schuldenfreien Eigentumswohnung mithalten, die im Alter Mieteinnahmen bringt? Oder vergleiche ich da Äpfel mit Birnen?

Besonders die Steuerstundung über Jahrzehnte und ihre tatsächliche Wirkung verstehe ich noch nicht richtig intuitiv. Hat jemand das schon mal durchgerechnet oder kann die Logik erklären?

Danke und schöne Sommergrüße,
Marcus


1 Antwort
Andreas-Richter
Beiträge: 28
(@andreas-richter)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Marcus, das ist eine Frage, die ich in meiner Beratungspraxis fast wöchentlich höre – und die ehrliche Antwort ist: es kommt sehr stark auf die individuelle Situation an, aber ein paar strukturelle Punkte lassen sich festhalten.

Die nachgelagerte Besteuerung im AVD funktioniert so: Du bekommst heute Steuervorteile (bzw. Zulagen), das Kapital wächst unversteuert, und erst im Rentenalter zahlst du auf die Entnahmen Einkommensteuer. Der Vorteil entsteht aus zwei Quellen: erstens der Steuerstundung (Kapital arbeitet auf dem vorsteuerlichen Betrag), zweitens der oft niedrigeren Grenzbelastung im Rentenalter gegenüber der Erwerbsphase.

Als Berufseinsteiger mit noch niedrigem Grenzsteuersatz mag der Sofortvorteil klein wirken – aber der Berufseinsteigerbonus und die Grundzulage sind echtes Zusatzkapital, das über Jahrzehnte mitverzinst wird. Das sollte man nicht unterschätzen. Ich hab das für ein paar Mandanten grob modelliert: allein die staatlichen Zulagen über 40 Jahre mit einer angenommenen realen Rendite von 5% p.a. machen einen erheblichen Unterschied.

Die Immobilie dagegen ist kapitalintensiv, wenig fungibel, und Mieteinnahmen werden voll mit dem persönlichen Steuersatz besteuert – anders als die Depot-Entnahmen, die zumindest durch den Grundfreibetrag im Rentenalter teilweise abgepuffert werden. Zu Wechselwirkungen zwischen Zinsniveau und Förderrendite hab ich übrigens im USD-Dominanz-Thread etwas dazu geschrieben – nicht direkt zum Thema, aber die Zinslogik ist verwandt.

Kurzes Fazit: Für die meisten Berufseinsteiger ist das AVD-Depot allein wegen der Zulagen und des Zinseszinseffekts sehr schwer zu schlagen – sofern man die Entnahmebesteuerung im Alter realistisch einkalkuliert.


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