Hey Leute,
ich sitze gerade im Urlaub (bin diese Woche noch zuhause, Reise erst Mitte Juli) und nutze die ruhige Zeit um mich endlich ernsthaft mit dem neuen Altersvorsorgedepot zu beschäftigen. Ich bin 28 und versuche gerade verschiedene Rechner durchzuprobieren um ein Gefühl für realistische Zahlen zu bekommen.
Meine Frage: Wie wichtig ist es eigentlich bei der Berechnung die Inflation mit einzuberechnen? Ich hab jetzt schon mehrere Rechner benutzt und die meisten spucken dir eine Endsumme raus ohne irgendwas inflationsbereinigt zu zeigen. Klar, 250.000€ klingt erstmal toll wenn ich mit 67 in Rente gehe – aber was sind die dann noch wert?
Ich hab mal grob überschlagen: wenn ich 2% Inflation annehme und 40 Jahre warte, dann ist die Kaufkraft dieser 250k ungefähr die Hälfte von heute, oder? Das klingt schon massiv nach einem Unterschied ob ich mit oder ohne Inflationsbereinigung plane.
Meine konkrete Frage:
- Rechnet ihr grundsätzlich immer mit Realrendite (also Nominalrendite minus Inflation)?
- Oder geht ihr von der Nominalrendite aus und berechnet die Kaufkraft am Ende separat?
- Gibt es Rechner die das gut abbilden?
Irgendwie hab ich das Gefühl dass viele Leute die Inflation bei der Planung komplett unterschätzen. Oder täusch ich mich da?
Danke schon mal!
Ich seh das ein bisschen anders als die Vorrednern hier. Natürlich ist Inflationsbereinigung wichtig, aber ich würde auch nicht zu viel Zeit damit verbringen den 'perfekten' realen Endwert auszurechnen. Bei einem 40-Jahres-Horizont ist die Unsicherheit bei Rendite, Inflation und deiner persönlichen Lebenssituation sowieso so groß, dass jede Zahl nur eine grobe Orientierung ist.
Was ich damit sagen will: lieber regelmäßig sparen und die Sparrate alle paar Jahre anpassen (auch an die Inflation), als sich jetzt in Detailrechnungen zu verlieren. Wer z.B. seine monatliche Sparrate alle 5 Jahre um 10% erhöht, gleicht reale Kaufkraftverluste beim Sparbeitrag schon automatisch teilweise aus.
Aber grundsätzlich hast du natürlich Recht – Rechner die nur einen Nominalendwert zeigen ohne jede Kaufkrafteinordnung sind zumindest irreführend.
Kurz und knapp: ja, immer Realrendite nehmen. Nominalwerte allein sind für die Vorsorgeplanung praktisch wertlos, weil du damit nicht weißt was du dir später leisten kannst. 2% Inflationsannahme ist für einen 40-Jahres-Zeitraum übrigens schon eher optimistisch – ich rechne persönlich lieber mit 2,5% um etwas Puffer zu haben.
Eine Sache noch die oft vergessen wird: Inflation trifft nicht alle Güter gleichmäßig. Gesundheitskosten und Mieten steigen erfahrungsgemäß stärker als der allgemeine Verbraucherpreisindex. Wer im Alter hauptsächlich diese Kosten hat, sollte das in seiner Planung berücksichtigen.
Für Rechner: finanzen.net hat einen der Inflation als Parameter zulässt, ist aber nicht besonders komfortabel. Finanztip hatte auch mal was, bin mir nicht sicher ob das noch aktuell ist. Selbst in Excel rechnen ist eigentlich am flexibelsten wenn man ein bisschen Zeit investiert.
Als jemand der die Inflation der 70er Jahre noch selbst miterlebt hat, kann ich nur sagen: unterschätzt das bloß nicht. Damals gab es Phasen mit 6-7% Inflation in Deutschland. Was das mit Ersparnissen macht, haben viele schmerzhaft gelernt.
Ich bin zwar kein Experte für die modernen Rechner-Tools, aber inhaltlich ist eure Diskussion völlig richtig. Nominalwerte ohne Kaufkraftbetrachtung sind eigentlich nichtssagende Zahlen. Ein Rentner der 1980 mit 100.000 DM geplant hat und 2000 in Rente ging, hat gemerkt was Inflation bedeutet.
Für das neue Altersvorsorgedepot würde ich immer mit einem konservativen Realzins rechnen. Lieber am Ende mehr haben als erwartet als umgekehrt. Was die konkreten Rechner angeht – da verlasse ich mich ehrlich gesagt auf jüngere Leute hier im Forum, die kennen sich mit den digitalen Werkzeugen besser aus als ich.
Guter Punkt von Wolfgang52 mit dem regelmäßigen Anpassen – das mach ich auch so. Trotzdem würde ich Tim direkt antworten: Realrendite ist die richtige Kennzahl für die Planung, und deine Faustformel stimmt in etwa.
Für das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 ist das noch etwas relevanter als bei älteren Produkten, weil dort keine garantierten Nominalbeträge mehr im Spiel sind. Du hast also ohnehin eine variable Entwicklung – dann solltest du auch realistisch mit dem rechnen was am Ende in heutiger Kaufkraft rauskommt.
Ein Tip: manche Rechner haben eine Option 'Wert in heutiger Kaufkraft' oder 'inflationsbereinigt' die standardmäßig ausgeschaltet ist. Einfach mal durchklicken ob sowas vorhanden ist bevor man einen neuen sucht.