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Bid-Ask-Spread beim Altersvorsorgedepot: wann lohnt Handel wirklich?

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L.Weber38
Beiträge: 49
Themenstarter
(@l-weber38)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten
[#137]

Hallo zusammen,

ichmal eine Frage die mich schon länger beschäftigt, bevor das Altersvorsorgedepot 2027 startet. Ich lese immer wieder, dass beim ETF-Kauf der sogenannte Spread (also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) eine Rolle spielt, die offiziell nirgends ausgewiesen wird. Bei der TER steht ja alles schwarz auf weiß, aber beim Spread ist das anders – der fällt einfach still beim Handel an, ohne dass man ihn direkt sieht.

Meine konkreten Fragen:
- Wie groß ist dieser Spread typischerweise bei gängigen MSCI World ETFs, und ändert sich der im Tagesverlauf?
- Gibt es Uhrzeiten oder Marktphasen, wo man lieber NICHT kaufen sollte? Ich hab gelesen, dass morgens direkt nach Börsenöffnung die Spreads breiter sind.
- Werden beim neuen Altersvorsorgedepot Sparpläne automatisch zu ungünstigen Zeiten ausgeführt, oder kann man das steuern?
- Welche anderen "versteckten" Kosten gibt es noch, die in keinem Factsheet auftauchen?

Ich frage deshalb, weil ich beim neuen Depot nicht nur auf die TER schauen will, sondern das Gesamtbild verstehen möchte. Grade jetzt im Sommer wo ich etwas mehr Zeit hab, versuche ich mich richtig einzulesen bevor es 2027 losgeht.

Freue mich auf eure Einschätzungen!

L.Weber38


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7 Antworten
Monika K.
Beiträge: 18
(@monika67)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Ich hab mich ehrlich gesagt noch nicht so tief damit befasst. Beim Sparplan zahlt man den Spread ja auch, aber weil man regelmäßig kauft, mittelt sich das über die Zeit aus – zumindest hab ich das so verstanden.

Was mich persönlich mehr beschäftigt ist, ob beim Altersvorsorgedepot überhaupt Einzel-Käufe sinnvoll sind oder ob man einfach stur den Sparplan laufen lässt und sich den ganzen Stress mit Uhrzeiten spart. Ich mach das bei meinen anderen Depots schon seit Jahren so und schlafe besser dabei. 😅

Aber ich lass mich gerne von den Experten hier eines besseren belehren.


Antwort
Kritikus_78
Beiträge: 45
(@kritikus_78)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Gute Frage, die leider viele unterschätzen. Ich hab mich damit schon intensiv befasst, u.a. im Kontext des Beitrags zu Mindestbeitrag vs. Maximalbeitrag – dort gings zwar ums Volumen, aber indirekt spielt der Spread auch da rein, weil kleine Beträge prozentual stärker belastet werden.

Zum Spread bei MSCI World ETFs: Bei liquiden, großen ETFs (z.B. iShares oder Xtrackers auf MSCI World) liegt der Spread auf Xetra typischerweise zwischen 0,02% und 0,10%. Morgens in den ersten 15-30 Minuten nach Handelsstart (also 9:00–9:30 Uhr) und kurz vor Handelsschluss sind die Spreads oft breiter, weil Market Maker ihre Preise noch kalibrieren bzw. Risiken absichern. Zwischen 11:00 und 15:30 Uhr – wenn die US-Märkte noch nicht offen sind aber Europa gut läuft – ist es meist am engsten.

Für Sparpläne im Altersvorsorgedepot wird die konkrete Ausführungszeit anbieterabhängig sein. Ob man das steuern kann, ist 2026 noch unklar – das steht in keinem der bisher bekannten Entwürfe drin.

Zusätzliche versteckte Kosten: Währungsumrechnungsgebühren (bei ETFs die intern in USD handeln), gelegentliche Maklerprovisionen bei bestimmten Anbietern und die sogenannte Geldmarktspanne bei der Verwahrung. Letzteres ist selten, aber bei manchen Konstrukten möglich.


Antwort
Werner-Kohl
Beiträge: 62
(@werner-kohl)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Was ich noch ergänzen möchte: Es gibt neben dem Spread noch die sogenannte Tracking Difference (TD), die oft mit der TER verwechselt wird aber eigentlich aussagekräftiger ist. Die TD zeigt, wie stark ein ETF wirklich vom Index abweicht – netto, nach allen Kosten inkl. Wertpapierleihe-Erträgen die der Fonds ggf. einnimmt. Manche ETFs mit 0,2% TER haben eine TD von nur 0,05% weil die Wertpapierleihe das kompensiert.

Das ist zwar nicht direkt der Spread, aber gehört zu den "unsichtbaren" Kostenkomponenten die du angesprochen hast. Hab mich beim Steuervorteil-Flexibilitäts-Thread schon gefragt ob das Altersvorsorgedepot hier nochmal eine neue Schicht Komplexität drauflegt. Im Zweifel: TD über mehrere Jahre beobachten, nicht nur TER vergleichen.


Antwort
Nadine K.
Beiträge: 30
(@nadine_1979)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Ich seh das ein bisschen anders als Monika67 – gerade wenn man größere Einmalbeträge investiert (z.B. den jährlichen Maximalbeitrag auf einmal), kann der Spread durchaus relevant sein. Bei 5.000 Euro macht auch 0,08% Spread schon 4 Euro aus, was bei einem 0,07% TER ETF relativ gesehen ins Gewicht fällt.

Ich hab im Thread 1 ETF reicht doch eigentlich schon mal angesprochen, dass man bei der ETF-Auswahl nicht nur die TER anschauen sollte sondern auch Handelsvolumen und Fondsvolumen. Beides beeinflusst den Spread direkt: je größer der Fonds und je mehr Handelsvolumen, desto enger der Spread in der Regel.

Für das neue Depot würde ich daher gezielt auf ETFs mit mindestens 1 Mrd. Euro Fondsvolumen setzen. Unter dieser Grenze wird's oft teurer als es scheint.


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