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Welche ETF-Kombination macht Sinn wenn man gerade erst anfängt?

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Werner K.
Beiträge: 30
Themenstarter
(@werner-kstner)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten
[#143]

Hallo zusammen,

ichbin 24 und fange nach meinem Abschluss jetzt im Herbst mit meiner ersten richtigen Stelle an. Das Altersvorsorgedepot startet ja Anfang 2027 und ich möchte mich rechtzeitig vorbereiten, damit ich von Anfang an einen klaren Plan habe und nicht einfach irgendwas nehme.

Mein Problem: Ich lese mich seit Wochen ein und werde aus den ganzen ETF-Kombinationen nicht wirklich schlau. Mal heißt es, ein einziger MSCI World reicht für den Start. Dann wieder soll man unbedingt Emerging Markets dazunehmen. Jemand anderes schwört auf den FTSE All-World als Rundum-Paket. Und dann gibt es noch Leute die sagen, mit 24 darf man ruhig risikoreicher rangehen weil man ja noch 40 Jahre Zeit hat.

Was mich konkret interessiert:
- Macht ein einzelner ETF (z.B. FTSE All-World) für den Einstieg wirklich Sinn, oder lässt man damit zu viel auf dem Tisch liegen?
- Lohnt sich eine Aufteilung 70/30 MSCI World + EM schon bei kleinen Sparraten, sagen wir 150-200€ monatlich?
- Gibt es etwas, das man als Berufseinsteiger von Anfang an falsch machen kann und das man später schwer korrigiert bekommt?

Ich will das nicht überkomlifizieren, aber auch nicht einfach blind irgendwas besparen. Hat jemand von euch das selbst durchgemacht oder konkrete Erfahrungen? Mich interessieren auch gerne ehrliche Meinungen, nicht nur das Lehrbuchantwort.

Danke schonmal!
Werner


4 Antworten
Markus K.
Beiträge: 24
(@markusb-krieger)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Was Markus8268 und TechMike schreiben, stimmt soweit. Ich ergänze nur kurz aus einer etwas anderen Richtung, weil ich mich zuletzt viel mit Small Caps beschäftigt hab:

Für den reinen Einstieg mit 150-200€ würde ich Small Cap Beimischungen erstmal komplett weglassen. Ich hab das hier auch schon diskutiert: Small Cap ETF als Beimischung – ab welchem Depotvolumen macht das Sinn? – die Antwort ist: erst ab einem gewissen Depotvolumen macht das wirklich Sinn, und das ist bei Berufsstart noch nicht erreicht.

Ein FTSE All-World deckt schon über 3.700 Positionen ab. Das ist keine vereinfachte Lösung, das ist schlicht ein sehr gutes Basisprodukt. Wenn dein Depot in ein paar Jahren größer ist und du mehr Erfahrung hast, kannst du immer noch gezielt ergänzen. Bis dahin: eine Position, konsequent besparen, fertig.

Und ja – nutze den Sommer um dich in Ruhe vorzubereiten. Bis das Depot Anfang 2027 losgehen kann, hast du noch ein halbes Jahr. Lieber jetzt gründlich nachdenken als im Dezember unter Zeitdruck irgendwas abschließen.


Antwort
Heinrich67
Beiträge: 60
(@heinrich67)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Ich seh das ein bisschen anders als die Vorredner.

Ein FTSE All-World ist gut, keine Frage. Aber ich würde trotzdem kurz drauf hinweisen dass "einfach anfangen" nicht bedeutet "nie nachdenken". Ich hab selbst den Wechsel von älteren Produkten hinter mir (hab das hier mal beschrieben: Wann lohnt sich der Wechsel von Riester?) und was mich damals beschäftigt hat: Man neigt dazu, die frühen Entscheidungen für unwichtig zu halten weil die Beträge klein sind. Aber die Gewohnheiten die man sich in den ersten Jahren angewöhnt – regelmäßig schauen, Sparrate anpassen, nicht panisch reagieren – die bleiben.

Daher mein Rat: Nicht nur den ETF aussuchen, sondern gleich überlegen bei welchem Anbieter du das Altersvorsorgedepot eröffnest und ob die Plattform übersichtlich genug ist dass du wirklich dabei bleibst. Das ist genauso wichtig wie welcher Index draufsteht.


Antwort
TechMike_92
Beiträge: 42
(@techmike_92)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 5 Monaten

Hey Werner,

ich bin selbst nicht viel älter als du und hab mich letztes Jahr intensiv damit beschäftigt, wieviele ETFs man als Anfänger überhaupt braucht – hab dazu auch schon mal was gepostet: Wie viele ETFs sollte ich als Anfänger maximal ins Depot nehmen?

Kurze Antwort: weniger ist mehr, wirklich.

Ich würd bei 150-200€ Sparrate erstmal mit einem einzigen breit gestreuten ETF anfangen, FTSE All-World oder MSCI ACWI. Das 70/30-Split macht bei dem Betrag rechnerisch kaum einen Unterschied, aber du hast dann zwei Positionen die du im Blick halten musst und irgendwann Rebalancing-Stress.

Das größte Fehlerrisiko für Einsteiger ist meiner Meinung nach nicht die ETF-Auswahl sondern das Verhalten in Krisen. Du wirst erleben dass dein Depot mal 20-30% im Minus ist, und dann genau weiterzusparen anstatt zu verkaufen – das ist die eigentliche Leistung. Dafür brauchst du ein Portfolio das du verstehst und dem du vertraust, und kein kompliziertes Konstrukt.

Und noch was: Da das Altersvorsorgedepot erst 2027 startet, nutze die Zeit jetzt um dich reinzulesen und einen klaren Plan zu haben bevor du den ersten Sparplan einrichtest. Übereilte Entscheidungen im Januar 2027 muss man dann manchmal teuer korrigieren.


Antwort
Markus B.
Beiträge: 26
(@markus8268)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Hallo Werner,

kurze Vorbemerkung: Ich hab mich hier im Forum schon öfter mit Fragen rund um Kosten und Zertifizierung beschäftigt (z.B. in diesem Thread: Zertifizierungsanforderungen AltZertG: Wie schützt das vor Inflationsverlust?), und was dort gilt, gilt hier genauso: Komplexität kostet am Ende oft mehr als sie bringt.

Zu deinen Fragen:

Ein FTSE All-World ist für den Einstieg absolut solide. Du hast darin bereits Industrieländer und Emerging Markets abgedeckt – das 70/30-Konstrukt mit zwei getrennten ETFs macht bei 150-200€ im Monat keinen wesentlichen Unterschied. Der Rebalancing-Aufwand und die Transaktionskosten fressen den theoretischen Vorteil bei kleinen Summen meistens wieder auf.

Was man als Einsteiger wirklich falsch machen kann: zu viele ETFs auf einmal, dann den Überblick verlieren und irgendwann einfach aufhören zu sparen. Das ist das eigentliche Risiko, nicht die ETF-Auswahl selbst.

Mit 24 Jahren und 40+ Jahren Anlagehorizont hast du einen riesigen Vorteil. Den verspielen die meisten nicht durch schlechte ETF-Wahl, sondern durch Ungeduld oder zu frühes Umschichten wenn mal ein Jahr schlecht läuft.

Einfach anfangen, konsequent bleiben – das klingt banal, ist aber tatsächlich das Wichtigste.


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